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Bietigheim-Bissingen 2007 |
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KARL-GÄRTTNER-STRASSE |
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Benannt wurde die Straße am 20. 2. 1973 und am 1. 2. 1977. |
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"Karl Christian Gärttner (<14. September> 1788 - <18. Juli> 1861), württembergischer Finanzminister 1844 - 1848, Förderer und Organisator der württembergischen Eisenbahn." (offizielle Information) |
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Karl Gottlob Christian (von) Gärttner (1788-1861) war in schwerer Zeit von 1844-1848 württembergischer Finanzminister. Sein besonderes Verdienst ist die Organisation des württembergischen Eisenbahnwesens. Karl Christian Gärttner wurde am 14. September 1788 als viertes Kind des Substituten und späteren Kameralverwalters Philipp Ludwig Gärttner ( 1762-1816) und der Christina Dorothea Böhringer (1762-1831) in Bietigheim geboren. Der Vater stammte aus Großingersheim, er war ein Sohn des dortigen Schultheißen. Die Mutter war die jüngste Tochter des Bietigheimer Bäckers Martin Böhringer (1724-1782), und es war ihr elterliches Haus (Hauptstraße 23) unweit des Unteren Tores, in dem Karl Christians Eltern nach ihrer Eheschließung 1783 "die untere Etage", d. h. den ersten Stock gemeinsam mit der Großmutter bewohnten. Hier kam auch Karl Christian zur Welt. 1976 wurde das Haus abgerissen. An seiner Stelle steht heute innerhalb des größeren neuen Baukomplexes das Reformhaus/die Kinderboutique bzw. die Otto-Rombach-Bücherei. Karl Christian hatte neun Geschwister, von denen allerdings vier früh starben. Nach dem Besuch der Bietigheimer Lateinschule schlug er ebenso wie später seine beiden jüngeren Brüder August (1790) und Carl Gottlob (*1795) dem Vater folgend eine Verwaltungslaufbahn ein. Er kam zunächst in die Lehre beim Stadt- und Amtsschreiber von Schorndorf, wo sich seine besonderen Begabungen bereits bemerkbar machten. Im August 1806 bestand er das Kameralexamen beim Oberfinanzdepartement - im gleichen Jahr, als Württemberg von Napoleons Gnaden zum Königreich erhoben wurde. Nun folgte eine Bilderbuchkarriere, die ihn u. a. bald in das Geheime Kabinett des württembergischen Königs Wilhelm I. führte, mit dem ihn in jahrzehntelanger Tätigkeit ein besonderes Vertrauensverhältnis verband. Schon als 30-jähriger erhielt er 1818 den persönlichen Adelstitel und war seit 1824 Präsident der Hofdomänenkammer. In seine Hände gelegt wurde auch die Organisation der Feierlichkeiten zum 25-jährigen Regierungsjubiläum König Wilhelms I. 1841. Diese brachte Gärttner den Titel "Geheimrat" mit dem Prädikat "Exzellenz" ein, dazu 1842 die Berufung als lebenslanges Mitglied der Kammer der Standesherren, 1843 die zum Staatsrat. 1844 schließlich avancierte er zum Finanzminister. Erst die Revolution von 1848 beendete diese Karriere abrupt. Als herausragende geschichtliche Leistung dieser mustergültigen Beamtenkarriere bleibt das besondere Engagement Gärttners für den Aufbau der württembergischen Eisenbahn bestehen. Mit seiner weitsichtigen und forciert betriebenen Eisenbahnpolitik hat er Württemberg die Tür zur Zukunft weit aufgestoßen und den Weg zum wirtschaftlichen Aufschwung geebnet. Ohne die Eisenbahn wäre Württemberg nicht das geworden, was es heute ist: einer der bedeutendsten Wirtschaftsstandorte Deutschlands, ja Europas. Doch erst unter dem Konkurrenzdruck der fortschrittlicheren Nachbarn, dem innenpolitischen Druck der "Handelskreise" und der berechtigten Sorge, in den Schatten der Verkehrsströme zu geraten, sprang das Königreich Württemberg "auf den Zug auf". Mit der Verabschiedung des Eisenbahngesetzes am 18. 4. 1843 entschloss man sich auch in Württemberg zur Nutzung dieser innovativen Technik. Längst hatte sie in England und Amerika ihren Siegeszug angetreten und mit der Ludwigseisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth Ende 1835 auch in Deutschland Fuß gefasst. Eine staatliche "Zentralbahn" sollte fünf der sechs größten württembergischen Städte miteinander verbinden: Stuttgart, Esslingen, Ludwigsburg, Heilbronn und Ulm. Für die Nebenstrecken dagegen sollten auch Privatunternehmen zugelassen werden. Durch seine Tätigkeit als führendes Mitglied der 1836 gegründeten privaten württembergischen Eisenbahngesellschaft und seine Berichterstatterfunktion als Eisenbahnsachverständiger in der Kammer der Standesherren seit 1842 war er mit der das Land seit Jahren bewegenden Eisenbahnfrage bestens vertraut. Im Gegensatz zu Finanzminister Christoph Herdegen stand er der Eisenbahnfrage positiv gegenüber. So wurde Karl Christian Gärttner am 31. August 1844 dessen Nachfolger als Finanzminister und übernahm zugleich das Eisenbahnwesen vom Innenministerium. Der Streckenbau hatte soeben in Stuttgart begonnen. Trotz vieler noch offener Fragen ließ Karl Christian von Gärttner ihn an verschiedenen Stellen zugleich beschleunigt fortsetzen. Mit der Streckenplanung und Bauleitung beauftragte er den jungen und tüchtigen Architekten Karl Etzel (1812-1865), der bald sein Schwiegersohn wurde. Von Etzel stammte auch der Vorschlag, die "Westbahn", den Anschluss an das badische Eisenbahnnetz, mittels eines kühnen Viadukts bei Bietigheim über die Enz zu führen. Ob für diese Entscheidung die Tatsache eine Rolle gespielt hat, dass Bietigheim Gärttners Heimatstadt war? Die Begeisterung der Bietigheimer für die Eisenbahn hielt sich jedenfalls anfänglich sehr in Grenzen. Bereits am 22. 10. 1845 konnte die erste Teilstrecke Cannstatt-Untertürkheim eingeweiht werden, ein Jahr später die von Cannstatt nach Ludwigsburg. Am 11. Oktober 1847 rollte der erste Zug in den weitab der Stadt errichteten Bietigheimer Bahnhof ein. Damit war das erste Teilstück der Strecke Ludwigsburg-Heilbronn fertiggestellt. Am 25. Juli 1848 konnte die vollständige Strecke eröffnet werden. Der Anschluss an das internationale Streckennetz erfolgte mit dem Bau des Enzviadukts 1851/53. Auch die überaus schwierige Finanzierung des Großprojektes gelang Gärttner, obgleich sich die Finanzlage in den wenigen Jahren seiner Ministerzeit radikal verschlechterte: Ab 1846 suchten schwere Erntekrisen mit Hungersnöten das Land heim, drängten ganze Bevölkerungskreise an den Rand der Existenz und zwangen viele Württemberger zur Auswanderung. Für die ganz neuen Fragen des Betriebs, des Personals und der Verwaltung der Eisenbahn fand Gärttner vorbildliche Lösungen. Mit der Berufung des "Märzministeriums" am 9. März 1848 im Gefolge der auf das Reich übergreifenden Unruhen der französischen Februar-Revolution schied Karl Christian Gärttner als Finanzminister aus, blieb aber u. a. Berichterstatter für Eisenbahnsachen in der 1. Kammer. "Ungewöhnliches Vertrauen und Ansehen von allen Seiten genießend, hat Gärttner den Staatseisenbahngedanken in Württemberg in anerkannt musterhafter Weise realisiert." (Gehring). Nach mehrwöchiger schwerer Krankheit starb Karl Christian Gärttner 72-jährig am Abend des 18. Juli 1861 in Stuttgart. Seine Grabstätte fand er zunächst auf dem Hoppenlaufriedhof, 1894 erfolgte jedoch die Verlegung seines Grabes auf den Pragfriedhof. Seit 1973 trägt eine Straße im Wohngebiet "Siechenweingartweg" seinen Namen. Literatur: Fritz Wiedermann: Die Gebrüder Gärttner aus Bietigheim. Zwei außergewöhnliche Karrieren im württembergischen Verwaltungsdienst des 19. Jh. In: Blätter zur Stadtgeschichte 8 (1991) S. 175-177 Paul Gehring: Karl Gottlob Christian Gärttner; In: Neue Deutsche Biographie Bd. 6, 1955 Alfred Dehlinger: Karl Gottlob Christian Gärttner, Finanzminister; In: Schwäbische Lebensbilder 5 (1950) S. 217-227 Impressum: © Stadt Bietigheim-Bissingen 3. Auflage, 2002, 2000 Stck. (= Faltblatt des Stadtarchivs) |
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