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Bietigheim-Bissingen 2007 |
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KARLSTRASSE |
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Die Straße wurde benannt am 7. 12. 53. Vorher: Ringstraße |
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"Karl Eugen, häufiger Carl Eugen (* 11. Februar 1728 in Brüssel; † 24. Oktober 1793 in Hohenheim) war von 1737 bis 1793 der zwölfte Herzog von Württemberg." (Quelle: Wikipedia) |
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![]() Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 28. April 1984 Der grausame VerschwenderDie Karlstraße in Bissingen(rh). Schlösser hat er viele bauen lassen, die "eine Seiner fürstlichen Dignität konvenable Wohnung" boten, die Solitude, das in Hohenheim und am Monrepos. So hat Herzog Karl Eugen von Württemberg es auch von den Stuttgartern verlangt, als er dort 16jährig am 10. März 1744 seinen feierlichen Einzug als Herzog hielt. Erzogen wurde der am 11. Februar 1728 in Brüssel geborene Sohn einer verschwenderischen und genußsüchtigen Prinzessin von Thurn und Taxis, die ihn maßlos verwöhnte, am Hofe des Preußen-Königs Friedrich II. Auf Betreiben Friedrichs wurde der junge Mann als 16jähriger vom Kaiser für mündig und regierungsfähig erklärt, eine Tat, die der Alte Fritz wenige Jahre später sehr bereute. Friedrich hatte dem jungen Herzog in den "Fürstenspiegel" geschrieben, er solle nicht glauben, das Land Württemberg sei für ihn geschaffen worden, sondern es sei so, "daß die Vorsehung ihn habe auf die Welt kommen lassen, damit er dieses Volk glücklich mache", schreibt Hermann Missenharter in "Herzöge, Bürger, Könige". Wie sich Karl allerdings austobte, damit machte er sein Volk zunächst einmal kreuzunglücklich und den Preußenkönig schaudern. Obwohl das Land durch den Bau des Prunkschlosses in Ludwigsburg noch stark verschuldet war, wollte Karl als "konvenable Wohnung nach dem neueren Gout der Architektur" auch in Stuttgart ein Schloß. Die Landstände erhoben Einwände, aber das interessierte den Herzog nicht. Schließlich einigte man sich auf einen Neubau, der nicht mehr als 600 000 Gulden kosten sollte. Ein Sechstel des gesamten Steueraufkommens im Land sollte alljährlich in den Bau fließen. Das neue Schloß wurde nach den Plänen des Italieners Leopold Retti und später des Franzosen La Guêpière gebaut. Bei der Grundsteinlegung am 3. September 1746 verpflichtete sich der Herzog nochmals feierlich, daß "Sitz des Hofs und der Regierung für beständig in Stuttgart bleiben und gehalten werden" <sic!>. Im herzöglichen Württemberg wurden viele rauschende Feste, gefeiert, das rauschendste war die Hochzeit des 20jährigen Karl mit seiner 16jährigen Prinzessin Friedericke von Brandenburg-Bayreuth im Oktober 1748. Es war keine Liebesheirat, sondern eine politische Überlegung. In Bayreuth dauerten die Feierlichkeiten zwei Wochen, in Ludwigsburg später noch einmal eine Woche.' Die mit Brillanten verzierte Staatskarosse kostete allein 24 000 Gulden. Zum Festbankett wurden 64 verschiedene Speisen und 28 Schalen serviert, während der Konfekt gleich einem Wasserfall aus einer etwa vier Meter hohen Maschine niederstürzte. Nach dem Einzug in Stuttgart, das festlich geschmückt war, gab es drei Tage später ein Volksfest. Nach einem Bericht des preußischen Gesandten soll der Herzog seine kleine Friederike in den ersten Ehejahren "verrückt geliebt" haben, doch bald zogen dunkle Wolken am Ehehimmel auf. Der junge Herzog nahm es mit der Treue nicht mehr so genau. Die Gattin wurde immer hochnäsiger und sagte einmal zu blumenwerfenden Wengertersmädchen: "Was will das Geschmeiß!" Die Freundin der Herzogin, die Hofsängerin Marianne Pirker, mußte ihre Zuträgerdienste für die eifersüchtige Friedericke bitter büßen. Karl zeigte, wie grausam er sein konnte, ließ sie im Zimmer der Herzogin samt ihrem Ehemann und dem Friseur verhaften und auf den Hohentwiel bringen. Acht Jahre blieben sie ohne Verhör, erst dort, dann auf dem Hohenasperg. Die Sängerin wurde wahnsinnig. Auch den Dichter Schubart traf unter Karl ein ähnliches Los. Nach dem Verlust ihrer Freundin kam es 1756 doch zur Trennung, und Friederike zog es nach Hause. Der Herzog sah darin ein Unglück. Unselbständig und leicht verführbar, wie er war, geriet er bald in den Bann des Grafen Montmartin, der den jungen Souverän vollends größenwahnsinnig machte. "Stuttgart war damals der Sitz des Vergnügens und der Hof der prächtigste in Deutschland", schrieb der Chronist, Prälat Pahl. Diese Hofführung mit rauschenden Festen und teuren Opernaufführungen verschlang Unsummen, und Karl mußte immer mehr Geld von den Landständen abringen. Die Stadt Stuttgart wurde erpreßt, indem der Herzog sich sein Residieren teuer bezahlen ließ. 1764 zog er trotzdem mit seinem Gefolge nach Ludwigsburg. Erst elf Jahre später übernachtete er das erstemal wieder in Stuttgart. Dafür ließ er sich teuer bezahlen. Geld kam auch von Frankreich. Karl hatte dafür 6000 Mann Infanterie in fünf Regimentern jederzeit zur Verfügung zu halten Da es in Württemberg laut Verfassung keine Aushebungen geben durfte, setzte sich Karl im Ernstfall, als Frankreich gegen den Alten Fritz in den Siebenjährigen Krieg zog, über die Verfassung hinweg und ließ über Nacht die Truppen ausheben. Dies stieß auf Widerstand, viele junge Leute desertierten wieder. Auch die Landstände hatten sich energisch gewehrt, als der Herzog das Recht brach. In den nächsten Jahren tobten ununterbrochen dramatische Kämpfe, die nicht nur ums Geld gingen, sondern auch darum, ob die Landstände sich noch auf die Verfassung von 1514 berufen durften. Der Souverän verlangte in absolutistischer Manier absoluten Gehorsam und unbeschränkte Unterwürfigkeit. Als Johann Jakob Moser untertänigst bemerkte, daß die Regenten von Gott nicht allein dazu geschaffen seien, "ihre eigene Wollust, Pracht und Vanitäten zu sichern", ließ es des Herzogs "zärtliches Fürstenherz" nicht gelten. Der 60jährige Landschaftskonsulent erlitt fünf Jahre das selbe Schicksal wie die Pirkers. Erst der energische Einspruch des Kaisers brachte Moser wieder die Freiheit. Zwischen 1763. und 1767 ließ sich der Herrscher das Lustschloß Solitude bauen. Acht Jahre später wurde die nach ihm benannte Hohe Karlsschule in Stuttgart eröffnet, wo auch Schiller zur Schule gehen mußte. Er war einfach dazu bestimmt worden. Als Herzog Karl, bereits über 40, die Gräfin Franziska von Leutrum kennenlernte, wurde sein Leben ruhiger. Fortan kümmerte er sich unter ihrem Einfluß mehr um die Angelegenheiten in den Städten seines Landes. In seinen späten Jahren erwarb sich der Herzog so doch noch Popularität. Für Franziska ließ er das Schloß Hohenheim bauen. "Karl Herzich", wie ihn das Volk bürgerlich nannte, starb am 24. Oktober 1793 in Hohenheim. In Bissingen trägt eine Querstraße zur Bahnhofstraße seinen Namen. Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 28. April 1984 |
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