Bietigheim-Bissingen 2007
"anno MMVII"


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ULRICHSTRASSE

Die Straße wurde benannt vor 1940.

"Ulrich von Württemberg (* 8. Februar 1487 in Reichenweier, Elsass; † 6. November 1550 in Tübingen) war zwischen 1498 und 1550 Herzog von Württemberg." (Quelle: Wikipedia;)


Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 4. Februar 1984

Ein Verschwender und Bauernfänger

Die Ulrichstraße in Bietigheim

(rh). Seine Prunksucht hat Württemberg immense Schulden und der armen Landbevölkerung schlaflose Nächte gebracht. Und doch hat es Herzog Ulrich von Württemberg geschafft, gerade die Bauern hinter sich zu bringen, mit deren Hilfe er 1534, unterstützt vom Landgrafen Philipp von Hessen, nach 15jährigem Exil wieder Württemberg zurückeroberte. Dies war jedoch nicht seine erste Aktion als Bauernfänger. Schon 1514 trat er als solcher in Erscheinung, als er die rebellischen Bauern des "Armen Konrad" im ganzen Land fangen und foltern, ihren Anführern öffentlich die Köpfe abschlagen ließ.

Schon im zarten Alter von elf Jahren wurde der Bub 1498 von Kaiser Maximilian I. für volljährig erklärt. Ulrich hatte bis dahin jedoch keine Erziehung genossen. Die Familie war zerrüttet, sein Vater Heinrich, wegen Unberechenbarkeit meist hinter Gittern, war aus dem Land gejagt worden. Das adelige Söhnchen war roh, wild und zügellos und sah als junger Herzog unter den Fittichen eines Zwölferrats sein Privileg darin, stundenlang zu tafeln, bis er bald völlig verfettete. 

In der Bevölkerung herrschte bereits bittere Wut, da schon Ulrichs Onkel Eberhard II. die Staatsfinanzen zerrüttet hatte und das Volk unter dem harten Joch, die Schulden bezahlen zu müssen, litt. Von Ulrich wurden die armen Leute noch mehr ausgesogen. Seine Hochzeit mit der bayerischen Prinzessin Sabina, einer Nichte Maximilians, kostete soviel wie das ganze Land in einem Jahr erwirtschaftete. Die Schulden stiegen ins Uferlose. Kein Wunder, wenn 7000 Gäste an fünf Märztagen im Jahre 1511 allein 136 Ochsen und 1800 Kälber verspeisten und aus zwei Brunnen Tag und Nacht Rot- und Weißwein in Strömen floß, wie Leo Sievers in seinem Buch "Der Bauernkrieg" aufzählt.

Nach fünf Jahren hatte die Gemahlin genug von dem Martyrium und floh zu ihrer Mutter. War sie ihrem Mann nicht sogleich zu Willen gewesen, hatte er seine Hunde auf sie gehetzt und sie verprügelt.

1514 bekam es Ulrich mit den aufständischen Bauern des "Armen Konrad" zu tun, die sich gegen seine Geldeintreibungen wehrten und für mehr Menschenrechte eintraten. In Marbach, wo auch Bietigheimer Bauern sich beteiligten, besetzten Bauern das Rathaus, bekamen jedoch Angst vor den Konsequenzen. In Bietigheim wollte Matthias Schmid, wie bei Professor Roemer in der "Geschichte der Stadt Bietigheim" zu lesen ist, den ganzen Magistrat aus den Fenstern werfen. Die Landstände begehrten auf und verlangten mehr Rechte. Der Herzog mußte einen Landtag einberufen, dessen Forderungen ihm die Sprache verschlugen.

Ein Kontrollorgan aus zwölf Räten sollte seine Regierung überwachen. Der Herzog sollte einen festen Etat zugewiesen bekommen. Im "Tübinger Vertrag" vom 8. Juli 1514, der als Ergebnis des Landtags geschlossen wurde und in dem Herzog Ulrich einige Zugeständnisse machen mußte, setzten die Stände diese Forderungen durch. Doch gleichzeitig - Sieg für Ulrich - übernahmen sie die Schulden des Landesvaters: 910 000 Gulden.

Nicht alle Württemberger hießen den Vertrag gut. In Schorndorf kam es zum Aufstand: 7000 Bauern und Bürger verweigerten Ulrich die Gefolgschaft. Er rächte sich bitter, als verbündete Fürsten ihm mit Landsknechten zu Hilfe kamen. Die Anführer wurden, soweit sie noch im Land waren, vor seinen Augen enthauptet.

Ulrich trieb es zu weit. Durch den Mord an Hans von Hutten, der seine Frau Sabina getröstet haben soll, verfeindete er sich 1515 mit den Ständen und wurde 1516 vom Kaiser geächtet. Als er 1519 die Stadt Reutlingen besetzte, wurde er vom Schwäbischen Bund besiegt und flüchtete nach Mömpelgard. 1523 mißlang ein Versuch, wieder die Macht in Württemberg zu erlangen. Während seiner Vertreibung regierten im Land die österreichischen Habsburger.

Nach seiner Rückkehr, die auch von den eher lutherisch gesinnten Bauern unterstützt wurde, führte Ulrich die Reformation ein. Sebastian Hornmold, Vogt von Bietigheim und treuer Diener seines Herrn, half ihm nach Kräften. Dafür schenkte ihm Ulrich 1535 das jetzige Hornmoldhaus. Im Schmalkaldischen Krieg verloren die protestantischen Fürsten gegen des Kaisers Truppen. 300 000 Gulden mußte Ulrich 1547 dem Kaiser für die Unterwerfung bezahlen. Das Geld trieb Hornmold innerhalb von vier Wochen im Lande ein.

Die letzten Jahre verbrachte Herzog Ulrich in Nürtingen, wo er am 6. November 1550 starb. Bietigheim gab einer Straße am nach ihm benannten Ulrichsbuckel seinen Namen. Vor dem Rathaus steht sein Denkmal.

Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 4. Februar 1984

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