Bietigheim-Bissingen 2007
"anno MMVII"


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HORNMOLDSTRASSE

Die "Hornmoldstraße" ist eine der wenigen Straßen Bietigheim-Bissingens, die innerhalb des Ortsgebiets gewandert sind.
Ursprünglich (schon in der Karte von 1905) hieß die heutige Kurze Straße "Hornmoldstraße", der Name wanderte aber am 27. Juli 1945 in den Sand, wo man die Horst-Wessel-Straße umbenennen musste. Damit konnte man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Der wichtige Sohn der Stadt wurde mit einer Straße mit Hausnummern bedacht, und eine gewisse Ähnlichkeit im Klang des neuen Namens war auch gewahrt: Man konnte sich ja beim Schreiben der neuen Adresse beim zweiten Buchstaben ja noch besinnen! Dass Klanggründe bei der Umbenennung eine Rolle spielen können, zeigt sich etwa bei der Zusammenlegung von Bietigheim und Bissingen zum 1. 1. 1975, als der frühere "Birkenweg" erst zum "Dachsweg" und dann zum "Iltisweg" wurde.
Die Hornmoldstraße hieß erst seit 16. März 1932 Hindenburgstraße, wurde am 26. April 1934 in "Horst-Wessel-Straße" umbenannt und bekam, wie oben schon beschrieben, am 27. Juli 1945 ihren heutigen Namen. Der Name "Hindenburgstraße" wanderte damals in den Westen, um die bisherige "Gartenstraße" zu bezeichnen.

Namengebend: "Bedeutende Bietigheimer Familie des 16. und 17. Jh. U. a. Sebastian Hornmold (1500 - 1581) Stadtschreiber, Vogt, erster württembergischer Kirchenratsdirektor" (offizielle Information)

Sebastian Hornmold (1500-1581) hatte als einflussreicher Beamter am württembergischen Hof

maßgeblichen Anteil an der wirtschaftlich-verwaltungstechnischen Durchführung der Reformation in Württemberg, gleichzeitig trug er nicht unmaßgeblich zu der gedeihlichen Entwicklung Bietigheims im 16. Jh. bei. Sein Haus (seit 1989 Stadtmuseum) vermittelt noch heute etwas vom Lebensstil und Selbstbewusstsein dieses bedeutenden Bietigheimers. Als bürgerlicher, fachlich ausgebildeter und praxisbewährter Verwaltungsmann verkörpert er einen neuen Typus des Beamten, der nun an die Stelle des alten, auf adeligem Geburtsstand beruhenden Hofdienstes tritt.

Sebastian Hornmold wurde am 1. Januar (?) 1500 als Sohn des Adam Hornmold geboren, der als Weinhändler und Bürgermeister eine bedeutende Stellung in Bietigheim innehatte. Von der Schulbank der Lateinschule weg holte Herzog Ulrich von Württemberg den 10 Jahre alten Knaben Sebastian an die damals berühmte Hofkantorei nach Stuttgart. Im gleichen Jahr 1519, als Herzog Ulrich nach seinem Handstreich gegen die Reichsstadt Reutlingen vom Schwäbischen Bund seines Landes vertrieben wurde, immatrikulierte sich Sebastian Hornmold an der Landesuniversität in Tübingen, versehen mit einem landesherrlichen Stipendium und dem herzoglichen Versprechen "Hilft mir Gott, so hilft er auch Dir".

Hornmolds Kontakt zu dem im Exil in Mömpelgard weilenden Herzog war für die habsburgische Statthalter-Regierung Anlass, ihn von der Universität zu verweisen und gefangen zu setzen. Sie witterte eine Verschwörung. Erst 1521 kam Hornmold wieder frei und trat "in der Fremde" eine Schreiberlehre an.

Als kaiserlicher Notar kehrte er 1525 in seine Heimatstadt zurück. Hier konnte er sich sogleich als Vermittler im Bauernkrieg bewähren. Es gelang ihm zwar, Blutvergießen zu verhindern und die bedrohte Ehrbarkeit zu schützen, die Bauern plünderten jedoch das Rathaus, die Registratur und das Archiv und beraubten die Stadt damit ihres rechtlichen Instrumentariums. Aus Dankbarkeit von seiner Heimatstadt zum Stadtschreiber bestellt, versammelte Hornmold die ältesten Einwohner um sich und kodifizierte das in Bietigheim übliche Gewohnheitsrecht in den "Bietigheimer Annalen" - eine erhalten gebliebene einzigartige Stadtrechtssammlung und zugleich eine frühe Bietigheimer Stadtgeschichte.

Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten mit der habsburgischen Statthalter-Regierung wurde er noch in der "österreichischen Zeit" von der Rentkammer beauftragt, bei der "Renovatur" verschiedener Ämtern mitzuwirken, d. h. eine schriftliche Bestandsaufnahme der herrschaftlichen Besitzrechte und Einkünfte durchzuführen.

Mit der Rückkehr Herzog Ulrichs 1534 beginnt der Aufstieg Hornmolds. Zunächst schenkte der Herzog - sein Versprechen einlösend - Hornmold für erlittene Unbill das mit der Einführung der Reformation "verstaatlichte" Haus der Bietigheimer Johannespfründe, das dieser 1535 zu seinem repräsentativen Wohnhaus ausbaute. Gleichzeitig ernannte er den loyalen Beamten zu seinem Vertreter im Amt Bietigheim, zum Vogt. Der fähige Verwaltungsmann wurde darüber hinaus so intensiv mit Landesaufgaben betraut, dass er dauernd im Lande unterwegs war und bald einen Vertreter für das Vogtamt benötigte, den er in seinem ältesten Sohn Josias (1528 - 1587) fand. Hornmold oblag die wirtschaftliche und verwaltungstechnische Durchführung der Reformation in Württemberg, insbesondere die wirtschaftliche "Abwicklung" der Klöster im näheren Umkreis - eine Aufgabe, die er akribisch und hartnäckig durchführte, die ihm dort aber nur wenig Freunde einbrachte.

Die turbulente Zeit des Schmalkaldischen Krieges und des "Interims" (1546/52) erlebte Hornmold zunächst in Stuttgart, wohin ihn der Herzog beordert hatte. Selbst steckbrieflich verfolgt und nur mit knapper Mühe seinen kaiserlichen Häschern entkommend, deckte er eine Verschwörung gegen den Herzog und seinen Bruder auf; es gelang ihm damit, ein Attentat zu verhindern. An seinem Haus und Hausrat hielten sich indes die Verfolger schadlos. Die dabei aus seinem Keller geraubten rund 70.000 Liter Wein zeigen, dass Hornmold neben seiner Beamtung noch einen einträglichen Weinhandel betrieb. 1549 rehabilitierte ihn schließlich der Kaiser und entschädigte ihn mit einem kaiserlichen Wappenbrief.

Auch der 1550 zur Regierung gelangte Sohn Herzog Ulrichs, Herzog Christoph, vertraute dem erfahrenen Verwaltungsmann Sebastian Hornmold. Er machte ihn zum Direktor des 1553 eingerichteten herzoglichen Kirchenrats, der Zentralbehörde für die kirchlichen Angelegenheiten. Damit hatte Hornmold maßgeblichen Anteil an der nun einsetzenden rechtlichen Vereinheitlichung des Landes, namentlich der 1559 erlassenen "Großen Kirchenordnung", die nicht nur die kirchlichen Angelegenheiten des Landes grundsätzlich regelte, sondern auch Fragen des Schul- und Gesundheitswesens. Sie besaß als eines der württembergischen "Landesgrundgesetze" bis 1806 Gültigkeit. Wenn die bis dato bescheidene Amtsstadt Bietigheim nun Amtssitz eines studierten Stadt- und Landarztes und einer Apotheke wurde, also weitere zentralörtliche Funktion erhielt, so darf man hier gewiss die Hand Hornmolds im Spiel sehen. Die von ihm ebenfalls geplante Errichtung eines zentralen Krankenhauses in Bietigheim für die Ämter nördlich Stuttgarts ohne eigenes Spital kam aus finanziellen Gründen jedoch nicht zu Stande.

1560 gab Hornmold das Direktorium des Kirchenrates ab und kehrte 1565 nach Bietigheim zurück, wo er dem Herzog weiterhin als "Rat von Haus aus" diente. Am 12. Mai 1581 verstarb Sebastian Hornmold in seinem Haus in Bietigheim, wenige Monate, nachdem er noch einmal in einer umfangreichen "Supplikation" beim Herzog die ihm wegen seiner während des langen Dienstes erlittenen Schäden in Aussicht gestellte, aber ihm nur in Teilen zugekommene Besoldung angemahnt hatte.

Sebastian Hornmold hatte mit seiner Frau Anna geb. Brauner sechs Kinder, vier Söhne und zwei Töchter. Während sein ältester Sohn Josias (1528 - 1587) seinen Vater von 1552 bis 1575 als Amtsverweser im Vogtamt in Bietigheim vertrat, konnte er seinen Sohn Moses (1542 - 1620) ins Stadtschreiberamt in Bietigheim vermitteln, wo dieser von 1566 bis 1614 die Geschicke der Stadt maßgeblich mitgestaltete. Zwischen 1566 und 1575 war also mit dem Vater Sebastian als Altvogt, Josias als Vogtamtsverweser und Moses als Stadtschreiber das Hornmoldsche Element im Stadtmagistrat besonders dominierend.

Samuel (1537 - 1601) war promovierter Jurist, Professor in Tübingen und schließlich Syndicus der Stadt Heilbronn; Sebastian, der jüngste, zunächst Apotheker in Calw, dann Kaufmann in Straßburg und später Geheimer Rat des Markgrafen von Baden.

Die ältere Tochter Esther (+ 1574) heiratete einen reichen Kaufmann in Heilbronn, während die jüngere Hanna mit dem ersten Bietigheimer Stadtarzt Dr. Georg Winkler verheiratet war. Sie lebte mit ihrem Vater gemeinsam unter dem Dach des Hornmoldhauses und hat ihn wohl im Alter versorgt, ging ihm jedoch im Tod nur wenige Tage voraus.

Im Mannesstamm erlosch die Familie in Bietigheim im 30-jährigen Krieg. Weibliche Nachkommen Sebastian Hornmolds bewohnten des Hornmoldhaus bis Ende des 17. Jh.

Literatur:

Roemer, Hermann: Sebastian Hornmold, Kirchenratsdirektor 1500-1581; In: Schwäbische Lebensbilder Bd. 1, S. 281-291 

Bentele, Günther: Das Bietigheimer Hornmoldhaus. Bietigheim-Bissingen 1979

Sebastian Hornmold und seine Zeit. Ausstellungskatalog. Bietigheim-Bissingen 1981

Bentele, Günther: Die Malereien im Bietigheimer Hornmoldhaus. Bietigheim-Bissingen 1995

Impressum: © Stadt Bietigheim-Bissingen 3. Auflage, 2003, 2000 Stck. (= Faltblatt des Stadtarchivs)

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