Bietigheim-Bissingen 2007
"anno MMVII"


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ADOLF-HEIM-STRASSE

Benannt wurde die Straße am 15. Januar 1981.

Adolf Friedrich Heim, * 28. April 1836 in Bissingen/Enz, + am 2. August 1912, Erfinder eines lenkbaren Luftschiffes


Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 24. November 1984

Das vergessene und verkannte technische Genie

Die Adolf-Heim-Straße in Bissingen

(rh). Für einen Phantasten und Wahnsinnigen ist er von vielen gehalten worden. Nicht zuletzt sein Onkel sagte zu ihm: "Jetzt weiß ich bestimmt, daß du närrisch bist", als der Erfinder Adolf Friedrich Heim sein neues Werk der Verwandtschaft und seinem Bekanntenkreis vorstellte. Es handelte sich um ein Patent, das er unter der Nummer 15 119 vom Kaiserlichen Patentamt auf den 19. Januar 1881 zugesprochen erhielt. Adolf Heim hatte sein lenkbares Luftschiff vorgestellt. 

Nach Ansicht von Prof. Dr. Peter Kleinhans darf Adolf Heim als der Erfinder eines lenkbaren Luftschiffes überhaupt gelten, wenngleich schon andere vor ihm versucht hatten, mit Luftschiffen durch die Lüfte zu segeln. Doch Kleinhans meint in einem Aufsatz weiter, Heim sei von allen Bissingern, die zum Ruhme der Luftschiffahrt beigetragen haben, am meisten vergessen. Und auch Graf Zeppelin, der gemeinsam mit Gottlob Grotz sein Luftschiff, die Zigarre, flottbrachte, mußte im Anfang seiner Bemühungen den Spott der Leute ertragen.

Wie Prof. Dr. Helmut Orth über Adolf Heim bemerkte, sei im Bissinger Heimatbuch von Prof. Roemer das Geburtsdatum des späteren Lehrers und Erfinders bereits falsch angegeben. Adolf Friedrich Heim ist laut Professor Orth am 28. April 1836, und nicht wie im Heimatbuch angegeben, am 28. Juli 1838, geboren. Sein Vater war Johannes Christian Heim, ein Metzger, und seine Mutter die schon früher ansässige Johanne Friederike Wilhelmine Frey. Von den zehn Kindern dieses Paares war Adolf das sechste. Der Vater, so geht laut Prof. Orth aus den Kirchenbüchern Bissingens hervor, hat wohl in das Haus und den Betrieb seiner Frau eingeheiratet, denn die Heims und schon früher die Freys betrieben das Gasthaus "Sonne" in der Brückenstraße 7, und nicht im Gebäude Nummer 4 der gleichen Straße, wie ebenfalls im Heimatbuch nach Ansicht Orths falsch vermerkt ist.

Eigentlich schon früh zeigte sich bei dem Jungen ein ausgeprägtes technisches Verständnis, und der Heranwachsende hätte eigentlich gerne einen technischen Beruf ergriffen. Doch nach dem Wunsch der Mutter ging er aufs Lehrerseminar und wurde Volksschullehrer. Im Alter von fast 36 Jahren, am 12. Februar 1872, heiratete Adolf Heim die um elf Jahre jüngere Anna Maria Dreiz, mit der er zusammen sieben Kinder hatte, von denen aber vier bereits im Kindesalter verstarben.

Die Eheschließung fand in Dürrwangen, Kreis Balingen, statt, wo Adolf Heim wohl eine Schulstelle innehatte. Überhaupt läßt sich aus den Geburtsorten der Kinder am ehesten nachvollziehen, wo Adolf Heim seinen Lehrerberuf ausübte. Die Kinder wurden 1868 in Stockhausen, also das erste noch vier Jahre vor der Eheschließung des Paares, 1876 in Simmersfeld, 1879 und 1883 in Leonbronn bei Güglingen geboren.

An seiner Erfindung, dem lenkbaren Luftschiff, arbeitete Adolf Heim über 20 Jahre, und dies, obwohl er nie eine Ingenieurausbildung erhalten hatte. Die Erfinder von damals waren in der Regel auch gleichzeitig Werkstattmeister in ihren eigenen Werkstätten oder Fabriken, nicht so Heim.

Ein geschichtliches Ereignis von besonderer Tragweite mag den jungen Lehrer 1870/71, als Paris von den Deutschen belagert war, in der Fortführung seiner Arbeit bestätigt haben. Damals verließen französische Regierungsmitglieder unter der Führung des Rechtsanwalts und Politikers Léon Gambetta die belagerte Seinemetropole mit einem Freiballon, um in der Provinz den Widerstand gegen die deutschen Besetzer zu organisieren.

Heim wollte in der Folgezeit einen motorbetriebenen und lenkbaren Freiluftballon konstruieren. Nicht nur die über zwanzig Jahre Arbeit in der Freizeit hat dieses Projekt gekostet, sondern auch das gesamte, von seiner Mutter geerbte Vermögen. Obwohl das Patentamt sein Werk anerkannte, womit Heim eigentlich zum Erfinder der ersten Druckluftkabine im Luftfahrzeug wurde, bekam er vom Kaiser, an den er sich wegen 300 Gulden Unterstützung gewandt hatte, das Geld nicht. Die Bitte war vergeblich. Der Mann war durch seine Aufwendungen zum armen Mann geworden, und trotzdem gab Adolf Heim seine Ideen nicht preis, als ihm, wie im Bissinger Heimatbuch berichtet wird, Franzosen, die er in einer Gaststätte getroffen hatte, 80000 Franken für die Pläne boten. Heim fürchtete, die früheren Erzfeinde könnten die Erfindung in einem späteren Krieg gegen seine Landsleute zum Vorteil ausnützen.

Helmut Orth merkt in einem Aufsatz an, Heim sei zweifellos ein begabter Mensch gewesen, beruflich aber im "falschen Fahrwasser und mit seinen Ideen seiner Zeit leider um Jahre voraus, was die Menschheit noch selten geliebt hat". Und obwohl er seine Erfindung bei dem völligen Geldmangel nicht mehr durchführen konnte, hat der Tüftler nicht resigniert. 1880 schlug er noch den Bau eines U-Bootes nach eigenen Entwürfen vor. Er erfand eine "Vorrichtung zur Verhütung der Staubbildung bei Automobilfahrten" und einen "Elsatikersitz mit Pneumatik für Fahrräder und Motorwagen".

An seiner letzten Wirkungsstätte als Lehrer, in Hildrizhausen, hatte der verkannte Erfinder als Lehrer auch die Aufgabe, das Frühglöckchen in der Kirche zu läuten. Danach, so wird von Orth überliefert, hat er immer einen Schluck Quellwasser, zu sich genommen. Nach einiger Zeit bemerkte Heim, daß sein Kropf weicher wurde und zurückging. Er ließ das Wasser auf eigene Rechnung untersuchen und wurde zum Entdecker der bekannt gewordenen Mineralquelle. Erst spät hat die Gemeinde die Quelle auch ausgenutzt, denn Heim war ja als Phantast und Spinner verschrien. Als die Familie später doch eine kleine Entschädigung für die Entdeckung erhielt, wurde deren Wert von der Inflation vernichtet.

Adolf Friedrich Heim starb am 25. August 1923 im Alter von 76 Jahren. Die Stadt hat ihm zu Ehren einer Straße zum Bruchwald in Bissingen seinen Namen gegeben.

Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 24. November 1984

Literatur: Helmut Orth, Bissingen a. d. Enz, Erinnerungen, Geiger-Verlag, Horb: 1984

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