Bietigheim-Bissingen 2007
"anno MMVII"


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FLÖSSERSTRASSE

Die Straße wurde benannt am 21. 01. 1975.
Vorher: Holzgartenstraße. Zur Sache und zur Diskussion der Namengebung s. Seite Holzgartenstraße.

Namengebend: die frühere Langholzflößerei auf der Enz

Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"),
23. März 1985

Ein Schimpfname fürs Fest

Die Flößerstraße in Bissingen

(rh). In Bissingen wird alle vier Jahre, das nächste Mal wieder 1987, das Holzklobenfest gefeiert. Holzkloben war früher ein Schimpfwort für die Flößer, die das Holz aus dem Schwarzwald nach Bissingen und Bietigheim bugsierten. So hat also dieser "Onama" einem Fest den Namen gegeben, was aber die Bissinger nicht stört, denn wo gefeiert wird, spielen Namen keine Rolle.

Für die Bissinger war die Flößerei einst eine willkommene Einnahmequelle. Auch für das Land Württemberg, denn in der Blütezeit der Langholzflößerei im Jahre 1787 brachten die langen Schwarzwaldstämme 280 000 Gulden im Jahr. Der staatliche Holzhandel blühte. Bis nach Holland, wo das Holz zum Schiffsbau verwendet wurde, wurden die Stämme geliefert.

Die Flößerei bestand offiziell seit 1325. Damals wurde zwischen Württemberg und Baden ein Vertrag geschlossen, in dem Bietigheim als Endpunkt genannt war. "Man flößt auf der Enz Pfähl, Latten, Tylen (Dielen) und Bauholtz", heißt es in einer Beschreibung aus dem Jahre 1610. Umsonst durfte auf der Enz nicht geflößt werden. Zwei "Tylen" Wasserzoll mußten pro 100 Dielen Fracht in Bietigheim entrichtet werden.

Früher gab es einen Floßkanal, der bei der Rommel-Mühle in die Enz mündete, heute aber zum größten Teil zugeschüttet ist. Dieser Kanal wurde allerdings erst 1744 gebaut. Und nach seiner Fertigstellung begann man ab 1747 mit der Scheiterholzflößerei. Die wurde bis 1865 betrieben. In einem Holzgarten in Enzklösterle bei Freudenstadt wurde das Holz gesammelt und auf die "Reise" geschickt. An Gattern, die in die Enz eingelassen waren, sammelte man an den Holzgärten in Dürrmenz, Vaihingen, Bissingen, Bietigheim und Besigheim die Scheite und zog sie mit dem Haken an Land.

In Bissingen wurde das Treibgut vor dem Kanal aufgestaut und in den Kanal umgeleitet. 1750 war dort der Holzgarten angelegt worden. War das Jahresquantum von 8000 Klaftern erreicht, wurde das Holz durch den Kanal wieder in die Enz geleitet und unterhalb des Bietigheimer Viadukts beim Holzgarten an Land gezogen.

Was in Bissingen in dem neuneinhalb Morgen großen Holzgarten gesammelt und gestapelt wurde, fand nur teilweise am Ort seine Abnehmer. 1775 wurde die Holzstraße nach Ludwigsburg gebaut, damit die Scheite leichter dorthin transportiert werden konnten. Als dann die Eisenbahn durch die Lande dampfte, wurde Tamm Holzstation. Dort wurden die Scheite auf Waggons verladen und nach Ludwigsburg und Stuttgart geliefert.

Der Holzgarten wurde von einem Beamten des Herzogs, dem Holzfaktor, verwaltet und beaufsichtigt. Dieser Beamte hatte einen Holzmesser als Gehilfen. Die Wohnung des Holzfaktors war in der früheren Gaststätte "Adler", wo auch die Flößerherberge und die Verwaltung des Holzgartens untergebracht war.

Kräftige Männer brauchte es schon für die schwere Arbeit der Flößer. Von Ostern bis Martini war Saison. Die schwerste Aufgabe auf den bis zu 280 Meter langen und drei bis vier Meter breiten Floßzügen hatten die Rudergänger am Ende der schwer zu steuernden Stammgebinde. Seine Helfer sorgten mit Wasserstangen dafür, daß sich das Floß nicht aufstaute.

In Württemberg bestand die Langholzflößerei bis zum 1. Februar 1913. Schon 1902 war die Flößerei von Calmbach abwärts eingestellt worden.

Und wenn auch die meisten Floße an Bissingen vorbei nach Bietigheim trieben, hat man in Bissingen eine Straße, wo früher der Floßkanal verlief, nach dieser alten Transportmethode und den Männern in ihren bis an die Hüften reichenden Wasserstiefeln, mit den Schlapphüten auf dem Kopf, benannt.

Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 23. März 1985

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