Bietigheim-Bissingen 2007
"anno MMVII"


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MAYBACHSTRASSE

Die Straße wurde benannt am 4. 08. 1958.

 "August Wilhelm Maybach (* 9. Februar 1846 in Heilbronn; † 29. Dezember 1929 in Stuttgart-Cannstatt) war ein deutscher Autokonstrukteur und Unternehmer." (Quelle: Wikipedia)


Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 
10. März 1984

Kein Waisenknabe im Motorenbau

Die Maybachstraße in Bissingen

(rh). Als Waisenknabe kam er in die Lehre, doch dort entwickelte sich der gebürtige Löwensteiner mit Hilfe Gottlieb Daimlers zu einem genialen Motorenkonstrukteur. Wilhelm Maybach wurde die Hilfe des Bruderhauses Reutlingen, einer Einrichtung von "Vater" Gustav Werner, zuteil.

Als Zehnjähriger kam der am 9. Februar 1846 geborene Knabe in diese Anstalt, da sein Vater, ein geschickter Schreinermeister in Löwenstein, und seine Mutter kurz hintereinander gestorben waren. In seiner neuen Heimat stellte sich der junge Wilhelm recht geschickt an. Er tat alles, was er in seinem Alter bereits tun konnte, Stricken und Häkeln inbegriffen. Als er 15 war, kam er in die Lehre. Zuerst sollte er Bäcker werden, doch sein Hang zu Maschinen war stärker. Darüber hinaus konnte er sehr schön zeichnen, weshalb ihn seine Erzieher in das technische Büro der Maschinenfabrik "Zum Bruderhaus" steckten. Fleißig wie er war, besuchte er abends die Fortbildungsschule und lernte aus der Physik, was er nur finden konnte. Um seine Mathematikkenntnisse zu steigern, nahm er noch Privatstunden an der Oberrealschule.

Die erste schwere Enttäuschung blieb nicht aus. Seine erste Werkstattskizze, die er in penibler Feinarbeit angefertigt hatte, wurde nie beachtet. Und dies, obwohl er bereits eine Vergolderpresse mit einer Petroleumheizung für die Buchbinder konstruiert und technische Anregungen und Vorschläge gemacht hatte, wo er nur konnte. Im September 1864 benützte er seine Skizzen dann als Schmierpapier. Doch die Zeiten änderten sich.

Im Sommer 1865 übernahm der 31jährige Konstrukteur und Motorenbauer Gottlieb Daimler die Leitung der am Rande des Konkurses stehenden Maschinenfabrik. Er erkannte recht bald die ungewöhnlichen Fähigkeiten des jungen Maybach und weihte den Waisenknaben in sein neues Arbeitssystem ein, das er in England kennengelernt hatte, die Arbeitsteilung. Deren Vorteil bestand für Daimler darin, daß ein Mechaniker sich nur noch mit einem Detail einer Maschine zu beschäftigen hatte und dies, so zeigten damals Untersuchungen im industriell fortgeschrittenen England, genauer machte, als wenn er alle Teile der Maschine zu fertigen hatte.

Nicht nur dieses System lernte Wilhelm Maybach kennen, sondern auch Daimlers Pläne für einen Motor, der nicht mehr aus Gas, sondern aus Benzin seine Kraft holte. Fortan sollte die Konstruktion dieser Benzinmotoren die Lebensaufgabe Maybachs werden. Da Daimler in dem 25jährigen den richtigen Mann für sein Projekt gefunden hatte, bot er ihm das Du an und nahm ihn 1869 mit zur Maschinenbaugesellschaft Karlsruhe und drei Jahre später zur Gasmotorenfabrik Deutz bei Köln, wo beide zehn Jahre blieben. 1879 wurde in dem heutigen Kölner Vorort Maybachs Sohn Karl geboren.

Im Sommer 1882 folgte Maybach seinem Mentor nach Cannstatt in Daimlers eigene Werkstatt am Sulzer Rain nach. Der Erfinder des "Mercedes" war es leid, seine besten Jahre im Dienste anderer Unternehmen zu vergeuden. In Cannstatt wurde gemeinsam gerackert und getüftelt. Allein die Frage nach dem besten Kraftstoff und Benzin-Luftgemisch machte eine Reihe von Versuchen notwendig. Die Erfindung, in Tag- und Nachtarbeit ausprobiert, funktionierte. Am 15. August 1883, als der 900 Umdrehungen in der Minute leistende Benzinmotor der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, begann sein Siegeszug durch die Welt. Im Herbst 1885 trieben die "ausgefallenen Ideen eines spinneten Teufels", wie Adolf Reitz in "Werke und Köpfe" die ablehnende Haltung der Menge zitiert, die erste Motorkutsche der Welt an.

Da kein größeres Unternehmen den neuen Motor wollte, blieb Daimler selbständig und Wilhelm Maybach wurde im Alter von 50 Jahren technischer Leiter und Chefkonstrukteur der Daimler-Motorengesellschaft. Am Bau des ersten "Mercedes" hatte er wesentlichen Anteil.

1907 trat Maybach in den Ruhestand, doch nicht, um Däumchen zu drehen. Der Motorenbauer nutzte seine Beziehungen zum Luftschiffpionier Graf Zeppelin, durch den er auch die Luftschifffahrt kennengelernt hatte. Er bot ihm einen Sechszylinder-Motor seines Sohnes Karl an, mit höherer Leistung als die vorherigen Motoren und mit brandsicherem Vergaser. Der fliegende Graf nahm nicht nur die Idee auf, sondern gründete am 23. März 1909 mit den Maybachs und dem Bissinger Maschinenbauer Gottlieb Grotz zusammen die Luftfahrzeug-Motorenbau GmbH Bissingen. Bereits im Dezember 1909 wurde der erste Motor an Zeppelin geliefert. Über drei Jahre hinweg wurden in Bissingen sämtliche Luftschiff-Motoren gebaut, doch das Werk wurde zu klein. Die Maybachs bauten deshalb, ohne den heimatverbundenen Grotz, im Jahre 1912 in Friedrichshafen ein eigenes Werk auf. Dort wurde der Zwölfzylinder-Maybachmotor gebaut, dem das Luftschiff "Graf Zeppelin" seine Weltumkreisung in den 20er Jahren zu verdanken hat.

Wilhelm Maybach, der "König der Konstrukteure", wie ihn laut Adolf Reitz französische Kollegen bezeichnet hatten, starb am 29. Dezember 1929 in Stuttgart. Bissingen hat einer Querstraße zur Bahnhofstraße seinen Namen gegeben.

Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 10. März 1984

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