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Bietigheim-Bissingen 2007 |
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HILLERSTRASSE |
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Die Straße wurde benannt vor 1905. Am Anfang umfasste sie auch die jetzige Schmidbleicherstraße. |
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August Hiller d. Ä. (* 4. 8. 1777, + 4. 1. 1848) und August Hiller d. J. (* 20. 12. 1822, + 19. 2. 1872), zweiter und dritter Stadtschultheiß; der Vater von 1823 bis 1848, der Sohn von 1848 bis 1872. (Quelle: Roemer + Bietigheimer Zeitung vom 10. November 1984, s. u.) |
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Eine Schule
als Denkmal
Die
Hillerstraße in Bietigheim
(rh). "Wie völlig hat, sich das Leben in unserer geliebten Heimatstadt gegen früher geändert", sagte Bürgermeister August Hiller der Jüngere in seiner Festrede zum 500jährigen Jubiläum der Stadt Bietigheim im Jahre 1864. Zu dieser Zeit war er bereits 16 Jahre Stadtschultheiß, der Nachfolger seines Vaters auf dem "höchsten" Amtssessel der Stadt. Über August Hiller als Privatperson, so ist aus einer Schrift des städtischen Archivs zu entnehmen, ist nicht viel bekannt. Die Hillers kamen 1823 nach Bietigheim. Friedrich August Hiller, der Ältere, war der Sohn eines Pfarrers aus Meimsheim. Er wurde im Jahre 1777 geboren und starb 1847. Sein Sohn und Nachfolger kam 1822 auf die Welt, war also beim Antritt in seinem Amt als Stadtschultheiß 26 Jahre alt. August Hiller der Jüngere wohnte in der Hauptstraße 66 und war mit einer Tochter des Notars Clemens von Brackenheim verheiratet. Über seine Brautwerbung existiere im städtischen Archiv sein Heiratsantrag. "Mein Fräulein!", heißt es da, "kaum wage ich es, mit gegenwärtigen Zeilen vor Sie zu treten, da es mir so kurz erst vergönnt ist, Sie persönlich kennen gelernt zu haben". Mit diesem Satz beginnt der Heiratsantrag des Brautwerbers im Jahre 1851, als August Hiller 29 Jahre alt war. "Was mich dazu treibt, darf Ihnen kein Geheimnis bleiben; es ist eine Frage, die mich mit ihrer vollen Gewalt ergriffen hat, als ich Sie in ihrem lieblichen Wesen mir gegenüber sah", fährt der junge Schultes fort, bis er zu Fragen im Stande ist: "Erlauben Ihre Empfindungen Ihnen nicht jetzt schon, mich meiner Ungewißheit zu entreissen, so gestatten Sie mir, mich Ihnen zu nähern". Hiller hat seine Braut bekommen. Einfach hat es August Hiller zu Anfang seines Amtes nicht gehabt. 1848 war, wie bekannt ist, ein politisch sehr bewegtes Jahr. Die Revolution in Frankreich brachte auch Unruhen in Deutschland. Die im Volke rasch um sich greifende freiheitliche Gesinnung, so der Chronist in der Schrift des Stadtarchivs, habe sich auch im Leben der Stadt bemerkbar gemacht. Dazu hat es, folgt man den Aussagen weiter, in den Jahren 1846 bis 1854 Mißernten gegeben. Die Kartoffelfäule grassierte, und die Lebensmittel wurden teurer und teurer. Scharen von Bettlern zogen durch das Land. Viele Familien wanderten nach Amerika aus. Dazu kam 1851 ein schweres Hochwasser, das die allgemeine Notlage noch verschlimmerte. Bei einem Wasserstand von nahezu vier Metern an der Enzbrücke wurden nach Angaben des Chronisten weite Teile der Stadt überflutet. Auch August Hiller hatte mit der Technikfeindlichkeit schon zu kämpfen. Nicht alle in der Stadt waren dafür, daß die Eisenbahn, das damals modernste Fortbewegungsmittel, Bietigheim mit den größeren Städten im Lande verband. Vor allem das einheimische Gewerbe fürchtete eine verstärkte Konkurrenz durch auswärtige Händler. Die Grundstücksbesitzer wollten deshalb kaum ihr Gelände für den Gleisbau hergeben. Hillers Stand war nicht leicht, da er den Bahnanschluß begrüßte. Er konnte aber die Zweifler davon überzeugen, daß auch ihr Geschäft durch den Anschluß an das Bahnnetz besser werden würde. So kam es, daß Bietigheim allmählich immer stärker industrialisiert wurde. 1855 entstand auf der Metterinsel die Holzmosaikfirma von Gottlieb Kleemann mit Furniersägewerk. Unter Hiller wurde die Kammgarnspinnerei 1856 in Bietigheim aufgebaut. Neun Jahre später war das Gewerbe schon so stark vertreten, daß ein eigener Verein, der Gewerbeverein, gegründet wurde. Als Vorläufer der heutigen Volksbank kam 1868 die Gewerbebank hinzu. Nach August Hiller ist auch die Hillerschule benannt. Ihre Einweihung 1873 erlebte er aber nicht mehr. Mit dieser Schule schuf sich der fortschrittliche Mann, wie er von dem Chronisten bezeichnet wird, ein Denkmal. Doch auch diesem dem neuen Zeitgeist des 19. Jahrhunderts aufgeschlossenen Bürgermeister machte es Schwierigkeiten, all seinen Mitbürgern, die oft, wie auch in unserem Computerzeitalter nicht unbekannt, die neue Welt gar nicht mehr verstanden, das Neue nahezubringen. In seiner Festrede vom 19. August 1864 heißt es: "Selbst viele der mittleren Generation werden Mühe haben, sich einzuleben. Erst der nachwachsenden Jugend wird es vergönnt sein, ganz in die neue Zeit einzutreten. Möge diese Jugend der Stadt heute erkennen, daß sie das Vermächtnis von fünf Jahrhunderten empfängt, und daraus den festen Vorsatz entnehmen, sich mit aller Kraft tüchtig zu machen, dieses Vermächtnis nach bester Kraft zu heben und zu fördern!" Worte, die wohl unvergänglich ihren besonderen Sinn behalten werden. Mit der fortschreitenden Liberalisierung der Bürgerschaft, so der Chronist weiter, habe es auch ein blühendes Vereinsleben gegeben. Gesangvereine, der Turnverein, eine Bürgerwehr und der Bürgerverein sind in Hillers Amtszeit gegründet worden. 1860 wurde die Feuerwehr als Freiwilliges Feuerwehr-Corps ins Leben gerufen. In dieser Zeit, so merkt der Chronist an, habe Hiller manches "besänftigende und ausgleichende Wort gesprochen und die oftmals erregten Gemüter mit seinen bedächtigen Ratschlägen beruhigt". August Hiller erlebte noch die Reichsgründung und Kaiserkrönung im Spiegelsaal von Versailles. Im Oktober 1871 starb der verdiente Schultheiß. Die Hillerschule und die Hillerstraße erinnern noch an ihn. Bietigheimer Zeitung, Kolumne "Straßennamen" ("rh"), 10. November 1984 |
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