Bietigheim-Bissingen 2007
"anno MMVII"


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CHRISTOPHSTRASSE

Am 12.3.37 wird die Christophstraße aufgehoben - aber diese lag südlich der Löchgauer Straße! Die heutige Christophstraße wurde vor 1958 beschlossen.

"Christoph von Württemberg (* 12. Mai 1515 in Urach; † 28. Dezember 1568 in Stuttgart) war von 1550 bis 1568 vierter Herzog von Württemberg." (Quelle: Wikipedia; Link mit Umlaut!)


Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 24. März 1984

Herzog des "evangelischen Spanien"

Die Christophstraße in Bietigheim

(rh). Als Herzog Ulrich am 6. November 1550 starb, hatte sein Sohn Christoph, der Statthalter von Mömpelgard, vergeblich im Schwarzwald darauf gewartet, daß ihn der Vater an sein Sterbebett ruft. Ulrich wollte nichts mehr von Christoph wissen, wie schon die Jahre zuvor. Doch so stand der 35jährige bereit, die Nachfolge seines Vaters anzutreten, ein Amt, das nicht gerade leicht war. Christoph kam jedoch zugute, daß er eine andere Ausbildung genoß als sein Vater.

Als der Junge am 12. Mai 1515 in Urach zur Welt kam, störte er schon. Die Mutter, Sabina von Bayern, von Ulrich bereits getrennt lebend, hielt in der alten Grafenresidenz üppig Hof, sein Vater hatte gerade sieben Tage zuvor den Gatten seiner Geliebten, Hans von Hutten, bei der Jagd im Böblinger Forst erstochen. Christoph wurde unter diesen Umständen von einem Mann erzogen, der eigentlich das Herzogtum seines Vaters an sich bringen wollte. Als der Junge 15 Jahre alt war, zog er als ein kleiner Statist des kaiserlichen Hofstaats im Gefolge Karls V. in Spanien, Italien, Frankreich und den Niederlanden herum. Er wurde streng habsburgisch, also katholisch erzogen.

Sein Vater, protestantisch gesinnt, befahl ihm die Flucht, ließ ihn jedoch nicht zu sich kommen. In französischem Hofdienst mußte er sein Geld und die ersten Sporen verdienen. Schließlich setzte Ulrich seinen ungeliebten Sohn 1542 als Statthalter in Mömpelgard, der württembergischen Enklave im Jura ein. Von dort kam nach Württemberg das Gerücht, Christoph sei ebenfalls Protestant geworden, was zutraf. Und dies in einer Zeit, als im Kaiserreich das Interim galt, als auf Anweisung des Kaisers nur die katholische Lehre zugelassen war und "spanische Ketzerschnüffler", wie Hermann Missenharter in "Herzöge, Bürger, Könige" schreibt, hinter alles ihre Nasen steckten.

Christoph wehrte sich für seinen Glauben und hatte im Bietigheimer Vogt und Kirchenrat Sebastian Hornmold, der schon seinem Vater wichtige Dienste geleistet hatte, einen treuen Mitstreiter.

Die Gottesfürchtigkeit hatte im Lande stark nachgelassen. Christoph kamen am Anfang seiner Regierungszeit immer mehr Klagen ans Ohr. Es werde zu viel gezecht, hieß es, auch an Werktagen und, besonders an den "guten Montagen". Wohlhabende Bürger tränken sich bettelarm. Die Schlimmsten seien die Handwerksgesellen, die sich aufführten wie Spanier und Neapolitaner. Dem setzte Christoph nicht Strafen und Drohungen entgegen, sondern richtete Klosterschulen auch für die Ärmsten ein, wo die besser ausgebildet werden sollten, die das Wort Gottes lehrten. Kostenlos wurde Unterricht erteilt.

Zuvor hatte Christoph das Kirchenregiment straffer organisiert und das Kirchengut unter selbständige Verwaltung gestellt. Hornmold wurde 1553 weltlicher Direktor. Am 30. Juni 1552 war die Landeskirche mit Reformator Johannes Brenz, dem Probst der Stuttgarter Stiftskirche an der Spitze, wiederhergestellt worden. In der Folge, so Hermann Roemer in der "Geschichte der Stadt Bietigheim", verquickten sich unter Christophs Regentschaft Staat und Kirche derart, daß Württemberg "das evangelische Spanien" genannt wurde. Durch die Klosterordnung vom 9. Januar 1556 regierte der Herzog in die Klöster hinein. Deren Hauptaufgabe war von da an das Bibelstudium und die Ausbildung des theologischen Nachwuchses.

Bietigheim wurde von Christoph bevorzugt behandelt. Ein Kornmarktrecht erreichte, Hornmold 1552 und 1555 die Erhöhung des Wegegeldes über die Enz. Ein Arzt und eine Apotheke kamen hinzu. Dieses Recht hatten vorher nur Stuttgart, Göppingen und Calw.

Christoph ließ zur Verbesserung der Volksbildung als erster Fürst im Kaiserreich Mesnerschulen einrichten. Unter ihm wurde das Stuttgarter Schloß um zwei Renaissanceflügel erweitert und die Alte Kanzlei wieder aufgebaut. Dort hatten die "Schreiber" ihre berühmt-berüchtigte Macht. Seinen staatlichen Einfluß vergrößerte er durch die Einführung von Taufregistern und später Kirchenbüchern. Für sein Vergnügen ließ er einen Lustgarten anlegen, in dem unter seiner persönlichen Aufsicht Obst und Gemüse angebaut wurden. Zu sportlichem Ehrgeiz wurden die Untertanen ,beim Armbrust- und Bogenschießen angestachelt, das im Lustgarten stattfand. Nebenbei dienten diese Übungen, worauf der Herzog peinlich achten ließ, auch der Wehrfähigkeit seiner 916 Mann starken Bürgermiliz, zu der jeder Bürger verpflichtet war.

Herzog Christoph war in seinem Leben fast nie krank gewesen und klagte 53-jährig nur über sein "beschwerliches Dickwerden". Trotzdem wollte er laut Missenharter keinen Leibarzt, denn, so meinte er, solch Flickwerk an einem alten Hause tauge nicht viel. "Ein kühl Erdreich wird mein Doktor sein." An Weihnachten 1568 empfing er noch einmal, aufrecht stehend, das Abendmahl. Christoph starb am 28. Dezember abends um acht Uhr. Er ist in der Tübinger Gruft beigesetzt.

Die Stadt hat einer Querstraße zur Löchgauer Straße seinen Namen gegeben.

Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 24. März 1984

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