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Bietigheim-Bissingen 2007 |
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ANTONIA-VISCONTI-STRASSE |
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Die
Antonia-Visconti-Straße sollte zunächst nur "Antoniastraße" heißen,
so ausdrücklich am 24. 9. 70 und so beschlossen am 1. 2. 1977. Diskutiert
wurde auch, nur den Nachnamen "Visconti" zu verwenden. Am 25. 11.
1980 wurde sie endgültig beschlossen, der Nordstrang der Verlängerung am 24.
9. 91. |
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Antonia Visconti (* nach 1350; † 26. März 1405 in Stuttgart) war Gräfin von Württemberg. (Quelle: Wikipedia) |
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Die Mailänder Herzogstochter Antonia Visconti (ca. 1360 - 1405) hat als Ehefrau Graf Eberhards des Milden von Württemberg Ende des 14. Jh. maßgeblich an der Entwicklung Bietigheims zur Stadt mitgewirkt. Das Dorf Bietigheim war erst wenige Jahre württembergisch, als sich die Grafen Eberhard und Ulrich von Württemberg 1364 von Kaiser Karl IV. das Recht verleihen ließen, aus dem aufstrebenden Flecken eine Stadt machen zu dürfen. Doch die Entwicklung der jungen Stadt stagnierte zunächst, und auch die Grafschaft Württemberg selbst steckte in der zweiten Hälfte des 14. Jh. in einer Finanzkrise: Eine wirtschaftliche Depression als Folge der Pest (1349/50) und hohe Aufwendungen Graf Eberhard des Greiners für militärische Auseinandersetzungen ("Fehden") mit den Reichsstädten hatten Württemberg an den Rand des "Staatsbankrotts" getrieben. Eine durch die Großmutter angebahnte Eheverbindung Graf Eberhards (1364-1417; später mit dem Beinamen der "Milde" versehen) mit dem Mailänder Herzogshaus der Visconti sollte hier auf friedlichem Weg Abhilfe schaffen. Der an Vermögen wie an Nachkommen gleichermaßen reiche Herrscher von Mailand, Barnabo Visconti, hoffte seinerseits durch eine geschickte Verheiratung seiner Kinder auf Standeserhöhung und politischen Nutzen. Drei seiner Töchter hatte er bereits mit Herzögen von Österreich bzw. von Bayern verheiratet, als Antonia für Graf Eberhard den Milden ausgesucht wurde - eigentlich hatte er um die Hand der jüngeren Schwester Magdalena angehalten. Antonia selbst, nach 1350, wahrscheinlich um 1360 geboren, war bereits mit dem jahrzehnteälteren König Friedrich III. von Sizilien verlobt gewesen. Bevor jedoch die Ehe vollzogen werden konnte, war der Gatte in spe überraschend gestorben. Einen weiteren Ehebewerber hatte Antonia abgewiesen. Im
Oktober 1380 wurde von den Diplomaten der Ehevertrag ausgehandelt, der
Württemberg eine stattliche Mitgift und Antonia eine ebensolche Morgengabe
als finanzielle Absicherung zugestand. "Mit einer endlos scheinenden
Mauleselherde, die ihre viel bewunderte Aussteuer trug, war die lombardische
Herzogin über die Pässe der Alpen in ihre neue Heimat am Neckar
gereist", schreibt Otto Rombach. Ein detailliertes Verzeichnis über
diese Aussteuer, das liber iocalium, ist erhalten geblieben. Auf 70. 000 Goldgulden Werts kam ihre Mitgift, die sich die Mailänder Unterhändler durch entsprechende württembergische "Sicherheiten" garantieren ließen: Antonia erhielt das Amt Marbach, das Zabergäu und die junge Stadt Bietigheim mit allen Einkünften, deren akribisch notiertes Verzeichnis ebenfalls erhalten geblieben ist. Schon damals blühte der Weinbau, und so waren vor allem aus dem Zabergäu, aber auch aus dem Amt Marbach die jährlichen Einkünfte beträchtlich. Bietigheim hingegen war ein kleiner bescheidener Flecken, zwar gerade zur Stadt (1364) erhoben, aber noch kaum in der Lage, die damit verbrieften Rechte (Befestigung, Markt, Gericht) auch in die Tat umzusetzen. Hier griff nun Antonia aktiv gestaltend ein - ganz offenbar mit dem Ziel, die Strukturen in Bietigheim so zu verbessern, dass auch der Flecken einträglicher wurde: Wir finden sie urkundend zunächst als Verleiherin ihrer Mühle (1390); von König Wenzel ließ sie 1393 der Stadt Bietigheim noch einmal das Wochenmarktrecht bestätigen. Seit dieser Zeit, seit nunmehr über 600 Jahren findet bis heute mittwochs und samstags der Wochenmarkt statt. Für die geistlichen Bedürfnisse der Bürger stiftete sie wohl gemeinsam mit ihrem Mann sowie Haug von Venningen und dessen Frau Clara von Stein die Stadtkirche (1401) an der Stelle der alten Burgkapelle. Ihr Bildnis jedenfalls zierte gemeinsam mit dem der anderen Stifter bis ins 17. Jh. die Chorfenster. Eine Konsolbüste an der Südwand des Chores, die eine bekrönte dunkelhaarige Frauenfigur zeigt, könnte eben falls mit Antonia Visconti zu identifizieren sein - auch wenn man nicht annehmen darf, dass hier porträthafte Züge wiedergegeben sind. Ob hingegen eine Erweiterung der Peterskirche, damals noch die eigentliche Pfarrkirche der Stadt, auf Antonia Visconti zurückgeht, scheint heute ebenso wenig haltbar wie der ihr zugeschriebene Bau des Bietigheimer Schlosses, der mit einer planmäßigen Erweiterung der Stadt nach Westen verbunden gewesen sei. Ohne Zweifel jedoch verdankt Bietigheim dem Engagement Antonia Viscontis, dass das Stadtrecht nicht reine Theorie geblieben ist, sondern mit Leben erfüllt wurde. Das am gleichen Tag mit Bietigheim zur Stadt erhobene Dorf Laichingen hat den Sprung zur wirklichen Stadt jedenfalls nicht geschafft. Residiert hat Antonia mit Graf Eberhard im Stuttgarter alten Schloss, wo sie u. a. einen Garten nach italienischem Vorbild anlegen ließ. Man muss annehmen, dass Antonia mit Graf Eberhard wohl mehrere Kinder hatte; wir wissen jedoch nur von einem Sohn, der das Erwachsenenalter erreicht hat: Eberhard der Jüngere (1388 - 1419), ab 1417 regierender Graf. Antonia Visconti verstarb am 16. März 1405 und wurde in der Stuttgarter Stiftskirche beigesetzt. Ein heute nicht mehr vorhandenes Epitaph bewahrte dort die Erinnerung an sie. In Bietigheim wurde 1978 eine Straße nach ihr benannt. Literatur: Raff, Gerhard: Hie gut Wirtemberg allewege. Das Haus Württemberg von Graf Ulrich dem Stifter bis Herzog Ludwig. Stuttgart 1988. Bietigheim 789 - 1989. Beitrage zur Geschichte von Siedlung, Dorf und Stadt Bietigheim-Bissingen 1989 (= Schriftenreihe des Archivs der Stadt Bietigheim-Bissingen Bd. 3) Decker-Hauff, Hansmartin: Frauen im Hause Württemberg. Leinfelden-Echterdingen 1997, S. 21-28 Impressum: © Stadt Bietigheim-Bissingen 4. Auflage, 2004, 2000 Stck. (= Faltblatt des Stadtarchivs) |
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