Bietigheim-Bissingen 2007
"anno MMVII"


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HINTER DER KIRCHE

Die Straße wurde benannt am 20. 10. 1955.

Gewann-Name bezogen auf die Michaelskirche von Metterzimmern, hinter der diese Straße nach Osten abbiegt.

Name war seit 21.7.55 für die Fröbelstraße vorgesehen


Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 
9. August 1986

Der Blitz traf trotz Patron

Die Straße Hinter der Kirche in Metterzimmern

(rh). Es ist nicht so ganz klar, wie Metterzimmern zu einer eigenen Kirche kam und durch wen. Sicher ist, daß die Metterzimmerer Kirchengemeinde bis ins Hochmittelalter in die Pfarrei von St. Peter in Bietigheim gehörte. Auch diese älteste Bietigheimer Kirche unterstand dem elsäßischen Kloster Weißenburg. Dieses bestimmte maßgeblich die kirchliche Entwicklung in Metterzimmern. 

Im Jahre 1379 hat Erwin von Sachsenheim, der damalige Herr über den Ort an der Metter, dem Frauenkloster Rechentshofen, das Belrein von Eselsberg im Jahre 1240 gestiftet hatte, neben anderen Gütern in Metterzimmern sechs Morgen hinter der Kirche verkauft. Von dieser alten Ortskirche ist allerdings nichts mehr zu sehen, sie wurde 1906 abgebrochen und mußte einem Neubau weichen. Damals stand der Turm, wie Prof. Hermann Roemer in "Geschichte der Stadt Bietigheim" schreibt, an der Ostseite über einem Chor mit Kreuzgewölbe. Vor allem romanische Teile am Untergeschoß, ein Rundbogen über dem Eingang und ein im Turm eingemauerter Christuskopf belegen, daß die Kirche schon sehr alt war. Auf einem Schlußstein war die Jahreszahl 1437 eingeprägt. Roemer geht davon aus, daß diese Jahreszahl auf einen Umbau hindeutet.

Im 15. Jahrhundert gehört der Kirchensatz den Herren von Sachsenheim. Unter ihnen stiftete eine Bruderschaft von ortsansässigen Bürgern 1481 ein Ewiges Licht für die Ortsheiligen Maria, Michael, Vitus und Modestus. Roemer schreibt, Michael weise auf eine frühere Zeit zurück, Maria ins Mittelalter, ebenso die Märtyrer Vitus und Modestus. Vitus war der Patron gegen Blitz und Feuer, doch sei der Glaube an ihn längst abhanden gekommen, als in die Kirche 1905 der Blitz einschlug. Der Kirchturm, so weiß Roemer, ist 1624 schon einmal erneuert worden.

Im Jahre 1525, als der Bauernkrieg begann, war Hans Sachsenheim Ortspfarrer. Er entstammt, wie Hermann Roemer vermutet, direkt der Linie der Herren von Sachsenheim. Der Pfarrer machte dem Bietigheimer Vogt viel Verdruß, weil er sich den Aufständischen anschloß. Danach bekannte er sich zum Luthertum und wurde dafür 1528 von der österreichischen Landesregierung gemaßregelt. Hans Sachsenheim wurde trotzdem der erste evangelische Pfarrer in Metterzimmern und blieb es bis 1538. Doch da wurde er zum Mitwisser einer Verschwörung, die zwei Kaplane aus Ingersheim gegen Herzog Ulrich und dessen Bruder Graf Heinrich von Mömpelgard angezettelt hatten. Sebastian Hornmold kam dahinter, und Hans Sachsenheim mußte Urfehde schwören.

Bis zum Dreißigjährigen Krieg lebten die Leute in Metterzimmern noch einigermaßen gut. Die Gemeinde hatte soviel Geld, daß sie sich die erwähnte Erneuerung des Kirchturms leisten konnte. Doch 1634 spielte sich, wie in vielen anderen Gemeinden im Württembergischen, ein Drama ab. Die kaiserlichen Truppen drangen am 27. August in den Ort ein, plünderten das Rathaus und brannten den Ort nieder. 1641 war das Elend so groß, daß die Gemeinde die Uhren auf dem Rathaus und auf dem Kirchturm verkaufte. Zwischen 1640 und 1658 war kein Pfarrer am Ort, und die Metterzimmerer mußten nach Bietigheim. Die Kirchenbücher wurden im Krieg vernichtet. Sie beginnen erst wieder mit dem Jahr 1641. Kaum hatten sich die Einwohner erholt, kamen 1693 die Franzosen und standen den kaiserlichen Truppen in nichts nach. Sie verwüsteten die Kirche und zerrissen die Kirchenbücher.

Der bekannteste Pfarrer Metterzimmerns war Johann Friedrich Flattich. Er wirkte zwischen 1747 und 1760 in der Gemeinde. Flattich hatte selbst sieben Kinder und erzog nebenher noch weitere 16. So machte er sich "um die Hebung der Landwirtschaft und des Obstbaus verdient", schreibt Roemer.

Auf den fertigen Neubau von 1906 wurden drei Glocken auf den Turm gezogen. Sie überstanden den Ersten Weltkrieg, weil der "alte" Benz aus der "Germania"-Gaststätte, der damals Kirchenpfleger war, den Herren, die die Glocken zum Einschmelzen wollten, erklärte, wenn wir die runterholen wollen, müssen wir den ganzen Turm abreißen". So erzählt Willi Klein die Geschichte. Im Zweiten Weltkrieg wurden dann die kleine, das Flattich-Glöckle, und die mittlere Glocke vom Turm geholt, die große blieb oben. Nach dem Krieg wurden die abhanden gekommenen Glocken wieder ersetzt.

In den fünfziger Jahren wurde in die Kirche eine elektrische Heizung eingebaut. Zum gleichen Zeitpunkt wurden auch die Glocken und die Turmuhr auf elektrischen Betrieb umgestellt.

Eine große Renovierung der Kirche gab es unter Pfarrer Rohrer im Jahr 1967. Über 70 000 DM wurden ausgegeben. Damals wurde sie innen und außen herausgeputzt. Auch das Dach wurde umgedeckt. Auf dem Turm ersetzten Schieferplatten die Dachziegel. Die Holzverkleidung um die Kanzel wurde erneuert. Auf der Orgel und der Männerempore wurden Stuckarbeiten mit Holz verdeckt, was heute möglicherweise nicht mehr geschehen würde. 1974 entschloß sich der Kirchengemeinderat, die hinfällige Orgel durch eine neue zu ersetzen.

Die Straße Hinter der Kirche verläuft im Bogen von der Flattichstraße aus am Friedhof vorbei.

Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 9. August 1986

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