Bietigheim-Bissingen 2007
"anno MMVII"


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OLGASTRASSE

Die Straße wurde benannt um 1900.

Olgastraße bis 29.3.33, dann Wilhelm-Murr-Straße bis 16.6.45

"Olga Nikolajewna Romanowa (* 11. September 1822 in Sankt Petersburg, Russland; † 30. Oktober 1892 in Friedrichshafen) war eine russische Großfürstin und als Ehefrau Karls I. Königin von Württemberg." (Quelle: Wikipedia)


Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 13. Juli 1985

Königin mit staatsmännischem Blick

Die Olgastraße in Bietigheim

(rh). Das Haus Württemberg pflegte gute Beziehungen zum russischen Herrscherhaus der Romanows. So war es nicht verwunderlich, daß am 23. September 1846 Großfürstin Olga als württembergische Kronprinzessin unter dem Jubel der Bevölkerung in der Stuttgarter Residenz einzog. Der spätere König Karl hatte in ihr eine gute Diplomatin und Beraterin zur Frau, der Politik zu machen eine Lebensaufgabe war.

Die 1822 geborene Großfürstin war schön, geistreich und ehrgeizig. Sie entstammte einem der führenden Fürstenhäuser Europas. Als Tochter von Zar Nikolaus I. und dessen Gemahlin Prinzessin Charlotte von Preußen, der Tochter König Friedrich Wilhelms III. und Schwester des späteren Kaisers Wilhelm, konnte Olga höhere Ansprüche stellen als sie das württembergische Königshaus zu erfüllen in der Lage war. Doch die Versuche, den Zarentöchtern an den größten Höfen Europas die entsprechenden Partner zu finden, schlugen aus politischen und konfessionellen Gründen fehl. Deshalb wurde Kronprinz Karls Angebot, Olga zu heiraten, vom russischen Hof angenommen.

Für die Europäer war der Zar aller Reußen von jeher als Prototyp des Gewaltherrschers angesehen worden, doch Zar Nikolaus I. war ein guter und treuer Gatte, seinen Kindern ein liebevoller Vater. Seinen Herrscherberuf nahm er gleichwohl sehr ernst. Für ihn zählte nur, was er vor Gott verantworten konnte, Ansprüche etwa gewählter Vertreter des Volkes lehnte er ab. Er bestand auf seiner Souveränität als erster Russe. In diesem Geist wurden auch die Kinder erzogen. Und Olga sollte Zeit ihres Lebens sich für die Souveränität auch Württembergs einsetzen.

Die Verlobung mit dem fast gleichaltrigen Wilhelm Karl Friedrich, fand am 18. Januar 1846 im sonnigen Palermo statt. Am 13. Juli des selben Jahres heiratete Karl seine "Olly", wie sie in Familienkreisen genannt wurde, in Peterhof bei St. Petersburg. Königin Olga hat in ihren Jugenderinnerungen, die 50 Jahre nach ihrem Tod veröffentlicht wurden, ihre Ehe als Herzensbund bezeichnet, sie sei nicht aus Staatsräson geschlossen worden.

Nach der Hochzeit begannen die schönsten Jahre im Leben des Kronprinzenpaares. Viele Reisen schlossen sich an, um sich an den großen Höfen Europas zu zeigen. Aber auch die ersten Pflichten warteten auf den Thronfolger, die dieser nicht gerne wahrnahm.

Schon bald bemerkte der Vater Karls, König Wilhelm I., daß ihm seine Schwiegertochter in Staatsangelegenheiten sehr nützlich sein konnte. Vor allem die Beziehungen zum Zarenhof wurden von Olga mit viel Geschick gepflegt. Einer ihrer Vertrauten war der russische Gesandte in Württemberg, der spätere russische Außenminister Alexander Michailowitsch Gortschakow. Die diplomatischen Aktivitäten sollten Württemberg den Rücken im Deutschen Bund stärken. Bismarcks Bestreben, auch die Südstaaten des Deutschen Reiches unter die Führung Preußens zu bringen und Österreich dadurch zu schwächen, stießen beim württembergischen König auf Widerstand, denn der fürchtete um seine Unabhängigkeit, verlor sie aber nach der Schlacht von Königgrätz (1866), wo Preußen gegen die Osterreicher gewann.

Die preußischen Herrschaftsgelüste ärgerten Königin Olga. In ihrer Jugend hatte Olly den Onkel Wilhelm, den späteren deutschen Kaiser, noch gemocht, doch dessen Annexion Hannovers und Nassaus 1866 verzieh sie ihm nie. Für ihr dynastisch legitimistisches Gefühl sei dies ein unverzeihlicher Verstoß gegen jedes göttliche und menschliche Recht gewesen, schreibt Ernst Marquardt in "Geschichte Württembergs", "und ihre Auffassung von dem Beruf des absoluten Monarchen erlaubte ihr nicht, mit der Verantwortung für einen solchen Schritt den Diener an Stelle des Herrn zu belasten".

Als König Wilhelm I. gestorben war und Karl König wurde, hatte Olga gewußt, daß sie Einfluß auf die Politik des Landes werde nehmen können, mit ihrem staatsmännischen Blick erkannte sie jedoch, daß sie ihre Wirkungsmöglichkeiten nicht überschätzen sollte. Vieles wurde so im Geheimen gesponnen, die Fäden, die Olga gezogen hatte, blieben verborgen. Klar war, daß sie den unterstützen würde, der gegen Preußen eingestellt war. Diese Erfahrung machte auch Freiherr Karl von Varnbüler, den der König zu seinem leitenden Minister gemacht hat. Er fand bei Olga meist ein offenes Ohr.

Trotz ihrer Abneigung gegen das herrschsüchtige Preußen versuchte Olga in der Frage des Zusammenschlusses der Teilstaaten ihr Glück in Berlin. Auf diplomatischem Wege versuchte sie 1870, für Württemberg Sonderrechte im Deutschen Reich zu erreichen, was jedoch nicht gelang. Auch die befreundeten Russen konnten Olga nicht helfen. Sie wie ihr Mann mußte das Schicksal eines Souveräns ohne die alten Machtbefugnisse erdulden.

Olga blieb in ihrer Ehe kinderlos. Deshalb nahm das Königspaar die Großfürstin Wera von Rußland, eine Tochter des jüngeren Bruders von Olga, zur Pflege an. Wera heiratete später Herzog Eugen von Württemberg. König Karl starb am 6. Oktober 1891, seine Frau folgte ihm ein Jahr später, am 30. Oktober 1892 siebzigjährig in den Tod. Beide sind in der Schloßkirche im Stuttgarter Alten Schloß begraben.

In Bietigheim wurde eine Straße nach Königin Olga benannt.

Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 13. Juli 1985

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