Bietigheim-Bissingen 2007
"anno MMVII"


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HANS-VOELTER-WEG

Die Straße wurde benannt am 14. 11. 1967.

"Hans Voelter * <2. August> 1877 + <10. November>1972. Stadtpfarrer in Bietigheim 1918 - 1923, Begründer des 'Bietigheimer Tages' " (offizielle Information)


Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 
26. November 1983

Ein Pfarrer für die Arbeiter

Der Hans-Voelter-Weg in Bietigheim

(rh). Gibt es Bietigheimer oder Bissinger; die noch nichts von dem bekannten Gesprächsforum "Bietigheimer Tag" wissen, bei dem sich alljährlich im Frühjahr ein Mitglied aus der sozial engagierten Crème der Politik und der evangelischen Kirche ein Stelldichein geben? Begründer dieser Runde, die sich laut Alt-Stadtpfarrer Erwin Mickler im Gründungsjahr 1921 und noch Jahre danach vor allem der Frage "Marxismus und Kirche" widmete, war Johannes Stephanus Benedictus Voelter, zuerst zweiter, dann erster Stadtpfarrer in Bietigheim zwischen 1918 und 1923. Obwohl Hans - wie er genannt wurde - Voelter ab Mai 1923 erster Stadtpfarrer an der Friedenskirche in Heilbronn wurde, hat er den Bietigheimer Tag zeit seines langen Lebens von 95 Jahren nie aus den Augen gelassen, lange Jahre selbst geleitet.

Noch 1968, im Alter von - man staune - 91 Jahren brachte der Geistliche und Pfarrer für die Arbeiter eine seinem liberalen Freund Theodor Heuss gewidmete Broschüre heraus, in der er zu den Fragen "Demokratie, Marxismus, Sozialismus und evangelische Kirche seit 1848" Stellung nahm. Als Vorsitzender des Landesverbands evangelischer Arbeitervereine in den Jahren zwischen 1921 und 1929 beschäftigte sich Voelter stark mit den Problemen, deren Ursprünge noch im letzten Jahrhundert, vor allem durch Karl Marx' Theorien vom Klassenkampf in der Industriegesellschaft aufgeworfen worden waren. In der Schrift zeigt Voelter eine Verbindung auf zwischen dem Jahr 1848 und dem Wiederbeginn in Deutschland nach der "moralischen Katastrophe", wie er es nennt, die Hitler über das Volk gebracht hatte.

1848 habe es zwei Kampfrufe gegeben: den nach demokratischer Revolution, der durch den Absolutismus der Fürsten "den Todesstoß" erhalten habe, und den der proletarischen Revolution, die das "Kommunistische Manifest" heraufbeschwor. Durch diese Ideen habe sich in Deutschland immer größere Freiheit breitmachen können, für Presse, Versammlungen und Vereine. Nach 1945 sei die Nation gewarnt gewesen, und "unser Staat, unsere freiheitliche Demokratie sind dem Untergang geweiht, wenn, es uns nicht gelingt, in alt und jung eine letzte, auch zum Einsatz und Verzicht bereite Verantwortung zu entfachen".

Mit dem Bietigheimer Tag wollte Voelter im Geiste Friedrich Naumanns; der verlangt hatte, die Arbeiterschaft selbst müsse die Grundlagen des evangelisch-sozialen Gedankens bilden, die Kirche mit den Arbeitern versöhnen, die seit Jahren abseits standen. Denn noch in den Anfängen von Wicherns "Innerer Mission" und bis über deren Erneuerung durch Naumann am Ende des 19. Jahrhunderts hinaus, stand die Kirche auf seiten der fürstlichen Gewalten. Im Sinne der "evangelisch-sozialen Bewegung" und dem "evangelisch-sozialen Kongreß", der "die sozialen Zustände unseres Volkes rückhaltlos untersuchen" sollte und sie zu messen hatte "an den sittlichen und religiösen Forderungen des Evangeliums", stellte sich Hans Voelter wie sein Freund Naumann die Frage: "Können wir unser ganzes Schaffen in Staat, Politik, Wirtschaft nach Richtlinien christlicher Ethik einrichten oder gelten hier andere Grundsätze als die Nächstenliebe der Bergpredigt?"

Der "außerordentlich lebhafte und lebendige Geist", so Erwin Mickler, stellte den ersten Bietigheimer Tag, der an zwei Tagen am 24. und 25. April 1921 stattfand, unter das Thema "Die seelische Krise des Arbeiters".

Der am 2. August 1877 in Neckargröningen geborene Pfarrerssohn hatte mit Bietigheim und seinem Freund, Alt-Oberbürgermeister Karl Mai, immer Verbindung, obwohl er nach der Pfarrstelle in der Stadt an Enz und Metter bis 1939 in Heilbronn, danach bis 1947 als Dekan in Brackenheim und später als Pensionär in Hohebach war. Hans Voelter starb 95jährig am 10. November 1972 in Heilbronn und ist in Güglingen beerdigt. Die Stadt gab einem Weg quer zur Schmidbleicherstraße noch zu seinen Lebzeiten seinen Namen.

Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 26. November 1983

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