|
Bietigheim-Bissingen 2007 |
|
|
GUSTAV-SCHÖNLEBER-STRASSE |
|
|
Benannt
am 14. Mai 1930. |
|
|
"Gustav Schönleber (* 3. Dezember 1851 in Bietigheim-Bissingen; † 1. Februar 1917 in Karlsruhe) war ein deutscher Maler." (Quelle: Wikipedia; Link mit Umlaut) |
|
|
Gustav Schönleber (1851 - 1917) - ein geschätzter Landschaftsmaler und einflussreicher Kunstlehrer Unter großer Anteilnahme wurde in der ersten Februarwoche des Jahres 1917 auf dem Karlsruher Hauptfriedhof der weithin angesehene und hochgeehrte Maler und Kunstprofessor Gustav Schönleber zu Grabe getragen. So drückend waren zu dieser Zeit die Sorgen und Nöte des Krieges, dass man im schwäbischen Bietigheim noch kaum Notiz vom Tod dieses großen Sohnes der Stadt nahm. Doch das sollte sich ändern. Nur einen Steinwurf von der Metter und der Bietigheimer Altstadt entfernt, unmittelbar am damaligen Viehmarkt war Gustav Schönleber am 3. Dezember 1851 geboren worden - im gleichen Jahr, als nur wenige hundert Meter nordöstlich die Fundamente für den Enzviadukt gelegt wurden, jenem imposanten Bauwerk, das zum künftigen Wahrzeichen der Industriestadt Bietigheim werden sollte. Gustav war das fünfte Kind der Eheleute Friedrich und Heinrike Schönleber und wuchs mit seinen acht Geschwistern im heutigen Haus Am Japangarten 4 auf, wo knapp drei Jahre zuvor auch Erwin Bälz, der spätere Japanarzt, zur Welt gekommen war und die Familie Bälz weiterhin lebte. Erwin Bälz und Gustav Schönleber kannten sich also von frühester Jugend an. Der Vater Friedrich Schönleber betrieb in der ehemaligen Walkmühle an der Enz am südlichen Kopf der Enzbrücke eine Tuchfabrik, damals einer der modernsten Betriebe in Bietigheim und mit 170 Arbeitern auch einer der bedeutendsten Arbeitgeber der noch sehr landwirtschaftlich geprägten Stadt. Die Fabrik war hervorgegangen aus einer Filiale der herrschaftlichen Tuchmanufaktur Ludwigsburg, die in Bietigheim schon in den 1780er Jahren die alte Walkmühle an der Enz übernommen hatte. 1826 hatte August Schönleber die Fabrik erworben und die Leitung 1843 an seinen Neffen Friedrich Schönleber abgegeben, Gustavs Vater. "An der Enz war's immer interessant", schreibt Schönleber in seinen Erinnerungen über die frühen Bietigheimer Jahre. "Im Sommer wurde gefischt und gekrebst, die Flößer blieben stecken. Zuweilen war Hochwasser, Haus und Straße überschwemmt, für die Jugend eine herrliche Erinnerung. ( ... ) In der Tuchfabrik war natürlich herrliche Gelegenheit zum Basteln, wir haben als Kinder die schönsten Wasserräder etc. gebaut, mitunter ganz komplizierte Maschinen. Auf der Insel war der herrlichste Platz." Zunächst besuchte Gustav Schönleber die Bietigheimer Lateinschule. "Die Volksschule und Lateinschule beieinander im alten Häusergewinkel. Letztere hatte ein einziges Zimmer, das über die Stadtmauer sah, sämtliche Jahrgänge beieinander", beschreibt er die beengte Bietigheimer Schulsituation jener Zeit. Hier schon begann Gustav Schönleber mit außergewöhnlichem Talent und großer Leidenschaft seine Umwelt zeichnend zu erfassen. Dies war um so bemerkenswerter, als Gustav Schönleber von frühester Jugend an auf einem Auge erblindet war. Doch er selbst sah in dieser scheinbaren Not eine Tugend: Die Darstellung der Perspektive habe ihm gerade wegen seiner Sehbehinderung nie Mühe bereitet, stellte er fest. Die zeichnerische Projektion des Raumes auf eine Fläche fiel ihm leicht, weil das fehlende zweite Auge ihm ohnehin kein räumliches Sehen ermöglichte. Der Vater hatte große Freude an dem künstlerischen Talent seines Sohnes und er war es auch, der schon früh das Interesse der Kinder für die Landschaft der näheren Umgebung weckte: gemeinsam mit ihnen erkundete er das Zabergäu und die noch romantisch-verschlafenenen Städtchen Besigheim, Lauffen und Marbach, Orte, die auch den späteren ausgebildeten Maler immer wieder anzogen. Die übliche bürgerliche Schulkarriere beschreitend, wechselte der Dreizehnjährige zunächst 1864 von Bietigheim auf das Gymnasium nach Stuttgart. Dem beginnenden technischen Zeitalter gemäß verließ er indes im Herbst 1866 den traditionellen Bildungsweg und begann eine Maschinenbaulehre in einer Landmaschinenfabrik in Hemmingen, besuchte dann 1868/69 die Oberrealschule in Ludwigsburg und 1869 das Polytechnikum in Stuttgart. Ein Berufsweg als Ingenieur schien vorgezeichnet. Wegen schwindender Konjunktur hatte der Vater inzwischen die Bietigheimer Tuchfabrik verkauft und war mit der Familie 1868 noch Esslingen umgezogen, wo er Teilhaber der Esslinger Tuchfabrik wurde, ohne dass sich freilich die wirtschaftliche Lage der Familie besserte. Zeichnend in den Winkeln der alten Reichsstadt und im Hinterland Richtung Tübingen sah nun Schönleber hier selbst den Wendepunkt in seinem Leben: Die Malerei wurde nun "doch zu einer Art Leidenschaft", stellt er rückblickend fest. "Ich begann zu vergleichen und fand mein Sach gar nicht übel." Es waren vor allem Landschaften, die den jungen Maler ansprachen, und weniger die akademischen Übungen nach Gipsköpfen, an denen er sich im Polytechnikum versuchte. Der am Stuttgarter Katharinenstift unterrichtende Gustav Conz, ein Vetter seines Vaters, erkannte und förderte das Talent des jungen Schönleber und ermunterte ihn, in der Malschule des Münchner Landschaftsmalers Adolf Lier sein Studium aufzunehmen (1870). München war damals neben Düsseldorf eines der künstlerischen Zentren Deutschlands, und Lier vermittelte seinen Schülern mit der Landschaftsauffassung der "paysage intime" moderne Impulse der Schule von Barbizon und damit auch die Freilichtmalerei. Schönlebers aktive Teilnahme am Münchner Kunstleben, sein Engagement auf Ausstellungen und die sehr positive Aufnahme seiner Werke machten ihn bald zu einem geachteten Maler. Die gewachsene Reputation führte 1880 zu seiner Berufung an die 1854 gegründete Großherzoglich Badische Kunstschule noch Karlsruhe, wo die Landschaftsmalerei in jener Zeit einen besonderen Rang einnahm. Nun heiratete Gustav Schönleber die Esslingerin Luise Deffner (1882). 1883 wurde die Tochter Margarete, 1885 der Sohn Felix geboren, 1889 Hans Otto. Die beiden Söhne folgten den Spuren des Vaters, Felix als Bildhauer, Hans Otto als Graphiker, verzweifelten indes am Leben und suchten beide den Freitod. Die Landschaftsdarstellung blieb das zentrale künstlerische Thema Gustav Schönlebers. Dies ebenso wie die Regionen, die dabei im Zentrum seines künstlerischen Schaffens standen, offenbaren, dass er in seinem künstlerischen Werk von gesicherten traditionellen Pfaden ausgehend behutsam seinen eigenen, modischen Strömungen ganz abholden Stil fand, getragen von verhaltener Empfindsamkeit und professioneller Technik. Es waren die lichtdurchfluteten Küsten Italiens und die tiefen wolkenübertürmten Horizonte der Niederlande, und hier wie dort das Meer, die Gustav Schönleber wie vor ihm schon viele Malergenerationen immer wieder inspirierten. In zahlreichen Reisen erkundete er sie immer wieder neu. Aber - und darin liegt seine besondere Bedeutung - auch seine Heimat an Enz und Neckar machte er immer wieder zum Gegenstand seiner Werke. Dabei war es vor allem die herbe Schönheit der unbelaubten Landschaft, die ihn besonders faszinierte. Häufig kehrte er hierher zurück, insbesondere nachdem sich sein Schüler und Freund Walter Strich-Chapell 1904 in Sersheim niedergelassen hatte. Das sich zwischen Neckar und Enz bergandrängende, turmbekrönte Besigheim hatte es Schönleber besonders angetan. Er hat den malerischen Reiz jenes Städtchens recht eigentlich erst entdeckt, das in der Folge alljährlich von vielen Epigonen mit der Staffelei aufgesucht wurde. Diese Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln, diese Heimatverbundenheit ohne Provinzialität in einer Zeit gravierender gesellschaftlicher Umbrüche und an Dynamik zunehmender Veränderungen gehört zu den Besonderheiten Schönlebers, die auch sein künstlerisches Schaffen prägen. Mehr als drei Jahrzehnte lang blieb Gustav Schönleber in dem von ihm geschätzten und engagiert betriebenen Lehramt. Die Zahl der eingeschriebenen Schüler sowie seiner Anhänger war enorm. Sein Einfluss auf die nachfolgende Künstlergeneration ist deshalb kaum zu überschätzen. Seine nationale und internationale Anerkennung offenbart sich u. a. in der Teilnahme an zahllosen Ausstellungen, insbesondere auch bei den Weltausstellungen in Wien, Paris, Melbourne, Chicago und St. Louis, und bedeutenden Auftragsarbeiten wie etwa zwei Wandbildern für den Reichstag in Berlin. Neben der Ehrendoktorwürde der Universität Freiburg wurde er 1911 mit dem Orden "Pour le mérite" geehrt. Dem Andenken an diesen bedeutenden Künstler weiß sich auch die Stadt Bietigheim-Bissingen besonders verpflichtet. Die Städtische Galerie zeigt in ihren Ausstellungen immer wieder eine Auswahl seiner Werke. Literatur: Herausgeber: © Stadt Bietigheim-Bissingen 1. Auflage, 2002, 2000 Stck. (= Faltblatt des Stadtarchivs) |
|
Zum Namenbuch:
Zur Straßenübersicht:
und
hier zurück zu meiner Homepage.