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Bietigheim-Bissingen 2007 |
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ST.-PETER-WEG |
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Die Straße wurde benannt am 14. 11. 1957; vorher Friedhofstraße. |
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Namengebend: die Kirche St. Peter, die ursprüngliche Pfarrkirche von Bietigheim. |
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Seit 1473 in heutiger Form
Der Sankt-Peter-Weg in Bietigheim
Waren es nun die Römer, die als erste dort eine Kultstätte bauten, oder stand schon vorher ein keltisches Heiligtum am gleichen Platz, wie Prof. Roemer in seiner "Geschichte, der Stadt Bietigheim" anmerkt? Sicher ist eines: Die Peterskirche ist das älteste Bauwerk in Bietigheim. Seit 1473 hat es seine heutige Form. Sechs Bauperioden konnten bei Ausgrabungen im Jahre 1934 festgestellt werden. Der "Kampfbund für deutsche Kultur" unter Dr. Krauter hatte darauf gedrängt, daß das alte Kirchlein erneuert werde. Die Grabungen förderten dann auch einige Neuigkeiten zutage. Die erste Bauperiode, so fanden die Sachverständigen damals heraus, muß wohl schon im 3. Jahrhundert nach Christus gewesen sein. Die Römeranlage war rund, hatte einen Kranz mit 16 Stützen und innen einen zylindrischen Kern. Die Ausmaße waren 18,50 Meter außen und 7,70 Meter innen. Die Ausgräber fanden noch Reste des Unterbaus im Westen und im Innenraum der Kirche, 1,90 Meter unter dem heutigen Fußboden. Später wurden die Abstände der Stützen vermauert. Im 9. Jahrhundert gründete das Kloster Weißenburg im Elsaß, das für die Missionierung in diesem Gebiet zuständig war, die Kirche St. Peter und Paul. Aus dieser zweiten Bauperiode sind noch Reste eines 4,20 Meter langen und 3,70 Meter breiten rechteckigen Baukörpers vorhanden, der an der Ostseite in den zylindrischen Kernbau eingebaut worden ist. Der Rundbau ist vermutlich noch benützt worden, ist dem Grabungsbericht von 1934 zu entnehmen. Dieser rechteckige Raum war der erste Kirchenraum, die cella. Unbestimmt ist, in welche Zeit die dritte Bauperiode fiel. Damals verschwand der runde Kernbau, ein Rechteckbau trat an seine Stelle im Westen, der kleinere Rechteckbau, die cella, wurde zum Chorraum. Der neue, größere Bauteil hatte eine Länge von 7,40 Metern und war 4,90 Meter breit. Die vierte Bauperiode war in der Stauferzeit. In dieser Phase verschwindet der kleine Chorraum, ein größerer Neubau mit starken Mauern und einer Halbrundapsis, nach Osten zu, wurde errichtet. Die Sachverständigen mutmaßten, es könne sich um einen Chorturm gehandelt haben, wie er seit dem 11. Jahrhundert in fränkischen Landen üblich war. Teile der Mauern dieses Baus sind an der heutigen Kirche am Übergang vom Rechteckbau zum Chorraum noch erhalten, die Umfassungswände hatten eine Stärke von 1,30 Meter, die der Apsis von 1,13 Meter. In der fünften Bauperiode im 14. Jahrhundert wurde der Kultraum erweitert, auf 11,20 Meter Länge, und war so viel größer als der Gemeinderaum aus der dritten Bauperiode. Schließlich wurde 1473 der heutige Gemeinderaum errichtet, der alle älteren Bauteile umschloß. 1486 kamen noch das Beinhaus und die darüberliegende Sakristei dazu. Die Mittel für die fünfte Bauperiode stellte die damalige Herrin von Bietigheim, Antonia Visconti, die Gattin Eberhards III. von Württemberg, zur Verfügung. Sie ist wahrscheinlich rechts des Chores, zwischen dem ersten und zweiten Fenster, abgebildet. Außerdem, so meint Prof. Roemer, "wird der Bischof von Speyer dafür gesorgt haben, daß die Gläubigen selbst durch Fronen, Ablässe und Seelengeräte das Nötigste beitrugen". Für die Größe des heutigen Kirchenschiffes sorgte 1473 das Spital Markgröningen, dem die Pfarrei unterstellt war. Bietigheim hatte damals mit dem Bau der Stadtkirche zu tun. Die Peterskirche war lange Zeit Pfarrkirche für Bietigheim, Bissingen, Metterzimmern, ja auch für Groß- und Kleinsachsenheim, für Untermberg und das abgegangene Dorf Remmigheim. Die alte Straße von Großsachsenheim nach Bietigheim führte an der Peterskirche vorbei. Obwohl die Stadtkirche fertig war und die Pfarrrechte für Bietigheim an sie übergehen sollten, blieb die Peterskirche noch bis 1496 Pfarrkirche. Der Bischof von Speyer hatte sich einer Umwidmung des Pfarrrechts widersetzt. Auch nach 1496 wurde in dem Kirchlein vor der Stadt jeden Sonntag ein Hochamt mit anschließender Prozession abgehalten. Trotz dieser Messen wurde die Peterskirche im 16. Jahrhundert immer mehr zur Begräbniskirche. Einen Friedhof hatte sie schon lange. 1693 richteten Franzosen das Kirchlein übel zu, es war dann über Jahrzehnte unbrauchbar. Nach ihrer dürftigen. Instandsetzung diente sie der Gemeinde bei Bestattungen und zum Schutz vor schlechtem Wetter. Als die Kirchenoberen die wichtigsten Schätze ausgeräumt hatten, kaufte die Stadt die Peterskirche. In der Umbauphase der Stadtkirche, als Bürgerempore und Mobiliar dort instandgesetzt wurden, diente sie als Ausweichkirche. Bei der Erneuerung 1934 fanden die Restaurateure einige Kostbarkeiten. Ausmalungen aus dem späten 14. Jahrhundert wurden entdeckt, darunter das jetzt neu restaurierte Freskenbild der Marienverehrung aus dem Jahre 1478, das von dem Restauratorenehepaar Malek 1983 erneuert wurde. Das Bild beherrscht heute die Nordseite der Kirche, links vom Eingang. Derzeit werden noch Malereien an Wand und Decke im Chor ausgemalt. Es handelt sich um Heilige, die durch teils noch lesbare Schriftbänder gekennzeichnet sind. Die obere Hälfte der Fensternischen über den Heiligen wird von gemalten Baldachinen eingenommen, über den Spitzenbogenfenstern kauern drachenähnliche Bestien. Die Peterskirche ist nicht nur das älteste Bauwerk Bietigheims, sondern auch eine der ältesten Kirchen der Umgebung. Die Straße, die zu ihr und dem Friedhof führt, wurde Sankt-Peter-Weg genannt. Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 2. November 1985 |
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