Bietigheim-Bissingen 2007
"anno MMVII"


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GOTTLOB-GROTZ-STRASSE

Beschlossen am 29. 9. 32, "zum Andenken an den Begründer der Maschinenfabrik Gottlob Friedrich Grotz".

"Gottlob Grotz, * 27. 10. 1854,  + 11. 1. 1918, Begründer der Maschinenfabrik Grotz, in der u. a. alle Zeppelinmotoren gebaut wurden." (offizielle Information)

Der Bissinger Mechaniker Gottlob Friedrich Grotz (1854-1918) war für die Präzision seiner Arbeit weithin geschätzt.

Neben der Eigenentwicklung von Maschinen der vielfältigsten Art wurden in seiner Fabrik ab 1909 u. a. die von Maybach konstruierten Spezialmotoren für die Zeppelin-Luftschiffe hergestellt. Mit der Gründung der Maschinenfabrik gab er seiner Heimatgemeinde Bissingen entscheidende industrielle Impulse.

Gottlob Grotz entstammte einer Familie, die seit dem 30-jährigen Krieg in Bissingen ansässig war. Er wurde um 27. Oktober 1854 als jüngstes Kind des Schlossers Johann Jakob Grotz und seiner Frau Rosine Christine geb. Riestle geboren.

Gottlob hatte 7 Geschwister, von denen allerdings vier früh verstorben waren. Sein ältester Bruder Carl (*1843) wanderte nach Amerika aus.

In der Scheuer seines Elternhauses in der Unteren Gasse, Ludwigsburger Straße 16, richtete er sich gemeinsam mit seinem zwei Jahre älteren Bruder Ernst (+ 1876) schon früh eine kleine Mechanikerwerkstatt ein, als diese zu klein wurde, eine solche bei dem Bietigheimer Kochtopffabrikanten Christoph Umbach in dessen Schleifmühle an der Metter zwischen Bietigheim und Metterzimmern. Seine Mechanikerlehre machte Gottlob Grotz bei der Firma Kuhn in (Stuttgart-)Berg, wo Dampfmaschinen hergestellt wurden. Anschließend mietete er sich 1879 bei seinem Freund Gottlieb Geiger in der Bissinger Ölmühle im Weiler Tal ein und gründete dann gemeinsam mit seinem Bruder in der Bietigheimer Ölmühle von Bälz & Gauss seine erste Firma, die noch sehr mühsam auf fußbetriebenen Drehbänken Eisenspindeln für Buchbinderpressen herstellte.

Als 28jähriger heiratete der junge Unternehmer die vermögende Witwe des Bietigheimer Bauunternehmers Josef Ulrich, Marie geb. Schmid. Sie brachte nicht nur zwei Töchter mit in die Ehe, sondern erlaubte mit ihrem Vermögen auch den erfolgreichen Start der Maschinenfabrik Grotz. Da eine Ausweitung des bestehenden Betriebs in Bietigheim nicht möglich war, erwarb Gottlob Grotz 1884 die Fricksche Mahlmühle am unteren Saubach, die alte Bissinger Bachmühle. Hier, auf halbem Weg zwischen dem Flecken Bissingen und dem Bietigheimer Bahnhof, baute er mit der nötigen Wasserkraft der Mühle seine Maschinenfabrik auf. Neben die Fertigung von Pappscheren und Papierschneidemaschinen für Buchbindereien und die papierverarbeitende Industrie in Stuttgart, aber auch in Norddeutschland und Russland trat nun auch immer stärker die Herstellung von  Werkzeugmaschinen.

Aus bescheidenen Anfängen - 1893 waren gerade einmal 12 Arbeiter und Lehrlinge beschäftigt - nahm die Maschinenfabrik rasch einen enormen Aufschwung: 1898 waren es 40, 1902 50 und 1914, am Vorabend des 1. Weltkrieges gar 200 Arbeiter, zu denen Grotz ein väterlich-fürsorgliches Verhältnis pflegte. Eine Fülle in- und ausländischer Patente belegen Grotz' technische Innovationskraft; sie sicherten die Existenz der jungen Firma: Schmiernutenschneidemaschinen, Wellenrichtapparate, Zigarettenwickel-, Flaschenetikettier- und Fräsmaschinen.

Für namhafte württembergische Firmen wie Bosch, Voith oder WMF produzierte Grotz mit seinen Mitarbeitern Werkzeugmaschinen, Maschinenteile und Sonderaggregate. Auch Gottlieb Daimler nutzte ab 1901 das technische Know-how von Gottlob Grotz; bis 1909 deckte Daimler hier seinen Bedarf an Lenkungen und Kurbelwellen für die ersten Kraftwagen. Bei Grotz wurde auch das Fertigungsproblem von Autokühlern gelöst. Dazu trat die Herstellung von Maschinenteilen für die Uhrenfabrikation der Firma Junghans in Schramberg. Der Fabrikant Junghans fungierte auch als Kapitalgeber für die Entwicklung neuer Patente, während sein Sohn seine technische Ausbildung bei Gottlob Grotz vervollkommnete.

Ein Höhepunkt der Firmengeschichte war die Zusammenarbeit mit dem aus Heilbronn stammenden Motorenkonstrukteur Wilhelm Maybach, der gemeinsam mit Gottlieb Daimler als erstes den schnell laufenden Benzinmotor auf den Markt gebracht hatte und ab 1896 technischer Leiter der Daimler Motorengesellschaft war. In der eigens dazu gegründeten " Luftfahrzeug-Motorenbau-Gesellschaft Bissingen" wurden die Spezialantriebsaggregate für die Zeppelin Luftschiffe konstruiert, nachdem sich herkömmliche Automotoren als ungeeignet erwiesen hatten.

Der erste 145 PS starke Sechs-Zylinder-Maybach-Grotz-Luftschiffmotor wurde 1909 in Zeppelins LZ 6 eingebaut. Von da an wurden alle Luftschiffe mit Bissinger Antriebstechnik ausgerüstet, und etliche der gasgefüllten "Riesenzigarren" vergaßen beim Überflug nicht, dem kleinen Werk am Saubach einen Kartengruß abzuwerfen. Noch heute werden diese industriegeschichtlichen "Ikonen" im Firmenarchiv sorgsam verwahrt.

Die Aufträge für diese Spezialmotoren kamen bald nicht nur von der Luftschiffwerft des Grafen Zeppelin, sondern auch aus dem Ausland, und sie kamen so zahlreich, dass die Maschinenfabrik allein sie nicht mehr bewältigen konnte. 1912 gründete Maybach deshalb in Friedrichshafen eine eigene Motorengesellschaft mit der Absicht, Grotz an den Bodensee mitzunehmen. Der heimatverbundene Bissinger lehnte das Maybachsche Angebot jedoch ab, sicherte sich aber den Auftrag, weiterhin Motorenteile zu liefern. Der erste Weltkrieg mit seinen Folgen brachte für das Unternehmen die erste schwere Krise. Dessen Ende erlebte der ideenreiche Firmengründer nicht mehr. Gottlob Grotz starb nach schwerer Krankheit am 11. Januar 1918 im Alter von 63 Jahren. Für das Weiterbestehen der Maschinenfabrik hatte er rechtzeitig Sorge getragen. Seit 1907 waren seine beiden Schwiegersöhne Teilhaber der Firma: der aus Leonberg stammende Kaufmann Richard Häcker, schon seit 1895 im Betrieb, und der 1901 in die Maschinenfabrik eingetretene Ulmer Ingenieur Oskar Schmidt, dem die technische Leitung unterstand. Sie führten das Unternehmen im Sinne des Seniorchefs weiter. Heute ist das Unternehmen Teil der Heinkelgruppe.

Gottlob Grotz war für die feinmechanische Industrie der ganzen Umgegend eine zentrale Figur, sein Werk eine u. a. von der Technischen Hochschule Stuttgart empfohlene Kaderschmiede hochqualifizierter Facharbeiter. Aus seinem Betrieb gingen bedeutende Ingenieure hervor, wie der Flugzeugkonstrukteur Ernst Heinkel, der Bietigheimer Zahnradbauer Otto Meyle oder der bekannte Flieger Hellmuth Hirth. Mit der Gründung seiner Maschinenfabrik gab er seiner Heimatgemeinde Bissingen entscheidende industrielle Impulse, und bis zum Schluss war er im sozialen Leben der Gemeinde eng verwurzelt, u. a. als Ehrenmitglied des Liederkranzes und Freund und Förderer des Turnvereins. Als langjähriger Bissinger Gemeinderat und Kirchengemeinderat hat er sich auch seiner sozialen Verantwortung gestellt.

Impressum: © Stadt Bietigheim-Bissingen 3. Auflage, 2000, 2000 Stck. (= Faltblatt des Stadtarchivs)

Literatur: Helmut Orth, Bissingen an der Enz, Erinnerungen, Geiger-Verlag, Horb, 1984: S. 15f.

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