Bietigheim-Bissingen 2007
"anno MMVII"


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FRIEDRICH-SILCHER-STRASSE

Die Straße wurde benannt am 09. 07. 1945

Vorher: Herbert-Norkus-Straße
Metterzimmerer "Friedrich-Silcher-Straße": jetzt Sprangerstraße

"Philipp Friedrich Silcher (auch: Friederich, * 27. Juni 1789 in Schnait im Remstal, heute zu Weinstadt; † 26. August 1860 in Tübingen) war ein deutscher Komponist, der heute hauptsächlich durch seine Lieder bekannt ist." (Quelle: Wikipedia)


Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 31. März 1984

Das Ohr am Volksmund.

Die Friedrich-Silcher-Straße in Bissingen.

(rh). In fünf Jahren ist sein 200. Geburtstag. Aus Tausenden von Kehlen werden dann Lieder von Philipp Friedrich Silcher erklingen, denn seine Weisen gehören immer noch zum Repertoire von Gesangvereinen. Heute noch sind "Muß i denn zum Städele naus", "Ich hatt' einen Kameraden" oder "Annchen von Tharau" bei Chören gute alte Hits. Auch junge Leute kennen noch diese Lieder. Darin besteht das Bleibende im Werk des Universitätsmusikdirektors und Komponisten aus Tübingen, der sein Ohr stets am Volksmund hatte.

Geboren wurde Friedrich Silcher als Sohn des Schulmeisters von Schnait bei Esslingen am 27. Juni 1789, kurz vor der Französischen Revolution. Friedrichs Vater starb schon, als der Bub noch keine sechs Jahre alt war. Johann Carl Silcher war selbst noch keine 40 Jahre alt. Er hinterließ eine 29jährige Witwe mit vier Kindern. Acht Monate später heiratete Silchers Mutter den Amtsnachfolger ihres verstorbenen Mannes, Christian Heinrich Wegmann, der ihren Kinder ein guter Pflegevater war.

Friedrich war in der Schule einer der besten Schüler und bald stand fest, daß auch er Schulmeister werden sollte. Am Michaelistag 1803 trat Friedrich seine Lehre im benachbarten Geradstetten bei Schulmeister Georg Mayerlen an. Da Mayerlen ein Musikant war, förderte er Friedrichs musikalische Begabung. Bei Vikar Beringer lernte er nebenher Zeichnen und Naturlehre und erweiterte sein Allgemeinwissen.

Durch Kreishauptmann Josef Freiherr von Berlichingen, dessen Töchter Silcher als Hauslehrer in Schorndorf unterrichtet hatte und der in Ludwigsburg Landvogt der Landvogtei an der Enz und Kreishauptmann wurde, erhielt Silcher 1809 nach vielen Stationen die Stelle eines ersten Provisors in der Residenzstadt, in der er das Zeitgeschehen besser kennenlernte. Hier erlebte der junge Lehrer die Rückkehr der Truppen, die sich aus der Katastrophe des russischen Feldzugs von 1812 noch gerettet hatten, und vernahm die Klagen der Opfer von Napoleons Machtstreben. Dort begegnete er auch dem Komponisten Karl Maria von Weber, der als Geheimschreiber des Prinzen Louis von Württemberg in der Stadt weilte.

Die wichtigste Begegnung für sein späteres Leben hatte Silcher, als er seinen Schulinspektor, Stadtpfarrer Bahnmaier, traf, der ihm wohl gesonnen war und später sein Freund wurde. Mit ihm zusammen entstanden bereits mehrere Vertonungen, darunter "Liebe, süße Lebensquelle" und "Das Fest der Mutter". Als Bahnmaier 1815 Theologieprofessor in Tübingen wurde, ging Friedrich Silcher nach Stuttgart. Dort trat er aus dem Schuldienst aus und widmete sich fortan ganz der Musik. Seine Lehrer in der Landeshauptstadt waren die Hofkapellmeister Konrad Kreutzer und der Mozart-Schüler Johann Nepomuk Hummel.

In der pulsierenden Stadt lernte Silcher einige Persönlichkeiten kennen, die für ihn von Bedeutung waren. So den Bankier Moses Benedict, dessen Sohn er unterrichtete und der ihn einmal mit in die Schweiz nahm, wo Silcher den Pädagogen Pestalozzi kennenlernte, von dem er schon einiges gehört hatte und dessen Erziehungslehren er guthieß. Auch der Pianoforte-Fabrikant Johannes Lorenz Schiedmayer gehörte zu seinen Bekannten.

"In gerechter Erwägung dessen, welche hohe Bedeutung die Musik für das ganze Geistesleben des Volkes hat", berief Minister von Wangenheim den 28jährigen zum 1. Oktober 1817 als Musikdirektor an die Universität Tübingen, so Felix Burkhardt in den "Schwäbischen Lebensbildern". Bahnmaier hatte sich nachdrücklich für Silcher eingesetzt. 600 Gulden im Jahr sollte auf einmal sein Salär sein. Und trotzdem hatte Silcher große Bedenken, die Stelle anzunehmen. Sein Bruder, der ebenfalls in Stuttgart war, brauchte laut Burkhardt die ganze Überredungskraft, bis Bruder Friedrich annahm. In Tübingen war er für die "Vokal- und Instrumentalmusik" verantwortlich.

Der junge Musikdirektor wurde seiner Aufgabe bald gerecht. Mit Hilfe Bahnmaiers fand er sich in der neuen Umgebung schnell zurecht. Die Neckarstadt sollte die letzte Station in seinem Leben werden, denn einflußreiche Professoren wollten ihn nicht mehr gehen lassen. Silcher heiratete 1822 eine Sängerin aus seinem Kirchenchor und hatte drei Kinder mit ihr. Eine seiner Töchter wurde ihm als Sängerin eine große Hilfe. Bereits 1824 war sein Chor aus Studenten und anderen Musikfreunden auf 300 Sänger angewachsen. Offene Liedertafeln und Liederkränze wurde gebildet und als Prunkstück im Tübinger Kulturleben die "Akademische Liedertafel". Sie brachte Silchers Lieder und Vertonungen groß unter die Leute.

Doch nicht nur dem Volkslied galt sein Augenmerk, sondern auch der Kirchenmusik. Unzählige Lieder und Choräle, auch für Instrumentalmusik, entstanden in Silchers letzten Jahren. Paul Löffler schreibt dazu: "Er schöpfte aus dem frisch pulsierenden Volksleben und seine Werke wurden von ihm auch für das Volk geschrieben." "Heute sangen die Studenten das neue Silcherlied", schreibt Burkhardt, "morgens klangs aus den Dachstuben und in den nächtlichen Gassen, wenige Wochen später wurde es in Dorf und Stadt landauf, landab gesungen."

Friedrich Silcher starb am 26. August 1860. Auf Tübingens Platanenallee ist sein Denkmal zu sehen. Bissingen hat einer Parallelstraße zur Bahnhofstraße seinen Namen gegeben.

Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 31. März 1984

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