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Bietigheim-Bissingen 2007 |
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MEZGERSTRASSE |
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Die Straße wurde benannt am 1. Juli 1931. |
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Namengebend: Wilhelm Mezger, * 27. 9. 1860, + 16. 2. 1921, Stadtschultheiß von 1891 bis 1921. |
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Schultheiß während 30 Jahren
Die Mezgerstraße in Bietigheim
(rh). Zuerst war Wilhelm Mezger bei den Bietigheimern unbeliebt und begegnete längere Zeit einem "ungerechtfertigten Mißtrauen", schreibt Hermann Roemer in der "Geschichte der Stadt Bietigheim". Der aus Gochsen stammende Mann hatte in Stuttgart als Ratschreiber Erfahrungen gesammelt und sich 31jährig als stiller, erfahrener Fachmann den Bietigheimern 1891 zur Wahl gestellt. Er wurde Nachfolger von Schultheiß Willig, der sich wegen eines Dienstvergehens "auf die Schienen gelegt" hatte. Mezger sei, wie Roemer schreibt, ein tüchtiger und weitblickender Mann gewesen, der gut für die Stadt gesorgt hat. Seine erste Sorge war, die Stadtverwaltung zeitgemäß auszubauen. Für den nebenamtlich als Stadtpfleger tätigen Werkmeister Karl Bengel bestellte er Adolf Widmann zum hauptamtlichen Stadtpfleger. Als hauptamtlichen Stadtbaumeister holte er sich Paul Bälz in die Rathaus-Mannschaft. Diese Maßnahmen waren wegen des starken Wachstums des aufstrebenden Industriestädtchens notwendig geworden. Ebenfalls noch 1891 trennte er die Vermögen der Kirchen von denen der Stadt. Damit zusammenhängend wurde zwischen Frühjahr 1891 und Ostern 1892 die Stadtkirche erneuert. An den Kosten beteiligte sich die Stadt mit 20 000 Mark, was einem Sechstel entsprach. Mezger war von Amts wegen auch Kirchengemeinderat und empfahl, zur Tilgung der Schulden eine Kirchensteuer einzuführen. Während der Renovierungen, bei denen der verschandelte Chor der Kirche wieder freigelegt und auf der Westempore eine neue Orgel aufgestellt wurde, diente die Peterskirche als Interimskirche. Durch die Umbauten erhielt der Kirchenraum ein warmes Gepräge und eine gute Akustik, damit lebte die kirchenmusikalische Tradition wieder auf. Seit seinem Amtsantritt war Wilhelm Mezger auf eine industrielle Bebauung auf beiden Seiten der äußeren Bahnhofstraße aus (heute Stuttgarter Straße). Anstelle eines Ausbesserungswerks der Württembergischen Eisenbahndirektion ließ sich 1899 der Teppich- und Linoleumhändler David Heilner, Sohn eines israelitischen Lehrers, mit der Familienaktiengesellschaft "Linoleum-Werke Nairn AG" nieder. Gemeinderäte und ein Freund Mezgers hatten es fertiggebracht, daß die Grundstücksbesitzer für den Quadratmeter Boden in diesem Gebiet nur eine Mark forderten. Die Stadt bot gleichzeitig langjährige Steuererleichterungen an, sonst hätte sich Heilner mit seiner Firma in Heilbronn oder Mannheim niedergelassen. 1896 wurde im Einvernehmen mit Mezger vom laut Hermann Roemer "volkstümlichsten Bietigheimer" dieser Zeit, dem Landwirt August Grimm, die landwirtschaftliche "Warengenossenschaft Bietigheim" gegründet. Auch für die Schulen setzte sich der Schultes ein. 1906 entstand neben der 1873 vollendeten "Hillerschule" ein zweites Schulgebäude, das am 21. September 1907 feierlich eingeweiht wurde. In ihm waren die damals gesetzlich eingeführte Gewerbeschule und die seit 1901 bestehende Mädchenmittelschule untergebracht. 1911 hatte Wilhelm Mezger einen harten Kampf zu bestehen. Aus Bissingens Grund und Boden wollte er die Parzelle "Bahnhof Bietigheim" eingemeinden. 261 Menschen lebten damals in der Parzelle, es gab die Ölfabrik Ziegler und Dr. Denk und die Waffelfabrik Buck. Mezger wollte Bietigheims Industriegebiet um den Bahnhof herum ausdehnen und bemängelte auf Bissinger Seite, daß die Wasserversorgung schlecht sei und es keine Schule gebe. Freiwillig wollte Bissingen die Parzelle nicht abgeben, weshalb es zu einer Abstimmung kam. Mit nur 15 Stimmen für Bietigheim unterlag Mezger schließlich gegen die 77 Stimmen für Bissingen. Grund für die Niederlage: Bissingens Gemeindeumlage betrug damals nur neun Prozent, die Bietigheims dagegen zwölf Prozent. Noch vor dem Krieg nahm sich Mezger die Verbesserung der sanitären Verhältnisse vor. Nach den Erweiterungen der Wasserleitungen in den Jahren 1900 und 1910 mußte die Kanalisation ausgebaut werden. Und vor jetzt 70 Jahren entstand das Städtische Krankenhaus. Ursprünglich war ein Platz in der Löchgauer Straße vorgesehen, doch zogen die ärztlichen Gutachter den Platz auf der Gaishälde vor. Noch kurz vor dem Ersten Weltkrieg wurde das Haus mit 65 Betten eingeweiht. Wilhelm Mezger leitete die Geschicke der Stadt auch während des Krieges. Nach 30 Jahren Schultheißenamt starb er 61jährig im Frühjahr 1921. Die Stadt gab einer Straße nahe der Forststraße <richtig: Forsthausstraße> und parallel zu In den zehn Morgen seinen Namen. Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 8. Oktober 1983 |
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