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Bietigheim-Bissingen 2007 |
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HOLZGARTENSTRASSE |
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Die Straße wurde benannt vor 1832. Sie
sollte vom 17.12.74 bis 21.1.75 Viaduktstraße
heißen. |
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Namengebend ist die Enzflößerei: s. unten. |
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"Hafen" für wichtigsten
Rohstoff
Die Holzgartenstraße in Bietigheim
(rh). Es war Öl, Beton und Metall zugleich, wenn man sieht, was daraus alles gemacht wurde. Holz, wichtigster Rohstoff vergangener Jahrhunderte. Klar, daß auch heute die Wälder nicht einfach so sterben sollten, denn wir brauchen sie. Der Holzgarten: Dort wurde der Brenn-, Bau- und Werkstoff aus der Enz gefischt, verkauft unter staatlicher Aufsieht. Denn das Monopol behielt sich der Fürst vor. Keiner durfte die Scheite oder abgebrochenen Äste nur so einfangen und nach Hause tragen, um sie im Ofen zu verbrennen oder einen Löffel oder Teller daraus zu schnitzen. Die Aufseher, staatliche Holzfaktoren, wie man sie damals nannte, hatten ein Auge darauf, was mit dem Naturprodukt geschah. Schließlich mußte für die Hölzer auch Zoll bezahlt werden. Die Holzgartenstraße ist eine der ältesten in der Stadt. Seit es die Metterbrücke gibt, erstmals 1498, wurde der Teil, der zur umfriedeten Anlandestelle, dem "Hafen" führte, Holzgartenstraße genannt. Dies hat Prof. Hermann Roemer herausgefunden. Man darf dabei den Garten nicht als Pflanzgelände auffassen, wie etwa beim Gemüsegarten, in dem auch Blumen wachsen. Das Herkunftswörterbuch belegt Garten als eingehegten und umzäunten Raum. Und ein Zaun war beim zehn Morgen großen Holzgarten notwendig. Seit 1325 gab es Flößerei auf der Enz. Große und kleine Stämme landeten an den verschiedensten Anlandestellen an oder wurden dort herausgezogen. Organisation mußte dahinterstecken, denn sonst hätte der erste Ort nach der Stelle, wo das Holz in den Fluß geworfen wurde, ein Holzmonopol errichten können. Dem Fürsten stand es zu, über den Hochwald und den Holzhandel zu bestimmen. Er setzte dafür die Holzfaktoren, niedere Beamte in der württembergischen Beamtenhierarchie, ein. Teilweise übertrug der Herzog das Recht auch auf Städte, die eigene Leute zur Aufsicht einsetzten. Der Fürst wollte durch sein Monopol verhindern, daß der Preis für den wichtigsten Rohstoff ständig anstieg. 1718 stand die Stadt in Flammen. Bei dem Großbrand wurden fast alle Häuser beschädigt. Der Holzbedarf zum Wiederaufbau war groß. Und trotzdem sollte Bietigheim von dem dringend benötigten Baustoff Teile an die herzogliche Holzverwaltung, die Ludwigsburger Baudeputation, abgeben. Die Stadtväter protestierten erfolgreich. Am 14. Juli 1719 wurde ihnen bestätigt, daß die Stadt ihr altes verbrieftes Recht auf einen städtischen Holzhandel mit Bau-, Brenn- und Schnittholz wieder erhalte. Bietigheim weitete den Holzhandel auch auf die benachbarten Orte und Städte aus, wie etwa Besigheim, das 1734 das Handels-, 1780 das Stapelrecht im Garten verlor. Auch die Ludwigsburger Baudeputation zahlte für Holz aus Bietigheim, allerdings nicht immer sofort. Die für den herzoglichen Jagdzaun gelieferten Hölzer blieben lange auf der Mahnliste. Nach dem Vertrag Württembergs mit Baden über Scheiterholzflößerei im Jahre 1747 war die Enz ein wichtiger Fluß. In Enzklösterle wurden die Scheite in die Enz geworfen und später in den der Forstdirektion unterstellten staatlichen Holzgärten in Dürrmenz, Vaihingen, Bissingen, Bietigheim und Besigheim an den Haken genommen. Dafür wurden extra Gatter eingelassen, die die Scheite aufhielten. Bissingen war seit 1750 Hauptlagerplatz. Erst wenn dort im Jahr bereits 8000 Klafter Holz gesammelt waren, ging "das Tor nach Bietigheim auf", das heißt, dann konnten die Bietigheimer ihre Scheite und Stämme herausziehen. Das Gatter in der Enz hielt nicht alles zurück. So etwa beim Hochwasser 1824, als 5000 Klafter an der Enzbrücke angeschwemmt wurden oder ganz verloren gingen. Zuerst war der Holzgarten auf der Seite der Altstadt, dann wurde er zu Beginn des Viaduktbaus im März 1851 auf die Wobachseite verlegt. Die Gerüste für den mächtigen Eisenbahnübergang waren aus Holz; so kam es sehr zupaß, daß gleich daneben der Holzgarten war. Kürzeste Transportwege waren so garantiert. Nachdem der Bahnhof 1846 eingeweiht war, wurde dort ein Sammel- und Verkaufsplatz für Holz eingerichtet. Mit dem Aufkommen der Eisenbahn nahm die Flößerei auf der Enz und anderswo immer mehr ab. Zum 1. Februar 1913 wurde sie schließlich eingestellt. Zwischen dem 4. März 1851 und dem 20. September 1853, der Bauzeit des Viadukts, gab es in der Holzgartenstraße 9, im Haus des bekannten Bietigheimers August Grimm, ein Lazarett für die verletzten Bauarbeiter. Sie wurden dort von Wundarzt Alexander Müller verarztet und gepflegt. 1866 wurde der Holzgarten aufgegeben. 1873 kaufte die Stadt das Gelände und konnte so den Viehmarkt erweitern. Die Holzgartenstraße wurde nach dem Zusammenschluß Bietigheims und Bissingens in Viaduktstraße umgetauft, der Name kam aber nicht an. Die Tradition war stärker, so blieb es bei Holzgartenstraße. Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 18. Januar 1986 |
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