|
Bietigheim-Bissingen 2007 |
|
|
FRITZ-SCHOFER-STRASSE |
|
|
Die Straße wurde benannt am 20. 01. 1932. |
|
|
Fritz Schofer, * 28. Februar 1858 in Bietigheim, + am 16. Januar 1934 in Waiblingen, Pionier des Kaminbaus, Direktor der Schofer-Werke in Waiblingen. (Quelle: Bietigheimer Zeitung vom 10. August 1985, s. u.) |
|
![]() Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 10. August 1985 Goldmedaille für KamineDie Fritz-Schofer-Straße in Bietigheim(rh). Als er 14 Jahre jung war, zeigte er zum ersten Mal, daß er etwas von seinem Handwerk verstand: Friedrich Schofer gewann als erster Bietigheimer Lehrling einen Preis bei einer Stuttgarter Ausstellung. Doch dies war erst der Anfang seiner steilen Karriere, die den Wahl-Waiblinger in der Welt des Kaminbaus so berühmt machen sollte, wie es Gottlieb Daimler im Autosektor war. Der kleine Fritz kam am 28. Februar 1858 in der Bietigheimer Schieringerstraße 8 als Sohn des Schuhmachermeisters Ludwig Schofer zur Welt. Fritz hatte einen Bruder Karl, der zwei Jahre älter war. Der Vater war erst drei Jahre zuvor aus Conweiler nach Bietigheim gezogen, wo er in die alteingesessene Handwerkerfamilie Klein einheiratete. Daß dem Jungen handwerkliches Geschick im Blut steckte, merkten die Eltern schon vor seiner Meisterleistung, als er in Stuttgart einen Handwerkerpreis gewann. Doch damit sollte Fritz' Karriere nicht enden. 1875 wurde die Murrtalbahn gebaut. Auch Fritz bewarb sich um einen Posten und stieg schon als 18jähriger zum Bauführer auf. Dadurch kam der junge Mann in Kontakt mit der 1873 gegründeten Dampfziegelei in Waiblingen. Die Herren im Direktorium dieser jungen Firma müssen bald gemerkt haben, daß sich der patente Handwerker gut als Assistent in ihrem Betrieb machen würde. Die Gespräche mit Fritz Schofer führten dazu, daß er diesen Posten 1876 annahm. Von da an ging es Schlag auf Schlag: Schon kurze Zeit später wurde ihm die technische Leitung des Werkes übertragen. 80 Mitarbeiter waren anfangs zu beaufsichtigen und zu führen. Unter seiner Führung wurde die Dampfziegelei zu einer der größten in Württemberg, denn Schofer stockte das Unternehmen auf, indem er die Dampfziegelei der Gebrüder Sixt, ebenfalls in Waiblingen, erwarb und als Werk II dem bestehenden Betrieb angliederte. Als 1905 die Ziegelei in eine Aktiengesellschaft, umgewandelt wurde, bestimmten die Gesellschafter Friedrich Schofer zum Vorsitzenden und alleinigen Direktor. Mittlerweile war die Belegschaft auf 500 Mitarbeiter angewachsen. In seiner Zeit als technischer Leiter arbeitete Fritz Schofer bereits an neuen Methoden, einen Kamin herzustellen. Nicht mehr nur Stein auf Stein in Rundbauweise sollte das System sein, sondern eine neue Belüftung sollte integriert werden. Sparsamkeit, die den Schwaben anscheinend schon in die Wiege gelegt wird, mag mit dazu beigetragen haben, daß Schofer seine Erfindung machte. Für ihn galt, den in jeder Ziegelei anfallenden Ziegelbruch wirtschaftlich zu verwerten. Die Idee war deshalb, diesen Abfall zu Splitt zu zerkleinern und daraus, Kaminformsteine herzustellen, die sehr hitzebeständig sind. Gleichzeitig entwickelte er das neue Lüftungssystem, das einen Kamin nicht nur den Rauch ausstoßen ließ, sondern gleichzeitig Luft ansaugte, die für eine bessere Verbrennung sorgte. Die nach seiner neuen Methode benannte Esse wurde "Schofer-Verband-, Rauch- und Lüftungskamin" benannt. Diese neue Erfindung brachte dem 50jährigen nach deren Vorstellung im Jahre 1908 auf der ganzen Welt Ehre ein. Gold- und Silbermedaillen mehrerer Ausstellungen waren der Lohn für die Arbeit. 50 Patente schützten seine Kaminsteine in allen Industriestaaten. Ein neuer Abschnitt in der Geschichte des Kaminbaus - die allerdings weit unbekannter blieb und ist als die der Automobile und deshalb Schofer nicht so berühmt wie Daimler machte - begann. Seine Erfindung brachte auch den Ziegelwerken einen gewaltigen Aufschwung. Nach dem Ersten Weltkrieg waren die Lehmreserven bei Werk I erschöpft und Schofer baute das Werk II zu einem modernen Betrieb aus, der in Süddeutschland einen guten Namen hat. Neben seinen Verpflichtungen als Direktor der von ihm später erworbenen Schofer-Werke war der Fabrikant von 1903 bis 1909 im Waiblinger Gemeinderat. Dort setzte er sich für den Ausbau des Waiblinger Elektrizitätswerks ein, was auch seiner Ziegelei zugute kam; die somit frühzeitig mit Kraftstrom versorgt war. Als sozialer Unternehmer richtete er in seinem Betrieb freiwillig eine Krankenkasse und eine Hilfskasse für die Arbeiter ein. Für bedürftige ältere Menschen in Waiblingen und in seiner Vaterstadt hatte Fritz Schofer immer etwas übrig, soviel, daß ihn die Stadt Bietigheim 1932, anläßlich seiner goldenen Hochzeit am 6. März, zum Ehrenbürger ernannte und schon zu seinen Lebzeiten, ebenfalls 1932, der Querstraße zwischen Geisinger Straße und Riedstraße seinen Namen gab. Fritz Schofer starb am 16. Januar 1934 in Waiblingen. Die nach ihm benannte Straße wurde im Laufe der Jahre bis zur Großingersheimer Straße verlängert. Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 10. August 1985 |
|
Zum Namenbuch:
Zur Straßenübersicht:
und hier zurück zu meiner Homepage.