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Bietigheim-Bissingen 2007 |
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HERMANN-VISCHER-STRASSE |
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Die Straße wurde benannt am 7. 04. 1932. |
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Hermann Vischer, * am 23. November 1867 in Wildbad, + 20. Februar 1936, Direktor der Kammgarnspinnerei. (Quelle: Bietigheimer Zeitung vom 13. Oktober 1984, s. u.) |
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Umsichtig im Betrieb und sozial
Die Hermann-Vischer-Straße in Bietigheim
Ein echter Bietigheimer war er nicht, der Wollfachmann Hermann Vischer, Direktor der Kammgarnspinnerei in 31 Jahren. Seine Jugendzeit hat er aber vor allem in dem damals noch beschaulichen Enzstädtchen verlebt. Hermann Vischer wurde am 23. November 1867 in Wildbad im Schwarzwald geboren. Sein Vater Friedrich war Waldinspektor und später Oberförster in Freudenstadt. Seine Mutter war die Tochter Marie des Bietigheimer "Ratsstüble"-Wirts Ludwig Junghans. Auch der Großvater wohnte in Bietigheim, und all diese Verbindungen machten es schließlich aus, daß der kleine Hermann die Realschule der Stadt besuchte. Er wohnte in dieser Zeit beim Großvater. Nach dem Einjährigen, das einer Stufe zwischen der heutigen Mittleren Reife und dem Abitur entspricht, ging Hermann Vischer nach Ludwigsburg, wo er das Bankfach erlernte. Seine ersten Sporen als Kaufmann verdiente er sich in der Kammgarnspinnerei von Brünn, der ehemaligen Hauptstadt der Tschechei. Dort erwarb sich der junge Kaufmann auch die Kenntnisse, die ihn später als hervorragenden Wollfachmann auszeichneten. Im Jahre 1905 zog es Vischer wieder zurück nach Bietigheim. Direktor Müller von der Kammgarnspinnerei war aus Gesundheitsgründen zurückgetreten, ein jüngerer Spezialist wurde gesucht und in Hermann Vischer gefunden. Der hatte in Brünn auch den Betrieb einer modernen Fabrik kennengelernt. Aus der Tschechei brachte Vischer auch gleich einen Fachmann mit, der später Prokurist und Verkaufsleiter wurde. Die erste Schreibmaschine wurde ins "Comptoir" der Spinnerei schon ein Jahr nach Vischers Antritt als Direktor, die erste Rechenmaschine zwei Jahre danach "eingestellt". Hermann Vischer "dachte an Konkurrenz und Kundschaft", heißt es in einer Festschrift zum 100jährigen Jubiläum im Jahre 1956. Weber aus Aachen, Mönchengladbach, Sachsen, Thüringen und Schlesien gewann der Direktor für die Auftragserfüllung, daneben auch die württembergische Trikotagenindustrie, die gerade wegen der Forschungen Professor Jägers über die Vorteile der Wolle für den Körper einen neuen Auftrieb erhalten hatte. Als das Werk elektrifiziert werden sollte, behinderten zwei furchtbare Feuersbrünste den Fortschritt: Zuerst brannte am 19. August 1911, einem Samstag, abends um 7 Uhr das zweistöckige, 75 Meter lange Kämmereigebäude nieder. Ölige Baumwollseile hatten sich unter einem Dachfenster wahrscheinlich selbst entzündet in jenem "Glutsommer", wie es in der Festschrift heißt. 680 000 Mark Schaden richtete das Feuer an. Und schon ein Jahr später, kaum stand der Neubau, war wieder Öl schuld, daß es zu einem zweiten Großfeuer kam, bei dem am 26. Juni 1912, wieder gegen 7 Uhr abends, der vierstöckige Hochbau neben dem Neubau und weitere Gebäude ein Raub der Flammen wurden. Dieses Mal betrug der Schaden 1 166 553 Mark. Sprinkler-Anlagen, wie sie heute üblich sind, gab es damals noch nicht. Nach dem Wiederaufbau machte Vischer das Werk zu einem reinen Spinnereibetrieb. 450 Leute waren in der Fabrik beschäftigt. Die Kämmerei wurde eingespart, die Wolle wurde an Lohnkämmereien vergeben. Durch die neue Unternehmensstruktur, die wohl auch einige Arbeitsplätze kostete, blieb das Unternehmen über die Jahre gesund und kam auch durch die Kriegs- und Krisenzeiten. Neben seiner Arbeit im Betrieb war Hermann Vischer noch Gemeinderat. Als Junggeselle hatte er es einfacher, dieses aufwendige Ehrenamt auf sich zu nehmen. Für seinen Haushalt sorgten seine Schwestern, die bei ihm wohnten. Im Ersten Weltkrieg war Vischer Vorsitzender des Roten Kreuzes der Stadt. Bei der Technischen Hochschule in Stuttgart hatte er den Titel eines Ehrensenators. Am 15. November 1930 wurde Vischer für seine 25jährige Betriebszugehörigkeit geehrt. "Er hat das Werk mit großer Umsicht und gutem Erfolg geleitet und vorbildliche Wohlfahrtseinrichtungen geschaffen", hieß es in einer Laudatio. Am 7. April 1932 wurde der Gemeinderat zum Ehrenbürger der Stadt Bietigheim ernannt. Gleichzeitig wurde die Parallelstraße zur heutigen B 27 in der "Spinne" nach ihm benannt. Hermann Vischer starb am 20. Februar 1936. Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 13. Oktober 1984 |
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