Bietigheim-Bissingen 2007
"anno MMVII"


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GARTENSTRASSE

Die Straße wurde benannt am 9. Februar 1954.

Namengebend: die früheren Vorgärten; ganz deutlich die Parallele "Im Krautgarten" in Untermberg.

Den Namen "Gartenstraße" gab es im Gebiet von Bietigheim-Bissingen viermal - aber die heutige Gartenstraße hat mit den anderen drei Straßen dieses Namens nichts zu tun. Die heutige ist eine Neuerrungenschaft der Nachkriegszeit; in ihrem Umfeld galt dann die Namengruppe "Blumen" (Veilchen, Tulpen etc.), wobei die Blumenstraße in Bissingen blieb.

Bissingen verlor seine Gartenstraße im Zuge der Zusammenlegung zum 1. Januar 1975. Damals wurde die Gerokstrasse nach Westen verlängert, so dass die alte Gartenstraße den Anfang der heutigen Gerokstraße bildet. Die Spitalstraße wurde ebenfalls in die Gerokstraße einbezogen, und erst östlich der Ludwigsburger Straße fallen alte und neue Gerokstrasse zusammen; allerdings musste damals umnummeriert werden.

Im Bereich von Bietigheim hängt der Name "Gartenstraße" mit der "Hindenburgstraße" zusammen. Ursprünglich hieß die heutige Hornmoldstraße Hindenburgstraße; sie wurde aber am 5. April 1934 umbenannt. Dazu sei der damalige Beschluss zitiert:

"§ 10.
Während der Wintermonate ist die geplante
Verbindungsstrasse Bietigheim-Metterzimmern
von der Bietigheimer Seite wieder ein Stück vorangetrieben worden. Ein weiterer Angriff auf dieses Projekt sollte nun auch von Metterzimmern her eingeleitet werden, was durch Anlegung eines Auffüllplatzes in der östlichen Verlängerung der Hindenburgstrasse im Vorort <damalige Bezeichnung von Metterzimmern!>  geschieht. Zur Durchführung dieses Plans ist der entsprechende Geländeerwerb notwendig. Ein nächstgelegener Auffüllplatz ist für den Vorort sowieso erforderlich. Es ist daher naheliegend, die notwendige Dammauffüllung für die Verbindungsstraße mit dem Auffüllplatz in Verbindung zu bringen. Der Gemeinderat
beschliesst,
den Stadtpfleger zur Einleitung der notwendigen Grunderwerbsverhandlungen zu beauftragen. Von der Verwaltung wird noch vorgeschlagen, die Bietigheimer Gartenstrasse, welche im Zuge mit der Hindenburgstrasse im Vorort liegt, in
Hindenburgstrasse
umzubenennen und der seitherigen Hindenburgstrasse, an welcher erst 1 Neubau erstellt worden ist, einen anderen Namen zu geben. Wenn sich auch der Gemeinderat nicht gern mit weiteren Strassenumbenennungen beschäftigt, so wird aus dem Grunde, weil für die Umbenennung der Hindenburgstrasse, so lange sie noch unbebaut ist, keine besonderen Kosten entstehen, vom Vorsitzenden empfohlen, diese Umbenennung jetzt schon vorzunehmen, weil zu erwarten ist, dass die seitherige Hindenburgstrasse nun rasch angebaut wird und deren spätere Umbenennung viel höhere Kosten verursachen würde. Vom Gemeinderat wird dieser Vorschlag zum
Beschluss
erhoben und noch festgestellt, dass durch den Aufkauf der für den Auffüllplatz des Vororts notwendigen Grundfläche der Voranschlag nicht belastet werden darf. Der Aufkauf kann nur in dem Mass erfolgen, in dem die Mittel durch Absetzung hiesiger Bauplätze eingehen. Über den Namen der seitherigen Hindenburgstrasse soll in der nächsten Sitzung entschieden werden."

Und am 26. April 1934 wird dann in diesem Sinne entschieden:

"§ 14.
Horst-Wessel-Strasse.
Der Gemeinderat nimmt Kenntnis von dem Erlass des Reichsministers des Innern vom 4. April 1934, nach dem der Stellvertreter des Führers in einer an die Gauleiter gerichteten Verfügung gegen gewisse Erscheinungen Stellung genommen hat, die mit der bescheidenen Zurückhaltung, die jeder Parteigenosse und besonders auch jeder Unterführer entsprechend dem Vorbild des Führers in der Öffentlichkeit beobachten sollte, nicht vereinbar sind. Nach dem eingangs erwähnten Erlass hat die Verleihung weiterer Ehrenbürgerschaften zu unterbleiben, auch dürfen Strassenum- und Neubenennungen nach Lebenden nicht mehr stattfinden.
In Anlehnung an diesen Erlass wird vom Vorsitzenden vorgeschlagen, die seitherige Hindenburgstrasse, deren Namen in der letzten Sitzung auf die Gartenstrasse übertragen worden ist, nach dem (nicht mehr lebenden) nationalsozialistischen Kämpfer "Horst-Wesselstrasse" zu benennen. Vom Gemeinderat wird entsprechend
beschlossen."

Die Entwicklung ging also folgendermaßen vonstatten:
Die Metterzimmerer Gartenstraße wurde in ihrem West-Ost-Stück am 29. März 1933 in Hindenburgstraße umbenannt; nur dem kleinen Nord-Süd-Stück blieb noch nach Ausweis des Stadtplans von 1940 der Name "Gartenstraße". Dieses Stück ist das heutige Nordende der Flattichstraße. - Da auf längere Sicht eine lange Verbindungsstraße Bietigheim-Metterzimmern angedacht war, sollte diese in beiden Ortsteilen unter dem gleichen Namen laufen. Dazu musste man im Neubaugebiet südlich der Großingersheimer Straße der heutigen Hornmoldstraße, der bisherigen Hindenburgstraße, die in ihr Umfeld: "Moltke" und "Bismarck" gepasst hatte, ihren Namen entziehen, was keine Probleme bereitete, da nur eine Hausnummer zu diesem Zeitpunkt vergeben war. Die Bietigheimer Gartenstraße wurde umbenannt, und damit war in Bietigheim der Namen wieder frei und konnte am 9. Februar 1954 neu - an die heutige Gartenstraße - vergeben werden. Damals wurde ebenfalls die Metterzimmerer Rest-Gartenstraße in Flattichstraße umbenannt. Aus der langen Verbindungsstraße wurde aber nichts, so dass die Metterzimmerer Hindenburgstraße heute die Albert-Schweitzer-Straße ist und nur noch die Bietigheimer Hindenburgstraße ihren Namen behalten hat. - Und der Bissinger Hindenburgplatz, der in der kleinen Ausbuchtung an der Abzweigung der Tammer von der Ludwigsburger Straße besteht, führt nur ein Schattendasein. Auf der Karte von 1958 wird er nicht vermerkt, später taucht er in den Karten wieder auf, an Ort und Stelle befindet sich nur ein altes, verstecktes Schild, so dass er de facto nicht mehr existiert.

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