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Bietigheim-Bissingen 2007 |
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BAHNHOFSTRASSE |
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Namengebend: der Bahnhof von Bietigheim-Bissingen. Anfang hieß Furchengasse; Ende hieß "Bissinger Straße" bis 17.12.74; Bietigheimer Bahnhofstraße: jetzt Stuttgarter Straße. |
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Bahnhof von Bietigheim-Bissingen, erbaut 1846 |
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Knotenpunkt für den Bahnverkehr
Die Bahnhofstraße in Bissingen
(rh). Mit ihnen war es früher wie heute mit neuen Straßen: als Gleise für die neue Eisenbahn in den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts gebaut werden sollten, erhoben sich Proteste in der Bevölkerung. Es ging schon damals um Landverbrauch, doch unter anderen Vorzeichen. Hermann Roemer notierte in "Geschichte der Stadt Bietigheim" eine Erklärung der Stadt zum Bau der Nordbahn, die 1845 nach Heilbronn geschickt wurde. Darin meinen Bürgervertreter, daß sie "in der Errichtung der projektierten Nordbahn keine Vorteile für die Stadt finden, welche die damit für die Markung verbundenen Nachteile aufwiegen würden, da die hiesigen Güterparzellen durch eine Bahn zerstückelt würden". Heute geht es um den Schutz der Natur, früher um wirtschaftliche Interessen. Der Bahnhof wurde 1846 doch gebaut. König Wilhelm wollte es so. Im Herbst 1847 wurde die Strecke Ludwigsburg - Bietigheim eröffnet, am 25. Juli 1848 die Strecke Bietigheim - Heilbronn. Eine Westbahn sollte in Bietigheim Richtung Mühlacker und ins Badische abzweigen, doch ihr Bau wurde verzögert. Als aber 1853 das Viadukt fertig war, fuhren die ersten Züge in Richtung Pforzheim. Der Bahnhof lag weit ab von Bietigheim in 220 Meter Höhe. Den Bau auf dem Lettenbodensandstein zu errichten, war äußerst schwierig. Eine drei Meter dicke Schicht mit Enzgeröll mußte abgetragen werden. Trotz seiner Höhenlage war ein Blick auf Bietigheim nicht möglich. Auf Bissingen hin schon, doch der Ort hatte wenig Interesse an dem Bahnhof. Dieser lag ja auch auf Bietigheimer Markung. Erst in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts siedelte sich in Bahnhofsnähe Industrie an. So baute Friedrich Elbe eine Werkstatt für seine Steinschleiffirma. Später kam Ferdinand Frey mit einer Glasbiegerei hinzu. Auf Bissinger Seite dauerte es noch wesentlich länger, bis in die Nähe des Bahnhofs gebaut wurde. In beiden heutigen Stadtteilen gab es aber bald eine Bahnhofstraße. In Bietigheim wurde 1866 ein Stadtbauplan für den Bereich Innere Bahnhofstraße bis Bahndurchlaß beim Bahnhof aufgestellt. Schon bald gab es die Gartenwirtschaft "Felsenkeller", die zu einem beliebten Ausflugslokal für die Bietigheimer wurde. 1884 wurde auf dem Muschelkalkfelsen gegenüber der Wirtschaft die katholische Kirche gebaut. Inzwischen waren schon einige Häuser in diesem Bereich gebaut worden. Der Bahnverkehr erweiterte sich ständig. 1879 wurde die Verbindung zwischen Mühlacker und Backnang in Betrieb genommen, sie führte durch das Wobachtal nach Geisingen. Bis 1882 existierte in der Ludwigsburger Straße ein bahngleicher Übergang, in diesem Jahr wurde eine Unterführung fertiggestellt. Eine große Erweiterung des Bahnhofsgeländes gab es 1887. Die Anlage wurde von 458 auf 1630 Meter verlängert und von 113,5 auf 170 Meter verbreitert. Ein zweites Verwaltungsgebäude wurde erstellt, es kamen ein Wartesaal und ein Restaurationsbetrieb hinzu. 1893 wurde das zweite Gleis nach Heilbronn in Betrieb genommen. Großen Aufschwung bekam der Personenverkehr durch die gewaltige wirtschaftliche Entwicklung, die die DLW in den letzten beiden Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts nahm. Wohl auch aus diesem Grund wurde 1908 die zentrale Abfertigung aller Güter aus Württemberg von Mühlacker nach Bietigheim verlegt. Bis zum Zweiten Weltkrieg ging dieser Aufschwung weiter. 1940 wurde ein drittes Gleis zum Verschiebebahnhof nach Kornwestheim gebaut. Im Krieg mußte der Bahnhof viel Arbeit aus Stuttgart übernehmen, da der Hauptbahnhof dort stark beschädigt wurde. Dem Bietigheimer Bahnhof geschah nichts bis zum 9. November 1944, als 14 Bomben auf das Bahnhofsgelände fielen, wobei das Bahnhofspostamt zerstört wurde. Ein Angriff im Februar 1945 mißglückte. Am 27. Juli 1961 wurde ein neues Bahnhofsgebäude in Betrieb genommen. Das, alte, eine Insel zwischen den Gleisen, hatte über 100 Jahre gestanden. Seither gab es einige Veränderungen. Die Bahnsteige wurden modernisiert. Gleisbauten wurden vorgenommen, um die Geschwindigkeit im Bahnhofsbereich von 40 auf 80 Stundenkilometer erhöhen zu können. 1978 ging das neue Stellwerk mit Drucktastenrelaisspurplan (ein tolles Wort) in Betrieb. Es löste zwei Stellwerke in Bietigheim und zwei Stellwerke in Tamm ab, die jetzt aus der Ferne bedient werden. 490 000 Fahrkarten, davon 100 000 an den Schaltern, der Rest an den Automaten, wurden 1982 verkauft. 300 000 Tonnen Güter wurden 1984 an dem Knotenpunkt, von dem aus Sachsenheim, Besigheim und Tamm bedient werden, abgefertigt. Die frühere Bahnhofstraße in Bietigheim heißt heute Stuttgarter Straße. - In Bissingen hat sie ihren Namen beibehalten und erinnert an die Geschichte der Bahn in Bietigheim. Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 17. Mai 1986 |
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