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Den
Namen "Gartenstraße" gab es im Gebiet von Bietigheim-Bissingen
viermal - aber die heutige Gartenstraße hat mit den anderen drei
Straßen dieses Namens nichts zu tun. Die heutige ist eine Neuerrungenschaft
der Nachkriegszeit; in ihrem Umfeld galt dann die Namengruppe
"Blumen" (Veilchen, Tulpen etc.), wobei die Blumenstraße in Bissingen
blieb.
Bissingen verlor seine Gartenstraße im Zuge
der Zusammenlegung zum 1. Januar 1975. Damals wurde die Gerokstrasse nach Westen
verlängert, so dass die alte Gartenstraße den Anfang der heutigen Gerokstraße
bildet. Die Spitalstraße
wurde ebenfalls in die Gerokstraße einbezogen, und erst östlich der Ludwigsburger Straße fallen
alte und neue Gerokstrasse zusammen; allerdings musste damals umnummeriert
werden.
Im
Bereich von Bietigheim hängt der Name "Gartenstraße" mit der
"Hindenburgstraße"
zusammen. Ursprünglich hieß die heutige Hornmoldstraße
Hindenburgstraße; sie wurde aber am 5. April 1934 umbenannt. Dazu sei der
damalige Beschluss zitiert:
"§
10.
Während der Wintermonate ist die geplante
Verbindungsstrasse Bietigheim-Metterzimmern
von der Bietigheimer Seite wieder ein Stück vorangetrieben worden. Ein
weiterer Angriff auf dieses Projekt sollte nun auch von Metterzimmern her
eingeleitet werden, was durch Anlegung eines Auffüllplatzes in der östlichen
Verlängerung der Hindenburgstrasse im Vorort <damalige Bezeichnung von
Metterzimmern!> geschieht. Zur Durchführung dieses Plans ist der
entsprechende Geländeerwerb notwendig. Ein nächstgelegener Auffüllplatz ist
für den Vorort sowieso erforderlich. Es ist daher naheliegend, die notwendige
Dammauffüllung für die Verbindungsstraße mit dem Auffüllplatz in Verbindung
zu bringen. Der Gemeinderat
beschliesst,
den Stadtpfleger zur Einleitung der notwendigen
Grunderwerbsverhandlungen zu beauftragen. Von der Verwaltung wird noch
vorgeschlagen, die Bietigheimer Gartenstrasse, welche im Zuge mit der
Hindenburgstrasse im Vorort liegt, in
Hindenburgstrasse
umzubenennen und der seitherigen Hindenburgstrasse, an welcher erst 1 Neubau
erstellt worden ist, einen anderen Namen zu geben. Wenn sich auch der
Gemeinderat nicht gern mit weiteren Strassenumbenennungen beschäftigt, so
wird aus dem Grunde, weil für die Umbenennung der Hindenburgstrasse, so lange
sie noch unbebaut ist, keine besonderen Kosten entstehen, vom Vorsitzenden
empfohlen, diese Umbenennung jetzt schon vorzunehmen, weil zu erwarten ist,
dass die seitherige Hindenburgstrasse nun rasch angebaut wird und deren
spätere Umbenennung viel höhere Kosten verursachen würde. Vom Gemeinderat
wird dieser Vorschlag zum
Beschluss
erhoben und noch festgestellt, dass durch den Aufkauf der für den
Auffüllplatz des Vororts notwendigen Grundfläche der Voranschlag nicht
belastet werden darf. Der Aufkauf kann nur in dem Mass erfolgen, in dem die
Mittel durch Absetzung hiesiger Bauplätze eingehen. Über den Namen der
seitherigen Hindenburgstrasse soll in der nächsten Sitzung entschieden
werden."
Und
am 26. April 1934 wird dann in diesem Sinne entschieden:
"§
14.
Horst-Wessel-Strasse.
Der Gemeinderat nimmt Kenntnis von dem Erlass des Reichsministers des Innern
vom 4. April 1934, nach dem der Stellvertreter des Führers in einer an die
Gauleiter gerichteten Verfügung gegen gewisse Erscheinungen Stellung genommen
hat, die mit der bescheidenen Zurückhaltung, die jeder Parteigenosse und
besonders auch jeder Unterführer entsprechend dem Vorbild des Führers in der
Öffentlichkeit beobachten sollte, nicht vereinbar sind. Nach dem eingangs
erwähnten Erlass hat die Verleihung weiterer Ehrenbürgerschaften zu
unterbleiben, auch dürfen Strassenum- und Neubenennungen nach Lebenden nicht
mehr stattfinden.
In Anlehnung an diesen Erlass wird vom Vorsitzenden vorgeschlagen, die
seitherige Hindenburgstrasse, deren Namen in der letzten Sitzung auf die
Gartenstrasse übertragen worden ist, nach dem (nicht mehr lebenden)
nationalsozialistischen Kämpfer "Horst-Wesselstrasse" zu benennen.
Vom Gemeinderat wird entsprechend
beschlossen."
Die
Entwicklung ging also folgendermaßen vonstatten:
Die Metterzimmerer Gartenstraße wurde in ihrem West-Ost-Stück am 29.
März 1933 in Hindenburgstraße umbenannt; nur dem kleinen Nord-Süd-Stück blieb
noch nach Ausweis des Stadtplans von 1940 der Name "Gartenstraße".
Dieses Stück ist das heutige Nordende der Flattichstraße. - Da auf
längere Sicht eine lange Verbindungsstraße Bietigheim-Metterzimmern angedacht
war, sollte diese in beiden Ortsteilen unter dem gleichen Namen laufen. Dazu
musste man im Neubaugebiet südlich der Großingersheimer Straße der heutigen
Hornmoldstraße, der bisherigen Hindenburgstraße, die in ihr Umfeld:
"Moltke" und "Bismarck" gepasst hatte, ihren Namen
entziehen, was keine Probleme bereitete, da nur eine Hausnummer zu diesem
Zeitpunkt vergeben war. Die Bietigheimer Gartenstraße wurde umbenannt,
und damit war in Bietigheim der Namen wieder frei und konnte am 9. Februar
1954 neu - an die heutige Gartenstraße - vergeben werden. Damals wurde
ebenfalls die Metterzimmerer Rest-Gartenstraße in Flattichstraße umbenannt.
Aus der langen Verbindungsstraße wurde aber nichts, so dass die Metterzimmerer
Hindenburgstraße heute die Albert-Schweitzer-Straße
ist und nur noch die Bietigheimer Hindenburgstraße ihren
Namen behalten hat. - Und der Bissinger Hindenburgplatz, der in der
kleinen Ausbuchtung an der Abzweigung der Tammer von der Ludwigsburger Straße
besteht, führt nur ein Schattendasein. Auf der Karte von 1958 wird er nicht
vermerkt, später taucht er in den Karten wieder auf, an Ort und Stelle
befindet sich nur ein altes,
verstecktes Schild, so dass er de facto nicht mehr existiert.
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