Bietigheim-Bissingen 2007
"anno MMVII"


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SCHMIDBLEICHERSTRASSE

Die Straße wurde benannt am 12. 07. 1960 und 14. 11. 1965.

Am 12. 7. 60 nördlich der Erwin-Bälz-Straße beschlossen.

Christian Schmidbleicher, * 16. 12. 1885, + am 30. 4. 1958, Stadtschultheiß von 1921 bis 1933, Gründer der "Gemeinnützigen Baugenossenschaft". (Quelle: Roemer)


Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 
25. Juni 1983

Der Gründer des Pferdemarkts

Die Schmidbleicherstraße in Bietigheim

(rh). Der Pferdemarkt ist aus dem Stadtleben nicht mehr wegzudenken. Seinen Gründer mögen aber viele nicht kennen. Christian Schmidbleicher, von 1921 bis 1933 Bietigheimer Schultes, gab einer Querstraße zur Löchgauer Straße und der Verlängerung der Hillerstraße seinen Namen. 1950 wurde er beim 25. Pferdemarkt zum Ehrenbürger ernannt. Er war auch Gründer des Industriegebiets Laiern beim Bahnhof.

Christian Schmidbleicher kam als 36jähriger in einer ziemlich schlechten Zeit nach Bietigheim. Elf Jahre hatte er in Feuerbach als Ratsschreiber gedient und brachte so Erfahrungen aus einer aufstrebenden Industriestadt mit. Seine erste Amtszeit dauerte zehn Jahre, danach wurde er mit 70 Prozent der Stimmen ohne Gegenkandidat wiedergewählt.

Schon gleich nach seiner Einsetzung im Juni 1921 mußte sich der neue Schultes einer schwierigen Aufgabe annehmen. Am 1. August 1921 brannte der Häuserblock zwischen Rathaus und Kirche nieder, damals ein Schaden von 1,5 Millionen Reichsmark. Zur Neugestaltung des Platzes schrieb Schmidbleicher einen Wettbewerb für Architekten aus.

Mit Bauen und Bauplätzen hatte der damalige Schultes während seiner Amtszeit noch sehr viel zu tun. Er entwickelte eine Bodenpolitik, die der Wohnraumnot Abhilfe und gleichzeitig Arbeitsplätze schaffen sollte. 1921, so vermerkt Hermann Roemer in seiner Stadtgeschichte, war im Grundbuch unter 415 Eintragungen kein einziger stadteigener Bauplatz eingetragen. Nach Schmidbleichers Versetzung 1933 hatte die Stadt über 30 Hektar Bauland.

Christian Schmidbleicher erwarb Bauplätze, machte sie baureif und verkaufte sie zum Selbstkostenpreis an Baulustige weiter. Er gründete sofort nach seiner Wahl eine "Gemeinnützige Baugenossenschaft", deren Aufsichtsrat er ehrenamtlich leitete. In Zeitungen warb der Bürgermeister für Betriebe, denen er reichlich Platz beim Bahnhof, dem Industriegebiet "Laiern" zur Verfügung stellte. Handel und Verkehr nahmen in seiner Amtszeit einen guten Aufschwung. Viele neue Betriebe entstanden, darunter auch erste Autowerkstätten.

Auch der Kultur widmete Christian Schmidbleicher sein Augenmerk. Das Volksschulwesen wurde ausgebaut, die Oberschule erhielt eine 6. Klasse und konnte die Mittlere Reife abnehmen. Für Heimatabende, Konzerte und Theater wurde in der Turnhalle eine Bühne eingebaut. 1925 im August holte er zum 75. Jubiläum des Gewerbevereins eine "Gewerbe- und Industrie-Ausstellung" auf den Festplatz unters Viadukt und begründete gleichzeitig den ersten "Bietigheimer Pferdemarkt".

Da Bietigheim eine aufstrebende und zentral gelegene Industriestadt war, versuchte Schmidbleicher bei der Landesregierung durchzusetzen, daß Bietigheim Bezirksstadt wird. Bis 1930 gab es dafür gute Anzeichen, doch 1938 wurde dann Ludwigsburg zur Kreisstadt ernannt. 1930 wurde Metterzimmern mit seinen damals 700 Einwohnern eingemeindet, auf Wunsch der Bürgerschaft des Ortes. So hatte Bietigheim 1932 7600 Einwohner, gegenüber 6000 im Jahre 1921. Davon waren 1931 700 arbeitslos, während es im Reich sieben Millionen waren. Die Arbeitslosen schickte er zur Ausbesserung der Feldwege in die Fluren.

1933, als die Nazis immer stärker das Ruder übernommen hatten, wurde Schmidbleicher von Landrat Fuchs verhaftet und bis Juli unter Hausarrest gestellt. Er hatte am Potsdamer Tag, dem 21. März 1933, während der Feierlichkeiten zur Einsetzung der Nazi-Regierung in einer Mundelsheimer Gaststätte das Radio abstellen lassen. Doch auch der spätere Nazi-Bürgermeister Holzwarth bescheinigte Schmidbleicher, "seine Amtsführung war einwandfrei, aber seine Stellung zur nationalen Bewegung war nicht mehr tragbar".

Christian Schmidbleicher wurde anschließend zum Bürgermeister von Blaubeuren bestimmt, wo er 1954 in den Ruhestand trat. 1958 starb der Vater zweier Töchter und wurde im Beisein vieler Bietigheimer zu Grabe getragen.

Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 25. Juni 1983

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