Bietigheim-Bissingen 2007
"anno MMVII"


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MAX-EYTH-STRASSE

Die Straße wurde benannt am 12. 01. 1954.

Die neu angelegte Straße parallel zum Ende der Bahnhofstraße wurde am 18. März 1933 Adolf-Hitler-Straße benannt, am 9.7.45 in Max-von-Eyth-Straße umbenannt und am 12.1.54 der Bahnhofstraße zugeschlagen: Der Name ist dann gewandert!

 "Max (von) Eyth, ursprünglich Eduard Friedrich Maximilian Eyth (* 6. Mai 1836 in Kirchheim unter Teck; geadelt 1896; † 25. August 1906 in Ulm) war ein deutscher Ingenieur und Schriftsteller." (Quelle: Wikipedia)


Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 5. November 1983

Poet, Ingenieur und Weltreisender

Die Max-Eyth-Straße in Bissingen

(rh). Einen Weltreisenden haben sich die Bissinger ausgesucht, einer Straße von der Bahnhofstraße hoch zur Realschule seinen Namen zu geben. Max Eyth war wohl nie in Bissingen zu Gast, doch ein berühmter Schwabe unter den Technikern des letzten Jahrhunderts ist er geworden, und vielleicht zollte ihm Bissingen deshalb die Ehre. Sein dichterisches und schriftstellerisches Werk, die Wanderbücher eines Erfinders und Ingenieurs, werden auch an der Enz im letzten Jahrhundert bekannt gewesen sein, erst recht sein letzter Roman über einen seiner Vorgänger als Erfinder, der tragisch endete, "Der Schneider von Ulm". Dieses Werk entstand allerdings im Jahre 1905.

Geboren wurde Max Eyth am 6. Mai 1836 in Kirchheim/Teck. Seine Kindheit und frühe Jugend verbrachte er in Schöntal/Jagst, wo sein Vater Professor am Evangelisch-theologischen Seminar wurde. Früh stellte sich ein Hang zum Basteln und Zeichnen heraus und ein Interesse an allen technischen Dingen. Gegen die humanistische höhere Schule hatte der Sprößling eine Abneigung. Sein Vater legte ihm keine Hindernisse in den Weg und ließ ihn 1852 aufs Polytechnikum nach Stuttgart gehen, wo seine Fähigkeiten stark entwickelt wurden. Beim Abschluß 1856 erzielte er erste Preise in Mathematik und Maschinenzeichnen.

Danach wird es schwer für den jungen Mann, denn er muß seine Brötchen als Arbeiter verdienen. Doch er dient sich hoch und zeigt seine Begabung. An seinem 25. Geburtstag siedelt er nach England über, wo er im September 1861 bei dem Fabrikanten John Fowler anfängt, der in Leeds neuartige Dampfpflüge herstellte. Schon 1862 vertrat Max Eyth das Unternehmen auf der großen Industrieausstellung in London.

Noch während der Schlußtage der Messe steht Eyths neue Aufgabe fest. Er soll für Fowler nach Ägypten und Indien gehen, wo Dampfpflüge nicht richtig funktionieren. Doch schon Prinz Halim Pascha, ein Mitglied des regierenden Hauses in Ägypten mit Pariser Bildung und großen agrarischen Plänen, hält den jungen Ingenieur zurück. Mit Einwilligung Fowlers tritt Eyth im April 1863 in die Dienste des Prinzen. Nach zwei Jahren, als dem Pascha das Geld ausging, hatte sein Ingenieur bereits 27 statt eines Dampfpflugs und daneben weitere 150 Dampfmaschinen, vor allem für die Pumpen zur Bewässerung der Ländereien, in Betrieb. Auch hier zeigte Max Eyth seine Erfindergaben und konstruierte eine transportable Kreiselpumpe, einen Baumwollfurchenpflug und eine -sämaschine.

Nach seiner Ägyptenzeit ging er wieder zu Fowler, wo er hochwillkommen war. Noch eineinhalb Jahrzehnte stellte er sich in den Dienst der mittlerweile groß gewordenen Firma, vor allem als Außenvertreter in aller Welt, was Max Eyths Neigungen sehr nahe kam. Neben den Dampfpflügen beschäftigte er sich mit der Schleppschiffahrt, einer belgischen Erfindung, wobei Schiffe von Seilwinden an im Wasser verlegten Drahtseilen entlanggezogen werden. Eyth lernt Amerika kennen, auch die Südstaaten, wo der Bürgerkrieg ein Elend hinterlassen hatte. Während seiner Arbeit in England ist er die halbe Zeit im Ausland: "Man hatte ihn zwischen San Franzisko und Suez, zwischen Nischni-Nowgorod und Panama zu suchen", schrieb er über sich selbst.

Am 7. Mai 1882 teilte er seinen Eltern mit, er habe bei Fowler gekündigt. Nachlässigkeiten in dessen Betrieb führten zu dem Entschluß. In Deutschland versuchte er daraufhin von Bonn aus, eine Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft nach englischem Vorbild zu gründen. Am 11. Dezember 1885 konnte die Gründungsversammlung mit 2500 Mitgliedern in Berlin gefeiert werden. Bis 1896, dem Jahr seines Ausscheidens als geschäftsführender Direktor der angesehensten Gesellschaft von Landwirten in Deutschland, wuchs die Zahl der Mitglieder auf 11000, das Vermögen auf 800 000 Mark.

Seinen Lebensabend verbrachte der Ingenieur als Poet und Schriftsteller in Ulm. Schon sein Vater hatte 1876, 1879 und 1884 drei Bände seiner Wanderbücher veröffentlicht. Max Eyth brachte noch mehrere zusammen, darunter auch Gedichte mit den zwölf "Lieder am Schraubstock", und die 17 Gedichte "Feilspähne". Er verfaßte mehrere philosophisch inspirierte Texte über die Technik in seiner Zeit. Nach seinem Tode am 6. August 1906 wurde aus 80 000 Mark seiner Mittel die Max-Eyth-Stiftung gegründet, deren Erträge Hinterbliebenen von am Arbeitsplatz Verunglückten zugute kommen sollten.

Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 5. November 1983

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