Bietigheim-Bissingen 2007
"anno MMVII"


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BRENZWEG

Die Straße wurde benannt am 7. 03. 1960.

"Johannes Brenz (* 24. Juni 1499 in Weil der Stadt; † 11. September 1570 in Stuttgart) war ein deutscher Reformator und protestantischer Theologe." (Quelle: Wikipedia)


Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 1. September 1984

Der Reformator Württembergs

Der Brenzweg in Bissingen

(rh). Martin Luther hatte im Schwäbischen einen begabten Mitstreiter, der seine Anschauung von Religion als die "rechte Lehre" vertrat, fest in seinem Glauben an das Wort Gottes. Johannes Brenz, der Reformator aus Schwäbisch Hall, auf dessen Ansichten auch der Herzog von Württemberg etwas gab, Ulrich wie Christoph, wurde so zum eigentlichen Reformator des Herzogtums und zum Leiter der Landeskirche.

Johannes Brenz kam am 24. Juni 1499 in Weil der Stadt zur Welt. Er war der älteste von drei Söhnen einer Ratsherrenfamilie, die auch das nötige Geld hatte, alle drei Buben studieren zu lassen. Nach der Schulzeit in seiner Geburtsstadt kam Johannes so 1510 für ein Jahr nach Heidelberg in die Lateinschule, 1511 dann nach Vaihingen. Dort blieb er drei Jahre, bis 1514 sein Studium in Heidelberg begann. .

Die berühmte Neckarstadt war für den jungen Mann eine sehr wichtige Station in seinem bewegten Leben. Dort lernte Brenz Leute kennen, die sich wie er später der Reformation anschlossen und bekannte Theologen wurden. So etwa den bekannten Melanchthon, aber auch Johannes Oekolampad, den späteren Reformatoren von Basel, mit dem Brenz in der Abendmahlsfrage in Dissens geriet.

1523 holte die Reichsstadt Schwäbisch Hall den jungen Mann als Prediger in die Stadt. Oekolampad, der Weinsberger, hatte ihn so bezeichnet: er sei "ein Jüngling von glühendem Eifer für alle wissenschaftliche Bildung und ein großer Verehrer des Erasmus von Rotterdam", ist in "Johannes Brenz und die Reformation in Württemberg" von Hans-Martin Maurer und Kuno Ulshöfer zu lesen. Der Haller Rat wußte wohl, daß Brenz auch ein Anhänger Luthers war, den er 1518 in Heidelberg getroffen hatte. Und so begann Brenz im hallischen Land mit seiner Reformation.

Viele Bücher hat er schon in den 20er Jahren seines Jahrhunderts geschrieben und die Leute auf die "rechte Lehre" eingeschworen. Er machte sich alsbald mit seinen Theorien einen Namen und brachte eine Kirchenordnung und einen Katechismus heraus.

1530 heiratete Brenz Margarete, die junge Witwe seines Freundes Hans Wetzel. Mit ihr hatte er sechs Kinder. Der einzige Sohn Johannes, 1539 geboren, wurde Theologieprofessor in Tübingen und brachte die Werke seines Vaters heraus. Seine zweite Frau heiratete er 1550. Mit ihr hatte er zwölf Kinder. Brenz wurde so zum Stammvater einer großen Familie, die einige Geistesgrößen hervorbrachte.

Die Haltung des Predigers zur Kirche war klar und deutlich: Die Kirche ist die Gemeinschaft der Heiligen; Bischöfe und Priester sind Diener dieser Kirche, denen keine andere Gewalt verliehen ist als zu predigen und Gottes Wort zu verkünden. Besondere Gelübde, die nicht für alle Christen galten, waren für Brenz somit nicht mehr nötig, und in diesem Sinne leitete er die Haller Kirche. "Dies waren auch die Grundsätze, die er bei allen seinen reformatorischen Belehrungen, Gutachten, Bedenken für Fürsten, Adel und Städte voraussetzte", schreibt das Autorenteam.

In schweren Zeiten wetterte der Prediger, und dies besonders in seiner alljährlich gehaltenen Predigt am Jakobitag, dem 25. Juli, wenn Markt in Hall war und die Leute vom Land in die Stadt strömten, gegen "die unermeßliche Trunksucht der Deutschen, gegen ihre verwilderten Sitten, das Fluchen, Huren, Schwelgen, Betrügen, die modische Putzsucht, die hemmungslosen Vergnügungen der Jugend", so Maurer und Ulshöfer. So wachte Johannes Brenz 26 Jahre über seine Haller "Schafe". Bis er fliehen mußte.

Dies passierte ihm, als ihn der Kaiser 1548 suchen ließ und, man kann es sich denken, seinen Kopf wollte, denn Brenz hatte sich dagegen gewandt, daß die katholische Lehre wieder eingeführt wurde. Hals über Kopf floh der Prediger. Seine Frau überlebte dies nicht. Sie starb an einer Schwindsucht. Brenz kam nicht mehr nach Hall zurück, obwohl er 1543 eine Anstellung auf Lebenszeit erhalten hatte. Der Reformator begab sich in den Schutz von Herzog Ulrich und wurde oberster Kirchenherr des Landes.

Ab 1550 arbeitete Brenz mit Herzog Christoph in Stuttgart zusammen. Beide erlangten große Bedeutung und mit ihnen Württemberg. Beide seien fähig gewesen, so Maurer/Ulshöfer, "die großen Ideen ihres Zeitalters in seltener Reinheit in sich aufzunehmen, zu durchdenken und Gestalt werden zu lassen". Nachdem die württembergische Kirche zwischen 1551 und 1553 klare Strukturen erhalten hatte, fiel ihr die Rolle eines Vorbilds zu. Herzog Christoph und Johannes Brenz wurden alsbald von auswärtigen Landesherren um Ratschläge und personelle Unterstützung bei deren kirchlicher Neuordnung gebeten.

Johannes Brenz starb am 10. September 1570. Er wurde auf seinen Wunsch unter der Kanzel der Stuttgarter Stiftskirche bestattet, wo er viele Jahre sein Predigeramt ausgeübt hatte. Eine Steinplatte erinnert noch heute an den Reformator Württembergs.

Bissingen hat einer Straße in der Nähe der Martin-Luther-Kirche seinen Namen gegeben.

Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 1. September 1984

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