Bietigheim-Bissingen 2007
"anno MMVII"


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CHARLOTTENSTRASSE

Benannt vor 1900.

"Charlotte, Princess Royal (* 29. September 1766 im Buckingham Palace, London; † 5. Oktober 1828 in Ludwigsburg) gehörte zur britischen Königsfamilie und durch Heirat Königin von Württemberg." (Quelle: Wikipedia;)


Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 

"So gut ein Weib sein kann"

Die Charlottenstraße in Bissingen

(rh). Sie war groß, gut gebaut und vollschlank, hatte einen frischen Teint, regelmäßige Gesichtszüge, und an ihr nicht ausgesprochen schönes Gesicht gewöhne man sich rasch. So sah es Prinz Friedrich, der spätere König von Württemberg, als er um Charlotte Auguste Mathilde, die englische Kronprinzessin anhielt. Eigentlich hätte sie jede andere sein können, denn Friedrich, der unbedingt nach seiner gescheiterten ersten Ehe wieder ein Frau wollte, dazuhin ein gute Partie aus europäischem Hochadel, schrieb an seinen Freund Graf Zeppelin, der mit der langwierigen Brautwerbung betraut war: "... mache der Sache ein Ende, es müßte doch des Teufels sein, wenn von vier Prinzessinnen nicht eine heiraten und Herzogin von Württemberg sein wolle, welche ist mir wahrhaftig einerlei, um nur bald aus dieser Lage zu kommen".

Prinz Friedrich bekam die älteste Tochter König Georgs III. Sie war am 29. September 1766 geboren - also nicht mehr allzu jung und eine Kusine der ersten Frau Friedrichs. Wie damals in Königshäusern üblich, hatte Charlotte eine gute Erziehung erhalten.

Das Hofleben bereitete ihr allerdings oft Verdruß, denn Charlotte war schüchtern, so schüchtern, daß sie noch Angst hatte, wenn sie später ihrem Mann begegnete. Deshalb hatte sie sich wohl ihre Rolle so ausgedacht und auch gespielt, wie sie 1809 ihrem Gatten schrieb: "Ich finde, daß es das große Glück der Frauen ist, für ein häusliches Leben bestimmt zu sein, und ich kann nur diejenigen beklagen, die aus ihrem Lebenskreis heraustreten und sich in Angelegenheiten zu mischen suchen, von denen sie nichts verstehen".

Die Hochzeit der beiden beleibten Blaublüter fand, nachdem die Hochzeitskontrakte endlich ausgearbeitet waren, am 18. Mai 1797 in der Schloßkapelle St. James in London statt. Die Mitgift betrug 80 000 Pfund Sterling, für den stets in Geldnöten steckenden Friedrich eine erkleckliche Summe. Ende Mai traten beide die Rückkehr nach Württemberg an, wo sie anfangs in Scharnhausen wohnten.

Das Verhältnis beider zueinander war recht förmlich. Dr. Paul Sauer beschreibt in seinem Buch "Der schwäbische Zar" Charlotte als warmherziger. Friedrich stellte ihr schon im Dezember ihres ersten Ehejahres das Zeugnis aus: "So gut ein Weib sein kann, ist gewiß diese". Und trotz beider Leibesfülle war die Distanz noch zu überwinden, daß von Zeit zu Zeit auch ein Küßchen möglich war.

Wie Sauer schreibt, hat sich Charlotte stets um Katharina, die Tochter Friedrichs aus erster Ehe, gekümmert und war ihr eine gute Stiefmutter. Vielleicht liegt es daran, daß Charlotte nach einer Fehlgeburt im August 1798, an der sie fast gestorben wäre, keine Kinder mehr bekommen konnte. Sie selbst hat aber einmal gesagt, auch wenn sie selbst noch Kinder bekäme, würde "Trinette" 'ihre geliebte Tochter bleiben.

Sorge hatte Charlotte als sich ihre Stieftochter mit Jérôme, dem Bruder Napoleons, verheiratete. Sie glaubte, schüchtern wie sie selbst war, Katharina werde dem Intrigenspiel am französischen Hof nicht gewachsen sein. Als Napoleon 1814 bei den Fürsten Europas in Ungnade gefallen war, wollte auch Charlotte, daß sich Katharina von Jérôme trennen sollte. Die Stieftochter erwiderte jedoch heroisch: "Der Tod oder mein Mann ist die Devise meines Lebens"

Mit Friedrich machte Charlotte "Karriere". Schon im Jahr ihrer Heirat war sie Herzogin geworden. 1803 stieg sie zur Kurfürstin auf und 1806 folgte der Königinnentitel - Napoleon hatte es möglich gemacht. Ihrem Gemahl hielt Charlotte stets die Treue, unterstützte ihn auch bei der Erziehung seiner Söhne, die Friedrich großen Kummer bereiteten, vor allem sein Nachfolger.

Als Friedrich am 28. Oktober 1816 starb, war die Trauer in der Bevölkerung nicht gerade groß. Allzu beliebt hatte sich der Herrscher nicht gemacht. Für Charlotte brach eine Welt zusammen. In einem, Brief an die russische Kaiserin-Mutter Maria Feodorowna, ihre Schwägerin, heißt es: "Das schreckliche Unglück, das mich niederdrückt, durchstößt mir die Seele und macht mich gegen alle Vorzüge gleichgültig, die mir die Welt bieten kann. Von einem Gatten getrennt, für den ich ausschließlich lebte, habe ich jede Hoffnung auf irdisches Glück verloren".

Charlotte lebte während ihrer zwölf Witwenjahre zurückgezogen in Ludwigsburg. Im Frühjahr 1827 reiste sie, trotz angegriffener Gesundheit, noch einmal in ihre englische Heimat. Im Alter von 62 Jahren starb sie am 6. Oktober 1828.

Bissingen hat eine Querstraße zur Bahnhofstraße nach Königin Charlotte benannt.

Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), Datum verloren

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