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Bietigheim-Bissingen 2007 |
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MELANCHTHONSTRASSE |
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Die Straße wurde benannt am 22. 01. 1970. |
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"Philipp
Melanchthon, eigentlich Philipp Schwartzerdt (* 16. Februar 1497
in Bretten; † 19. April 1560 in Wittenberg), war ein Philologe, Philosoph,
Humanist, Theologe, Lehrbuchautor, neulateinischer Dichter und wurde als
„Praeceptor Germaniae“ (Lehrer Deutschlands) bekannt." (Quelle: Wikipedia) |
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Säen und Begießen mit Lust
Die Melanchthonstraße in Bissingen
(rh). "Unter allen Mitarbeitern am Werk der Kirchen- und Schulenreform des 16. Jahrhunderts ist er der Bedeutendste und Verdienteste". So beginnt das Urteil über Philipp Schwarzert, der als Melanchthon in die Geschichte einging, in der "Allgemeinen deutschen Biographie". Martin Luther sagte über ihn: "Magister Philippus fährt säuberlich stille daher, sät und begießt mit Lust, nachdem ihm Gott gegeben seine Gaben reichlich". Worte über einen bescheidenen Mann, der sich der Reformation, aber auch der Pädagogik verschrieben hatte und strenger Humanist im Geiste seines Großonkels Johannes Reuchlin war. Philipp Schwarzert wurde am 16. Februar 1497 in Bretten geboren. Sein Vater war der Rüstmeister Georg Schwarzert aus Heidelberg, seine Mutter die Bürgermeisterstocher Barbara Reuter, deren Mutter die Schwester Johannes Reuchlins war. Schon früh entdeckten Eltern und Verwandte, daß Philipp hochbegabt war, für ein Wunderkind hielten sie ihn aber nicht. Philipps Vater konnte es sich bei der Partie, die er im späten Heiratsalter von 40 Jahren gemacht hatte, leisten, Hauslehrer einzustellen. Doch der Rüstmeister mußte allzu oft in den Krieg und handelte sich dabei mehrere Krankheiten ein, die zu einem frühen Tod führten. Philipp war gerade elf Jahre alt, als der Vater starb. Deshalb verbrachte er das nächste Jahr in Pforzheim bei der Großmutter, wohin die Mutter mit ihren fünf Sprößlingen nach dem Tod des Mannes und des eigenen Vaters gezogen war. Der Hauslehrer muß besondere Qualitäten gehabt haben. Er brachte es fertig, daß Philipp sehr schnell Latein und anschließend auch die Grundbegriffe des Griechischen lernte und mit zwölf Jahren schon die Universität Heidelberg besuchte, wo er sein Abitur machte. Die weitere Ausbildung überwachte Großonkel Reuchlin. Er holte den Jungen nach Tübingen, wo er ihn im September 1512 empfing. Reuchlin leitete Philipp in sehr persönlicher Weise ins Studium der alten Griechen ein. Auch im Hebräischen machte Philipp so große Fortschritte, daß er an seinem späteren Wirkungsort, der Universität in Wittenberg, solange Hebräisch-Vorlesungen erteilte, bis wieder ein Professor für den Lehrstuhl gefunden war. Reuchlin war Ersatzvater für Philipp, denn, so bewerten seine Biographen , er war sehr anlehnungsbedürftig. Der frühe Tod des Vaters hatte ihm sehr zugesetzt und sein späteres Leben beeinflußt. Die Studien gingen schnell voran. Im Januar 1514 legte der 17jährige seine Magisterprüfung ab. Anschließend begab er sich vier Jahre in das für ihn harte Geschäft des Lehrmeisters an der Tübinger Burse. Verdruß zog auf, Selbstzweifel beschleichen den jungen Gelehrten. Ein Freund schrieb über den Jüngling: "Schwankend und unausgeglichen stellt sich das Charakterbild des jungen Melanchthon dar. Natürlich ist vieles rein psychologisch aus den Entwicklungsjahren zu erklären: Ein strebsamer Jüngling, der sich hohe Ziele gesteckt und um seiner Herkunft willen früh und leicht Anerkennung gefunden hat und der nun sieht, daß ein anderer das Ziel eher erreicht als er selbst." Über die Universität Tübingen verliert der so Charakterisierte wenig gute Worte. Im Vorwort zu einer griechischen Grammatik, die im Mai 1518 erschien, heißt es: "Die Studien, die Verstand und Sitte bilden sollen, sind vernachlässigt, von umfassendem Wissen ist nichts vorhanden, was man Philosophie nennt, ist leerer, unfruchtbarer Trug, der nur Zank gebiert. Die wahre Weisheit, die vom Himmel kam, um der Menschen Sinne zu lenken,. ist verbannt". Die Konsequenz konnte für den "im Jammertal" dahinvegetierenden Gelehrten nur sein, eine andere Lehrmeisterstelle anzunehmen. Für die hatte sein Großonkel Reuchlin gesorgt, denn schon im März 1518 hatte er den Wittenbergern empfohlen, seinen 21jährigen Großneffen als Griechisch-Lehrer einzustellen, "denn ich weiß unter den Teutschen keinen, der über ihm sei". Die Antrittsvorlesung in der neuen sächsischen Heimat, die er bis zu seinem Lebensende nur noch für kurze Reisen verlassen sollte, hielt Melanchthon - so benannt, da Reuchlin seinen Namen als schwarze Erde deutete und so in Melanchthon übersetzte - am Sonntag, dem 29. August 1518. Viel Beifall brandete auf. Professoren, Studenten und Luther waren begeistert von dem Mann, den sie anfangs für zu schmächtig gehalten hatten. Doch Melanchthon rief zum Kampf gegen die überlebte Scholastik auf, gegen alte, engstirnige Schulweisheiten auf. In seinem Haus richtete er später eine Hausschule ein, wo er neue pädagogische Methoden anwandte, die später auch an größeren Universitäten praktiziert wurden. Melanchthon setzte sich in seiner Wittenberger Zeit immer für Luther ein, wenngleich er nicht in allem mit ihm übereinstimmte, auch nicht dessen Kämpfernatur besaß, die Luther oft streiten ließ. Melanchthon blieb der Humanist unter den Reformatoren und der große Lehrer, der, nach dem Bild Luthers "vom Säen und Begießen", unermüdlich daran arbeitete, einen tüchtigen Pfarrstand heranzubilden. Als Luther tot war, sollte Melanchthon nach dem Willen der Theologen in dessen Rolle schlüpfen, was jedoch nicht gelang. In den letzten Jahren verbitterte der Gelehrte wegen des Streits, der sich um ihn herum in theologischen Fragen ausgeweitet hatte. Als Melanchthon im Sommer 1557 eine Reise nach Worms zu einem Religionsgespräch unternahm, erfuhr er bei einem Abstecher nach Heidelberg von seinem Bruder Georg, seine Frau sei gestorben. Mit ihr hatte er vier Kinder gehabt. Der lebensmüde Mann meinte: "Leb wohl, bald folge ich dir nach". Melanchthon starb am 19. August 1560 und wurde neben Luther in der Schloßkirche zu Wittenberg beigesetzt. In Bissingen ist eine Querstraße zur Martin-Luther-Straße nach Melanchthon benannt. Bietigheimer Zeitung, Kolumne
"Straßennamen" ("rh"), 27. Juli 1985 |
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