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Bietigheim-Bissingen 2007 |
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ECKENERSTRASSE |
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Die Straße wurde benannt am 19. 12. 1974. |
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"Hugo Eckener (* 10. August 1868 in Flensburg; † 14. August 1954 in Friedrichshafen) war der Nachfolger von Ferdinand Graf von Zeppelin. Unter seiner Regie entstanden unter anderem die Luftschiffe LZ 126/ZR-3 „Los Angeles“, LZ 127 „Graf Zeppelin“ und LZ 129 „Hindenburg“." (Quelle: Wikipedia) |
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![]() Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 16. Februar 1985 Ein Philosoph in den LüftenDie Eckenerstraße in Bissingen(rh). Eine weltweite Umfrage der bekannten Mailänder Zeitung "Corriere della Sera" am Ende der 80er Jahre brachte es an den Tag: Noch vor dem italienischen Duce Mussolini galt Dr. Hugo Eckener als der berühmteste Mann der Welt. "Jeder Neger kennt ihn, jeder Eskimo!", hieß es damals über den famosen Luftschiffer schleswig-holsteinischer Herkunft, dessen Pioniergeist der Luftschiffahrt zum Durchbruch verhalf. Ingenieur hat Hugo Eckener nicht studiert. Er war dem Geist zugetan, den Geisteswissenschaften, aber auch dem Umgang mit dem Geld. Am 10. August 1869 wurde er in Flensburg in einfachen bürgerlichen Verhältnissen geboren. Sein Vater Johann Christoph Eckener war der Sohn eines Bremer Weinküfers, der es in Flensburg als Zigarrenfabrikant zu etwas brachte. Von dorther stammte auch Hugos Mutter Anna Maria Elisabeth, geborene Lange, eine Schuhmacher-Tochter. Der junge Eckener studierte in München, Berlin und Leipzig Philosophie, Psychologie, Sozialpolitik, Geschichte und Nationalökonomie. Seine Doktorarbeit (1892) schrieb er in Philosophie über das Thema "Untersuchungen über die Schwankungen der Auffassung minimaler Sinnesreize", eine für einen Luftschiffer wohl außergewöhnliche Arbeit. Aber Hugo Eckener war eben ein Philosoph in den Lüften, dabei ganz bodenständig, als er 1892 aus Leipzig seiner Mutter schrieb: "Daß es mit meinen Cigarren Matthäi am allerletzten ist, wirst Du glauben. 50 Stück neue würden mir gut passen, aber ich möchte mal keine alten Havannas, etwas unverknalltes lieber". Der junge Doktor ging 1893 für ein Jahr in Flensburg zur Infanterie. Danach wurde er freier Journalist und Schriftsteller. Sein erstes Buch veröffentlichte er 1908, eine Studie in Nationalökonomie mit dem Titel "Arbeitermangel oder Geldknappheit?" Schon zuvor hatte er als 32jähriger in der Frankfurter Zeitung veröffentlicht, und man kann sich kaum denken, daß er dabei schon daran gedacht hat, selbst einmal mit den Unbilden der Witterung fertig zu werden: "Sicherlich: das Luftschiff erwies sich als lenkbar", schrieb er über einen Versuch des Grafen Zeppelin, ein starres Luftschiff vom Boden abheben zu lassen. "Aber unter welchen Umständen wurden denn die bescheidenen Resultate erzielt? Unter den allergünstigsten; es herrschte fast absolute Windstille!" Zeppelin hörte sich Eckeners Kritik in einem Vieraugengespräch noch einmal an und lud den Journalisten ein, sein Mitarbeiter zu werden. Obwohl der Flensburger zuvor nichts mit Luftfahrt zu tun gehabt hatte, nahm er das Angebot an und wurde des Grafen treuester Helfer. Und Hugo Eckener hatte Erfolg. Wenn er über Städten und Dörfern mit seinen langen "Zigarren" auftauchte, winkten ihm die Leute zu. So auch in Bissingen, als der Luftschiffer über der Firma Grotz Post abwarf, eine Bestellung von Ersatzteilen, die der Grotz-Mitarbeiter Wilhelm Maybach dann nach Stuttgart brachte. 1909 war in der Bissinger Maschinenfabrik der erste Luftschiffmotor gebaut worden, der die LZ 6 "beflügelte". Kam Eckener mit dem Luftschiff in die Nähe des Enzortes, konnte er ihn nicht ohne besondere Grüße überfliegen. Wie der "alte Herr vom Bodensee" - dorthin war Eckener wegen dem für seine Gesundheit besseren Klima gezogen - sich fühlte, wenn er in den Lüften schwebte, drückte er nach einem Flug über Barcelona und einem Kreisen um die Columbus-Säule so aus: "Ich fühlte mich durchaus als ein Schüler des Columbus, obwohl er doch mit viel mehr Widerwärtigkeiten zu kämpfen hatte als ich." Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, wurde der Fahrtenleiter und Luftschiffkapitän als lnspekteur zur Ausbildung von Marineluftschifführern abkommandiert. Eigentlich hatte er etwas gegen die Anstellung, da für ihn der Zeppelin als ein "Friedensinstrument" galt. Doch Eckener war auch Patriot und konnte so nicht kneifen. "Ich habe mich natürlich nicht leicht entschlossen", schrieb er in einem Brief an den Bruder seiner Frau Johanna. "Aber es ist eine Zeit, die Selbstverleugnung von jedem, der irgendwie helfen kann, gebieterisch fordert. Ich selbst nicht und kein Mensch, der meine speziellen Kenntnisse und Erfahrungen kennt, würde es begreifen, wenn ich jetzt mitzutun mich weigerte. Ich würde zeitlebens als entehrt mir vorkommen." Der Patriot Hugo Eckener überlebte den Krieg. Seine Popularität wuchs und wuchs. Sie war so groß, daß er sich von den liberalen und sozialdemokratischen Kräften der Weimarer Republik sogar als Kandidat für die Wahl des Reichspräsidenten aufstellen ließ; als Paul von Hindenburg jedoch ein zweites Mal kandidierte, zog Eckener seine Kandidatur zurück, was ihm der greise General zeitlebens dankte. Der Luftschiffer hatte sich aber einen rüden Feind geschaffen: Der Gegenkandidat war Hitler. Vor diesem Gegner nützte es Eckener wenig, daß er vor allem in Amerika großes Ansehen gewonnen hatte, nicht nur für seine Person, sondern überhaupt für das Deutsche Reich; es nützte auch wenig, daß er am Nordpol in einer stillen Bucht der Hookes-Insel 1931 mit einem sowjetischen Frachter Postsäcke ausgetauscht hatte; und es nützte ihm nichts, daß auch die Brasilianer ihm an der Copacabana von Rio de Janeiro lebhaft zugewinkt hatten. Im Gegenteil, den Nazis waren Eckeners Erfolge in der ganzen Welt suspekt. Der Führer wollte einmal in der Friedrichshafener Luftschiffhalle zu den Menschen sprechen: Eckener lehnte dies ab, Hitler mußte nach Radolfzell ausweichen. Der "mephistophelische Reichspropagandaminister", so Hugo Eckener über Goebbels, verlangte, die "Hindenburg" solle in "Adolf Hitler" umgetauft werden und zudem sollten riesige Hakenkreuze auf alle Luftschiffe gemalt werden, aber Eckener meinte dazu: "Wenn Goebbels das will, dann werde ich ihn auffordern, mit dem umgetauften Luftschiff, bemalt mit den Hakenkreuzen, nach Amerika zu fahren. Dann wird er persönlich erleben, wie sehr die Nazis dort gehaßt werden." Auf diese Art hatte der populäre Mann nie ein Hehl daraus gemacht, daß er für die Nazis nichts übrig hatte. Vogelfrei war Hugo Eckener deshalb nicht, aber es hatte geholfen, daß Reichspräsident Hindenburg Hitler einmal das Versprechen abgenommen hatte, dem Luftschiffer nichts anzutun. Nach 1945 war die Luftschiffahrt nach der Demontage und Zerstörung der "Riesenzigarren" durch die Nazis praktisch tot. Eckener wurde aber in den USA als Spezialist gebraucht und arbeitete dort als Berater für die Good-year-Aircraft-Corporation in Akron, Ohio. Die Entnazifizierung hatte er mit dem Stempel: "überhaupt nicht belastet" überstanden. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Hugo Eckener damit, seine Lebenserinnerungen zu Papier zu bringen. Titel der Geschichte: "Im Zeppelin über Länder und Meere". Aber der weise alte Herr äußerte sich auch zur Politik im Nachkriegsdeutschland, wie etwa zur Wiedervereinigung: "Die Frage ist also nur, so scheint es, ob man uns wieder ein souveränes Volk mit berechtigtem Ehrgefühl werden lassen will, und das wird man wollen und müssen, wenn man mit uns Westeuropa verteidigen will. Die Entwicklung hierzu ist offensichtlich im Gange, wenn sie auch langsam und zögernd erfolgt und noch vieles zu wünschen übrig bleibt", so Eckener als 83jähriger 1951. Hugo Eckener starb kurz nach seinem Geburtstag am 14. August 1954 in Friedrichshafen. Das mit der Luftschiffahrt durch Gottlob Grotz stets eng verbundene Bissingen gab einer Straße seinen Namen. Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 16. Februar 1985 |
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