|
Bietigheim-Bissingen 2007 |
|
|
FRIEDRICHSTRASSE |
|
|
Die Straße wurde benannt am 29. 09. 1932. |
|
|
"Friedrich I. Wilhelm Karl von Württemberg (* 6. November 1754 in Treptow an der Rega in Hinterpommern; † 30. Oktober 1816 in Stuttgart) war ab 1797 als Friedrich II. Herzog und von 1806 bis 1816 als Friedrich I. der erste König von Württemberg." (Quelle: Wikipedia, Umlaut im Link!) Bietigheimer Friedrichstraße: jetzt Schwätzgässle |
|
![]() Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 26. Mai 1984 König von Napoleons GnadenDie Friedrichstraße in Bissingen(rh). "Je höher er stieg, je geschickter er politisch lavierte, um so lächerlicher, um so charakterloser fanden ihn seine 'Untertanen', die ihn nicht liebten", schreibt Hermann Missenharter in seinem Buch "Herzöge, Bürger, Könige" über König Friedrich Eugen von Württemberg, der just in der Zeit seinen bedeutenden Titel erhielt, als Napoleon, für entsprechende Gegenleistung, versteht sich, Gnade vor Gewalt gegenüber manchen europäischen Herrschern walten ließ. Sei's der Kurfürst, sei's der König, alle Titel stammten vom Kaiser Europas, dem schmächtigen, aber mächtigen. Man könnte ihn einen Preußen nennen, denn geboren wurde Württembergs erster König am 6. November 1754 im pommerschen Treptow als Sohn von Friedrich Eugen von Württemberg, dem jüngsten Bruder Herzog Karls. Der Vater war in preußischen Diensten und mit einer Nichte des Alten Fritz verheiratet. 1769 nahm Friedrich Eugen seinen Abschied aus dem preußischen Dienst und zog ins württembergische Mömpelgard, was jedoch den Sohn nicht hinderte, später ebenfalls dem Preußenkönig seine Dienste anzubieten und preußischen Drill in der Armee zu erlernen. Als Friedrichs Vater die zweite Nachfolge von Herzog Karl antrat, war er offenbar schon kränklich, denn nach kurzer Zeit erlitt er einen Herzinfarkt, der ihn lähmte. Friedrich übernahm dann "ganz unsentimental", wie Missenharter schreibt, schon zu Lebzeiten seines Vaters die Regierung. Als Friedrich dann 1798 als Herzog auf den Thron kam - den zweiten Herzinfarkt überlebte sein Vater nicht - begann für die Stuttgarter nach Meinung Missenharters ein nicht erbauliches Spiel. In den Jahren vor und nach der Jahrhundertwende hatten sie "das zweifelhafte Vergnügen, in einem grotesken Possenspiel einen starken Mann auftreten zu sehen, der sich wild dagegen wehrte, als Hampelmann von einem noch stärkeren Mann auf den Arm genommen zu werden", von Napoleon. Friedrich gab dem französischen Gewaltherrscher ein Heer von 7000 Mann mit 700 Pferden gegen den Widerstand der Landstände. Das Geld dafür hatte er sich bei seinem Onkel, dem englischen König Georg III., gepumpt. Dieses Heer verhinderte allerdings nicht, daß es eine Verschwörung gegen den Noch-Herzog in Stuttgart gab. Republikaner hatten offen ihre Meinung zum Absolutismus Friedrichs geäußert. Des gewalttätigen Herrschers Pläne, die Verfassung von 1514 zu beseitigen, konnten sie nicht beeinflussen. Unbequeme landeten auf dem Hohenasperg. Am 30. Dezember 1805 wurde die Landesverfassung unter Verhöhnung uralter verbriefter Rechte vom -mittlerweile - Kurfürsten aufgehoben. Da trotz allem der neue Kurfürst, allmächtig wie er sich dünkte, nach der Pfeife des Franzosenkaisers tanzen mußte, beantwortete er diese Erniedrigung mit Terror gegenüber seinem Volk. 1802 hatte Friedrich von Bonaparte neun Reichsstädte für die linksrheinischen Gebiete erhalten, die er abgetreten hatte. Das hinderte Napoleon nicht, von einem Gefolgsmann bei Friedrich anklopfen und insgesamt acht Millionen Francs als angeblich alte Kontributionsschulden kassieren zu lassen. Eines Tages, in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 1805, erschien Napoleon persönlich in Ludwigsburg. Ein Allianz-Vertrag sollte ausgehandelt werden. Friedrich will wohl neutral bleiben, aber der Kaiser erlaubt dies nicht, er winkt für Unterwürfigkeit mit der Königskrone, für einen "Speichellecker" ein verlockendes Angebot. Am Neujahrstag 1806 verkündet ein Adjutant des kleinen-großen Franzosen, daß der dicke Friedrich nun zur königlichen Majestät aufgestiegen sei. Nach Napoleons Sieg über Österreich wurde der Rheinbund gegründet und keiner konnte sich dagegen wehren, denn "gegen einen Napoleon gab es keine Rechtsinstanz", schreibt Missenharter. Die alten Reichsritter, souverän einst, mußten fortan dem "großen König von Schwaben" ihre Untertänigkeit erweisen. Doch allzu sehr hielten sie sich nicht daran. Unterwürfig waren vor allem die ausländischen Gefolgsleute des Königs, Schwaben waren nicht dabei. Diesem "aufgeblasenen Gewaltkerl, der doch nur eine Schachfigur in der Hand eines Emporkömmlings war, wollten sie sich nicht liebedienerisch nähern", so Missenharter. Da Friedrich dies bemerkte, ließ er Polizeispitzel einsetzen. Die Untertanen sprachen daraufhin nur noch in Hinterzimmern offen über das, was ihnen an der Politik mißfiel. Als Napoleon 1812 gegen Moskau zog, waren 15 800 Schwaben dabei. Mißerfolge hin oder her, König Friedrich wollte nur von Siegen hören. Auch als ihm gemeldet wurde, daß höchstens noch 2000 nach dem langen Winter am Leben seien. Er verbot, solche Äußerungen zu tun. Am Ende des Rußlandfeldzugs waren gar nur 134 Mann noch am Leben, wie Friedrich Napoleon vorhielt, als dieser ihm seine Niederlage eingestand. Doch erst 1813, nach der Völkerschlacht von Leipzig, machte Friedrich sich von Bonaparte frei. Daß der König die Verfassung außer Kraft gesetzt hatte, nahmen ihm viele übel. Unter den Aufbegehrern war auch Ludwig Uhland. Im Herbst 1815 übergab eine Abordnung der Bürgerschaft dem König eine Adresse, worin die Gedemütigten ihre alten Rechte forderten. Verfasser war der schwäbische Dichter. Doch dies brachte den Vertretern der Landstände nur eine "harte Rüge" seiner Majestät ein. Als den Hochwohlgeborenen einmal wieder die Jagdleidenschaft packte, er wieder einmal gehetzte Tiere abschlachten wollte - nichts als ein Massenabschlachten waren nach Missenharter seine Dianenausflüge -, raffte ihn schon in der Nacht zuvor am 30. Oktober 1816, ein Schnupfen plötzlich dahin. Die Bauern, Vorbereiter des Tiergemetzels, waren froh darüber. In Bissingen ist eine Querstraße zu Kant- und Bahnhofstraße nach ihm benannt. Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 26. Mai 1984 |
|
Zum Namenbuch:
Zur Straßenübersicht:
und hier zurück zu meiner Homepage.